Sendedatum: 22.09.2015 12:40 Uhr

Ein gemeingefährlicher Bücher-Fan

von Annemarie Stoltenberg
Stephen King - Finderlohn (Cover) © Heyne Verlag
Stephen King hat weltweit rund 400 Millionen Bücher in mehr als 50 Sprachen verkauft.

Er ist einer der meist gelesenen, erfolgreichsten Autoren der Gegenwart mit einem geschätzten Jahreseinkommen von 45 Millionen Dollar: Stephen King. Jetzt ist ein neues Buch des amerikanischen Thrillerautors erschienen mit dem Titel "Finderlohn".

Wenn Sie Lust haben auf Lektürestunden mit erhöhtem Puls und angehaltenem Atem, dann sind Sie hier richtig. Schon das Cover ist geradezu genial und erzählt die Geschichte in Kürzestform: Ein dicker, kostbarer Füllhalter, von dessen vergoldeter Spitze Blut tropft.

Morden für Manuskripte

Die Story geht in groben Zügen so: Ein charakterlich schwer gestörter junger Mann namens Morris Bellamy ist leidenschaftlicher Leser der Romane eines gewissen John Rothstein. Rothstein hat vor Jahren aufgehört, weitere Romane zu veröffentlichen und lebt abgeschieden in der Provinz. Bellamy verübt mit zwei Kumpeln einen Raubüberfall in Rothsteins Haus. Im Safe findet er die Notizbücher des großen Meisters.

Es ist genau das, wonach Morris gesucht hat. Er tötet Rothstein, stiehlt das Bargeld und sämtliche Notizbücher, die er findet. Seine Mittäter bringt er kurz darauf auch um und wird kurze Zeit später festgenommen wegen eines ganz anderen Deliktes. Er hat eine Frau vergewaltigt und bekommt dafür lebenslänglich.

Unerwarteter Geldsegen

In sein ehemaliges Elternhaus zieht später die Familie Saubers, Eltern mit ihren zwei halbwüchsigen Kindern. Die Ehe droht über den finanziellen Sorgen zu zerbrechen. Als Sohn Pete in der Nähe des Grundstücks einen durch Erdabrutsch hervorragenden Koffer entdeckt, in dem sich eine Menge Geld und Notizbücher befinden, schmiedet er einen gefährlichen Plan. Erst schickt er per Post seinen Eltern Geld, in - pro Monat - etwa 500 Dollar Portionen, damit sie wieder auf die Füße kommen. Er wundert sich, dass sie eigentlich nie wirklich wissen wollen, woher es kommt.

Sie verdrängen einfach jede Grübelei über die Herkunft des Geldes, weil sie es zu sehr brauchen. Als das Geld wirklich alle ist, wird noch eine größere Summe für die Ausbildung seiner Schwester benötigt. Pete hat sich inzwischen mit dem Schriftsteller John Rothstein intensiv beschäftigt und erkennt messerscharf, welchen Schatz er besitzt. Sein Lehrer in der Schule hat ihm beigebracht:

Die Zeit sondert erbarmungslos das Langweilige und das Nichtlangweilige aus. Das ist ein natürlicher Prozess im Sinne von Darwin. Es ist der Grund, warum Romane von Graham Greene in jeder guten Buchhandlung erhältlich sind, jene von Somerset Maugham hingegen nicht ... Leseprobe

Showdown mit Nervenkitzel

Ob dieser Literatur-Darwinismus alles gut regelt oder nicht, dafür haben wir hier wirklich keine Zeit. Pete begibt sich in zu große Gefahr. Er sucht nach einer Möglichkeit, die Notizbücher zu verkaufen. Inzwischen ist Morris Bellamy aus der Haft entlassen. Er sucht unter Hochdruck nach seinem Schatz.

Der Countdown beginnt. Morris Bellamy zeigt alle Kennzeichen von echtem abgrundtiefen Wahnsinn, der ihm leider Riesenkräfte verleiht. Zum Schluss weiß zumindest Pete, dass es etwas gibt, das noch wichtiger ist als Literatur.

Wir waren dann 540 Seiten lang  auf Verbrecherjagd mit Stephen King, sind glücklich und erschöpft. Wie ein guter Coach lässt er das harte Training sanft ausklingen - und zum Schluss macht er seine Fans durch ein, zwei kleine Abschiedsschlenker schon süchtig nach dem nächsten Roman von Stephen King.

Finderlohn

von Stephen King, aus dem Amerikanischen von Bernhard Kleinschmidt
Seitenzahl:
544 Seiten
Genre:
Krimi
Verlag:
Heyne Verlag
Bestellnummer:
978-3-453-27009-1
Preis:
22,99 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue Bücher | 22.09.2015 | 12:40 Uhr

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