Stand: 31.05.2018 14:06 Uhr

Peter Mathis: Ein Fotograf auf Schatzsuche

Alpen
von Peter Mathis
Vorgestellt von Juliane Bergmann

Als Teenager hat der Österreicher Peter Mathis bei seinen Klettertouren angefangen, Berge zu fotografieren. Eigentlich nur, um seine Erfolge zu dokumentieren. Inzwischen hat er den Spieß umgedreht: Er wandert vor allem, um tolle Motive für seine Fotos zu finden.

Alpenfotografien von Peter Mathis

Zu sehen ist eine riesige Fläche aus Hellgrau. Hindurch schlängelt sich eine weiße Linie. Es ist ein Pfad. Darauf: fünf schwarze Punkte. Es sind Menschen, die dick eingepackt und ausgerüstet mit Rucksäcken und Trekking-Stöcken in den schneebedeckten französischen Alpen, entlang der Bergkette "Aiguilles Rouges" wandern.

Hoher Aufwand für starke Bilder

Um beeindruckende Bilder machen zu können, muss Peter Mathis viel investieren. Auch bei Minusgraden und in 3.000 Meter Höhe schleppt er seine 15 Kilogramm schwere Fotoausrüstung mit. Häufig zittert sein ganzer Körper vor Kälte, wenn er hinter dem Stativ steht. Immer wieder kriecht er deshalb in seinen Biwaksack, um sich aufzuwärmen. Manchmal gelingt ihm bei einer solchen Tour nur ein einziges gutes Foto, schreibt er in seinem Buch "Alpen".

Mathis ist seit Jahrzehnten Alpinist und sehr erfahren in den Bergen, in der Wetterkunde und beim Fotografieren. "Je größer der Aufwand war und je kälter es war und je härter der Tag war, umso mehr freut einen natürlich das Bild hinterher", schildert der Fotograf gegenüber der Deutschen Welle. "Da hat man dann ja auch einen Bezug dazu. Etwas, das man sich erlaufen oder ergangen oder erklettert hat, das ist dann natürlich wertvoller."

Sehr künstlerisch sind die Schwarz-Weiß-Aufnahmen in diesem Bildband. Manchmal wirken sie grafisch, klar und kontrastreich. Dann wieder sehen sie wie gemalt aus, ganz weich. Etwa die Zugspitze mit Schnee, die aussieht als ob jemand ein weißes Leintuch, das bergab Falten wirft, darüber gespannt hätte. Genauso beeindruckend sind Aufnahmen vom "Grandes Rousses", einem französischen Alpenmassiv, im schattigen Dunkel. Nur ein Kranz aus hell erleuchteten Tannen zeichnet ihre Umrisse nach.

Vom Actionfotograf zum Naturliebhaber

Lange Zeit hat Peter Mathis sein Geld mit Sportfotografie verdient. Er fotografierte Snowboarder, Kletterer und Skifahrer. Meist war er ganz nah dran und hielt die Dynamik der Sportarten beim Springen, Fliegen oder Schwitzen fest. Immer stand dabei der Mensch im Mittelpunkt. Inzwischen aber konzentriert sich der Österreicher auf die Natur. Menschen tauchen in seinen Bildern eher selten auf, wenn dann noch als winzige Tupfer.

Die Alpen sind vielfach schon entdeckt, altbekannt, wenn man es böse formuliert: totfotografiert. Peter Mathis findet dennoch neue Bilder. Er hat ein Auge für das Ästhetische und das Sinnliche.

Viele seiner Aufnahmen fangen den perfekten Moment ein: das Spiel mit der Sonne, dem Schnee, dem Nebel oder dem Wind. Im nächsten Augenblick schon wird alles anders aussehen. Vielleicht das Schönste an seinem Bildband: Er zelebriert das Fragile und Flüchtige.

Mathis meistert Auf- und Abstiege im Dunkeln, hat unter Temperaturen, bei denen er Frostbeulen an den Händen bekommen hat fotografiert und häufig würde ein falscher Schritt das Ende seines Lebens bedeuten. An solche Orte unter solchen Wetterbedingungen wird sich kein Laie wagen. Peter Mathis nimmt den Betrachter dahin mit. Geduldig, beharrlich und mutig genug, an seine körperlichen Grenzen zu gehen. "Das ist wie Goldsuchen. Ich suche ja auch einen Schatz", erklärt Mathis. "Und ich bin eigentlich Sammler. Es reizt mich, die Bilder zu sammeln."

Alpen

von
Seitenzahl:
192 Seiten
Genre:
Bildband
Verlag:
Prestel
Bestellnummer:
978-3-7913-8381-1
Preis:
49,95 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassikboulevard | 03.06.2018 | 17:40 Uhr

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Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: https://www.ndr.de/kultur/buch/tipps/Peter-Mathis-Alpen,mathis104.html

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