Buchcover: Isabel Bogdan Mein Helgoland © mare Verlag

"Mein Helgoland": Isabel Bogdan erzählt von ihrer Lieblingsinsel

Stand: 29.07.2021 09:26 Uhr

Der mare-Buchverlag bringt eine Reihe heraus, in der Autoren von ihren Lieblingsinseln erzählen. Neu erschienen ist jetzt "Mein Helgoland" von der Hamburger Übersetzerin und Bestsellerautorin Isabel Bogdan.

Buchcover: Isabel Bogdan Mein Helgoland © mare Verlag
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von Katrin Krämer

Was für zwischenmenschliche Beziehungen gilt, ist womöglich auch auf das Verhältnis von Menschen und Orten übertragbar. Oft genug hängt der erste Eindruck, den man von Stadt, Land oder Fluss hat, von der eigenen Laune ab, vom Wetter oder von den Mitmenschen. Und manchmal muss man sich eine neue Umgebung erst erobern, lernen, sie zu lieben. So hat Isabel Bogdan es mit Helgoland erlebt.

Isabel Bogdans vielfarbige Handschrift

Ich gestehe, ich musste mich erst mal eingucken, sozusagen. Ich fand es nicht auf den ersten Blick schön. Leseprobe

Das einzige, was die Schriftstellerin sofort begeisterte: die Farben der Häuser, geschaffen von dem Künstler Johannes Ufer. Bis zu seinem Tod 1987 war Ufer als Bühnenbilder für die Hamburgische Staatsoper tätig, außerdem hat er in der Stadt viele Fassaden mit Wandbildern verziert und Skulpturen für den öffentlichen Raum geschaffen. 1955 bekam er den Auftrag, die im Wiederaufbau befindlichen Häuser auf Helgoland zu gestalten. Dafür hat er sogar ein spezielles Farbspektrum entwickelt.

Sie sind kräftig, aber nicht knallig - blau, grün, rot, gelb, orange, alle mit einer dezent erdigen Abtönung. Im Unterland sind sie ein bisschen forscher, oben etwas zurückhaltender. Diese Farben machen sofort gute Laune, sie haben so etwas Vergnügtes, ohne einem auf die Nerven zu gehen. Eher stillvergnügt; sie sind eindeutig präsent, machen aber keinen Lärm. Leseprobe

"Stillvergnügte Farben", das ist so ein typisch verspieltes und luftiges Bogdan’sches Sprachbild. Ihre originelle literarische Handschrift hat sie in ihrem ersten Roman "Der Pfau" unter Beweis gestellt, in dem ein verrückter Vogel alles auf den Kopf stellt. In ihrem letzten Roman "Laufen", in dem sich die Protagonistin Trauer und Schuldgefühle von der Seele rennt, ließ die Autorin eine dunklere Tonart anklingen. "Mein Helgoland" ist dagegen vielfarbig wie die Hummerbuden der Hochseeinsel.

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Helgoland ist zu Bogdans "Schreibinsel" geworden

Außer um Insel-Geschichten, um unterhaltsame und lehrreiche Begegnungen mit Mensch, Meer, Land und Tier, geht es in "Mein Helgoland" ums Schreiben. Für Isabel Bogdan ist Helgoland zu ihrer "Schreibinsel" geworden, auf die sie sich gerne zum Arbeiten zurückzieht.

Schreiben ist auch eine Insel. Man ist allein mit dem Text, abseits von allem anderen, und man bleibt gedanklich auch dann, wenn man gerade nicht am Schreibtisch sitzt, immer irgendwie bei der Geschichte, bei den Figuren, bei dem Thema, mit dem man sich gerade befasst. Leseprobe

James Krüss als Fels in der Brandung

Und während sie einsam gegen die Flut der Zweifel ankämpft, wird James Krüss für sie zum Fels in der Brandung. Der gebürtige Helgoländer und Autor von Büchern wie "Timm Thaler oder das verkaufte Lachen", schrieb 1960 "Mein Urgroßvater und ich". Und darin spielt das Geschichtenerzählen eine große Rolle. Dieses Buch zieht sich wie ein hummerroter Faden durch "Mein Helgoland". Uneitel und offenherzig erzählt Isabel Bogdan von ihrem Kampf mit Wörtern und Sätzen, der täglichen Suche nach dem Sprachrhythmus und der passenden Perspektive.

Wie alle "Meine Insel"-Bücher des mare-Verlags ist auch "Mein Helgoland" ein literarischer Reiseführer mit sehr persönlicher Note. Wir bekommen hier aber zusätzlich einen Besuch in Isabel Bogdans Schreibwerkstatt spendiert und dürfen die Schriftstellerin auf ihren felsigen Pfaden begleiten, die sie durch das Meer der Sprache führen.

Mein Helgoland

von Isabel Bogdan
Seitenzahl:
112 Seiten
Genre:
Sachbuch
Verlag:
Mare
Bestellnummer:
978-3-86648-654-6
Preis:
18,00 €

Dieses Thema im Programm:

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