Stand: 08.10.2018 17:00 Uhr

Eine georgische Sage von Schota Rustaweli

Der Held im Pardelfell - Eine georgische Sage von Schota Rustaweli
von Tilman Spreckelsen

Das Gastland auf der Buchmesse in Frankfurt ist in diesem Jahr Georgien. Aus diesem Anlass erscheinen etliche Bücher aus Georgien, von georgischen Autoren und Autorinnen in deutscher Übersetzung. Zum Beispiel im Galiani Verlag die Georgische Sage "Der Held im Pardelfell" von Schota Rustaweli, für deutsche Leser nacherzählt von Tilman Spreckelsen, illustriert von Kat Menschik.

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Eine märchenhafte und faszinierende Geschichte als dem mittelalterlichen Georgien.

"Der Held im Pardelfell" ist ein georgisches Versepos aus dem zwölften Jahrhundert, in dem es um zwei Männer geht, die beide so sehr lieben, dass sie nahezu dem Wahnsinn verfallen. Sie kämpfen wie Raubkatzen um ihre Frauen, überwinden Gegner und Dämonen, töten jeden, der sich ihnen in den Weg stellt und schließen unverbrüchliche Freundschaft miteinander.

Atemberaubender Ritterroman

Ein Ritterroman also, angesiedelt nicht nur in den Landschaften Georgiens, sondern er spielt zum Teil auch in Arabien und Indien - durch Flucht, Entführung einer Dame, Verfolgung, Rückeroberung durch die Ritter. Eine atemberaubende Geschichte.

Nationalheld auch im heutigen Georgien

Schota Rustaweli ist bis heute in Georgien sehr präsent, nicht nur jedes Schulkind lernt seinen 800 Jahre alten Text kennen, schon die Reisenden werden am Flughafen von Tiflis mit ihm begrüßt, denn der Flughafen ist nach Schota Rustaweli benannt, ebenso wie die Prachtstraße Rustaweli Boulevard. Man findet Büsten, Statuen, er ist im Museum ausgestellt und ziert die Geldscheine des Landes.

Der Literaturredakteur der "FAZ", Tilman Spreckelsen, ist nach Georgien gereist, um die Landschaft und ein bisschen die Seele dieses Landes zu ergründen, in dem Rustawelis Ritterroman bis heute so populär ist. Er hat festgestellt: "Die Präsenz Rustawelis ist die eine Spur, die man verfolgen kann, wenn man nach ihm sucht. Die andere hat mit eindrucksvollen Landschaften zu tun, die Rustaweli beschrieben hat, nicht zuletzt die Wohnhöhle des menschenscheuen Ritters Tariel, in der er zusammen mit Asmat wohnt, der Freundin seiner verlorenen Geliebten, entfernt von aller Welt, bekleidet mit dem Fell einer Raubkatze."

Eine Geschichte wie ein orientalisches Märchen

Awtandil, der zweite Ritter, liebt die Tochter seines Königs, der sich allerdings für einen anderen Schwiegersohn entschieden hat. Ein ähnliches Schicksal hat Tariel erlitten, doch als er stumm einfach erdulden und seinem König weiterhin dienen will, bekommt seine temperamentvolle Geliebte Nestan einen Tobsuchtsanfall und beschimpft ihn wüst:

Du wirst keine Sekunde lang irgendein Amt bekleiden, das über dem eines Rinderhirten steht. Wenn ich dich überhaupt am Leben und in Freiheit lasse! Wie konntest du nur diesem abscheulichen Hochzeitsplan zustimmen! Leseprobe

Tariel begreift, dass Nestan den jungen Rotzlöffel auf keinen Fall heiraten möchte und tötet kurzerhand den jungen Königssohn, der aus einem anderen, vermögenden Reich stammt. Auch wieder falsch. Eine Zeit schwerster Irrungen und Wirrungen beginnt.

Großartige Grafiken illustrieren das Buch

Tilman Spreckelsen erzählt das Ritterepos mit einer eigenen Mischung aus Würde und unglaublicher Spannung nach. Er schreibt, dass er dabei zunehmend ins Staunen über die Vorlage kam und das erzählerische Gefüge bewunderte.

Illustriert ist es grandios von Kat Menschik, deren Bilder uns dabei unterstützen, gedanklich in diese Zeit zu reisen. Dazu sind Zitate von Rustaweli eingestreut, die im heutigen Georgien geflügelte Worte sind. Jede Feministin müsste sich freuen über Rustawelis Feststellung:

Die Löwenjungen sind dem Löwen gleich, ob sie nun Löwe oder Löwin seien! Leseprobe

Die Geschichte endet im Frieden, die Ritter werden glücklich mit ihren Damen vereint, nun sollen auch die Armen des Landes beschützt sein, jedem Gerechtigkeit geschenkt werden und kein Lamm soll fürchten, wenn es neben dem Wolf zur Tränke kommt. So endet die Rittersage.

So wie sie hier im Buch daher "geritten" kommt, hält man eindeutig ein kleines Kunstwerk in der Hand, ein Meisterstück der Buchherstellung: Typografie und Illustration - alles stimmig und herausragend gestaltet.

Der Held im Pardelfell - Eine georgische Sage von Schota Rustaweli

von
Seitenzahl:
208 Seiten
Genre:
Roman
Zusatzinfo:
Illustriert von Kat Menschik
Verlag:
Kiepenheuer & Witsch
Bestellnummer:
978-3-86971-174-4
Preis:
25,00 €

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