Thommie Bayer: "Das Glück meiner Mutter" © Piper

Thommie Bayer: "Das Glück meiner Mutter"

Stand: 06.04.2021 08:18 Uhr

Mit seinen liebenswert-melancholischen Romanen hat Thommie Bayer inzwischen eine große Leserschaft erobert. Nun gibt es neuen Lesestoff von dem Autor: "Das Glück meiner Mutter".

von Annemarie Stoltenberg

Begonnen hat Thommie Bayer nach der Schule mit dem Studium der Malerei, dann war er viele Jahre als Liedermacher unterwegs und seit den 1980er-Jahren konzentriert er sich auf die Schriftstellerei.

Romane, in denen ein Familiengeheimnis entschlüsselt wird, gibt es seit einigen Jahren in großer Zahl. Bibliotheken bestücken ganze Regalreihen damit. Fast immer ist es in den Geschichten ein Zufall, der zur Aufdeckung führt. Thommie Bayer weiß durchaus, dass er sich da über das dünne Eis des Kitsches bewegt und lässt seinen Helden grübeln:

… dass es solche Zufälle nicht gibt. In Büchern sind sie absolut verboten, in Filmen, zumindest wenn sie komisch sind, beliebt, aber im wirklichen Leben kommen nicht genau die beiden Menschen zusammen, die aus ihrer Kindheit noch eine Rechnung miteinander offen haben. Leseprobe

Thommie Bayer erzählt eine Geschichte voller Sanftmut und Heiterkeit

Aber Hand aufs Herz, alle Vielleser kennen Situationen im Leben, in denen man ausruft: Wenn das jetzt in einem Roman stünde, fände man es komplett übertrieben. Wir verzeihen Thommie Bayer allein schon deshalb das Konstruierte seiner Geschichte, weil er sie mit solcher Sanftmut und Heiterkeit zu erzählen weiß, dass es uns zur Freude gereicht. Gleich am Anfang möchte man italienische Schlager auflegen, um die Stimmung unseres Helden zu teilen.

Phillip Dorn, ein in Nürnberg lebender Drehbuchautor, kauft sich ein neues schickes Auto, das ihm viel Spaß macht:

Selbstverständlich redete ich nur mit dem Auto, wenn ich allein war und mich niemand deswegen für albern halten konnte. Leseprobe

Gerade ist es Philipp Dorn gelungen, den Schmerz über eine tiefe, leider zerbrochene Liebesgeschichte zu verwinden. Er pflegt nun seine Freundschaft mit einer alleinerziehenden Nachbarin und ihrem Sohn. Soeben hat er die Arbeit an einem neuen Drehbuch abgeschlossen.

"Das Glück meiner Mutter": Nach Italien zum Vergessen und sich Erinnern

Es wird einige Wochen dauern, bis es gelesen und natürlich überarbeitet wird. Also hat er Zeit. Die nutzt er für eine hochvergnügte Reise nach Italien. Er erinnert sich an viele Reisen, die er mit seiner Mutter durch Italien unternommen hat. Diese Mutter war eine aufsehenerregende Schönheit und auf ihn, als Sohn, fiel auch immer etwas von der Ehrfurcht für sie und ihren Glanz ab. Die gemeinsamen Ausflüge waren eine schöne Zeit für beide, registriert er nach ihrem Tod:

Die Abwesenheit von Glück merkt jeder, die Anwesenheit nicht unbedingt. Leseprobe

Die Ehe seiner Eltern war allerdings eine kühle Katastrophe. Sie hatte ihrem Mann, einem Pastor, einen Seitensprung gestanden. Der Vater reagierte mit komplettem Liebesentzug, verstand nichts von der christlichen Tugend des Vergebens und Vergessens. Die Ehe blieb bestehen, aber er sprach nie wieder ein vertrautes Wort mit seiner Frau. Sehr seltsame Verhältnisse, in denen Phillip aufwuchs. Einmal fragte ihn seine Mutter, ob er mit ihr nach Italien ziehen würde, sie habe dort jemanden kennengelernt.

Zwar hatte er sich jahrelang gewünscht, seine Mutter würde den Vater endlich verlassen, aber nun war er gerade zum ersten Mal verliebt und hatte eine Band gegründet. Er wollte nicht weg. Nirgendwo hin, wo er niemanden kannte. Aber nun, als Erwachsener, mietet er ein kleines Ferienhaus in der Nähe von Arrezzo und dort begegnet er einer schönen Frau in seinem Alter, die zum geheimen Leben seiner Mutter gehört. Nun entwickelt sich diese schöne Geschichte, die man sich so gern von Thommie Bayer erzählen lässt.

Das Glück meiner Mutter

von Thommie Bayer
Seitenzahl:
224 Seiten
Genre:
Roman
Verlag:
Piper
Bestellnummer:
978-3-492-05726-4
Preis:
22,00 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue Bücher | 06.04.2021 | 12:40 Uhr

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