Stand: 05.09.2017 16:43 Uhr

Auf den Spuren von Karl Marx in Hamburg

Karl Marx in Hamburg - Der Produktionsprozess des "Kapital"
von Jürgen Bönig
Vorgestellt von Ruth Asseyer

"Das Kapital" von Karl Marx gehört neben der Bibel zu den auflagenstärksten Büchern der Welt. Im September 1867 erschien es in Hamburger Verlag Otto Meissner in einer Auflage von 1.000 Stück. Dass es in Hamburg veröffentlicht wurde, ist kein Zufall, meint der Technik- und Sozialhistoriker Jürgen Bönig. Die Stadt habe großen Anteil am Entstehen des Buches, besonders in Gestalt seines Verlegers Otto Meissner. In "Karl Marx in Hamburg" rekonstruiert Bönig die Entstehungsgeschichte des "Kapitals".

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So sah das Hamburger Rathaus um 1830 aus.

Das Rathaus ist der richtige Ort, um mit Jürgen Bönig über Karl Marx und Hamburg zu sprechen, auch wenn sein Bau erst 1883, also im Todesjahr von Marx, begann. Denn Otto Meissner, der Verleger des "Kapitals", war daran beteiligt. "Er hat mit Martin Haller dafür gesorgt, dass ein bestimmter Typ von Rathausbau zustande kam, war von 1871 bis '76 Bürgerschaftsabgeordneter und ein völlig anerkanntes Mitglied der Hamburger Gesellschaft, über dessen Ladentisch Marxismus und Sozialismus ging."

Damals durften nur die höheren Stände wählen und gewählt werden. Der Verleger gehörte zu dem Teil der Oberschicht, die Reformen forderte: "Otto Meissner war einer, der gesagt hat: Wir müssen Stadtentwicklung machen, wir müssen soziale Entwicklung machen!", sagt Bönig.

Wenige Fabriken bei Marx' ersten Besuchen

Das, was Karl Marx im "Kapital" beschreibt, nämlich die kapitalistische Produktionsweise, die alles in eine Ware verwandelt, war damals in Hamburg noch kaum sichtbar. Fabriken gab es nur wenige. Karl Marx stieg im April 1867 an den Landungsbrücken aus dem Segelraddampfer und brachte sein Manuskript in Otto Meissners Verlag in der Bergstraße 26. "Da sind natürlich keine Autos gefahren. Fahrräder gab es nur als Hochräder. Es gab Pferdewagen, Fußgänger und ich glaube es war laut, weil die Leute gesungen, geredet, angepriesen haben. Nicht mit technischen Mitteln, sondern einfach mit der menschlichen Stimme."

Fünf Aufenthalte in Hamburg

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Im April 1867 kam Karl Marx mit seinem Manuskript für "Das Kapital" nach Hamburg. Insgesamt war er fünf Mal in der Hansestadt.

Jürgen Bönig hat 17 Orte rund ums Rathaus ausfindig gemacht, die der Journalist Karl Marx besuchte - von Sillem's Basar am Jungfernstieg bis zum Verlag Julius Campe in der Schauenburger Straße. Das Buch illustriert sie mit vielen historischen Fotos und farbigen Grafiken. Insgesamt hielt Marx sich zwischen 1845 und 1874 fünf Mal in Hamburg auf und logierte in den besten Hotels.

Karl Marx studierte die Hamburger Bankenkrise von 1857 genau. Er diskutierte seine Theorien in den Arbeiter-Bildungsvereinen und mit Bürgern. 23 Jahre lang schrieb er am "Kapital". Verstanden wurde er selten. Jürgen Bönig möchte die Angst vor dem Buch abbauen. Er will veranschaulichen, auf welche sozialen Fragen Marx versucht hat, Antworten zu finden. Herausgekommen ist ein originelles Hamburg-Geschichtsbuch.

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Karl Marx in Hamburg - Der Produktionsprozess des "Kapital"

von
Seitenzahl:
184 Seiten
Verlag:
VSA
Bestellnummer:
978-3-89965-751-7
Preis:
19,80 €

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Abendjournal | 05.09.2017 | 19:00 Uhr

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