John Cleese © picture alliance / NurPhoto | Artur Widak

John Cleese lüftet Geheimnisse des Kreativseins

Stand: 28.07.2021 12:25 Uhr

Kreativität gilt als mysteriöses und seltenes Geschenk, das nur Wenigen zuteil wird. Dass man es lernen kann, verrät John Cleese. Nun erscheint das neue Buch des legendären Monty Python-Komikers.

von Imke Köhler

"Kreativ sein und anders denken" liest sich leicht und schnell. Auf gut hundert Seiten widmet sich John Cleese der Kreativität und berichtet dabei auch über seine eigenen Erfahrungen, wie er als Komiker und Autor Sketche und Skripts geschrieben hat. Die Kernbotschaft des Buches lautet: kreativ sein kann jeder. Wir müssen es nur wieder lernen.

Im "Secret Leaders"-Podcast sagte Cleese dazu: "Ich glaube, dass alle Kinder kreativ sind, weil sie wissen, wie man spielt. Aber unser Bildungssystem und unsere Gesellschaft im Allgemeinen treiben den Leuten die Kreativität aus."

Bedingungen für Kreativität schaffen

Als Kreativität definiert Cleese die Fähigkeit, Ideen zu entwickeln, wie sich Dinge besser machen lassen. Das Problem heutzutage sei aber, dass die Erwachsenen unter starkem Zeit- und Leistungsdruck stünden, dass sie Angst hätten, Fehler zu machen und der Alltag von ständigen Unterbrechungen und Ablenkungen geprägt sei. So lasse sich die Kreativität nicht herauskitzeln, hat Clesse in Interviews deutlich gemacht.

Großraumbüros steht der Brite eher kritisch gegenüber. Cleese fordert dazu auf, zunächst einmal die Bedingungen für Kreativität zu schaffen. Und das heißt für Ruhe zu sorgen: "Sie müssen sich einen Raum schaffen, indem Sie nicht unterbrochen werden, wo es nichts gibt, was Sie ärgern oder irritieren könnte. Diesen Raum müssen Sie für 75 Minuten oder anderthalb Stunden haben, denn in den ersten 15 Minuten muss erst einmal der Verstand zur Ruhe kommen.

Den Geist zur Ruhe kommen lassen

Der praktische Tipp lautet, sich hinzusetzen, nicht auf- und abzumarschieren, nicht auf die Uhr oder das Smartphone zu schauen. Cleese beschreibt in seinem Buch recht amüsant, was dann zunächst einmal passiert, wenn man sich auf diese Weise konditioniert.

Mag sein, dass Sie sich beim ersten Versuch dabei ertappen, wie Sie denken: Oh, ich habe ganz vergessen, Tom anzurufen. Und dann fällt Ihnen ein, dass Sie Ihrer Katze noch kein Geburtstagsgeschenk gekauft haben. Als Nächstes erinnern Sie sich wieder daran, wie peinlich es Ihnen war, als Sie am Vorabend nicht mehr auf den Namen Ihrer Schwester kamen. Dann fragen Sie sich, warum Ihr Bein so juckt und ob Sie nicht allmählich loslegen sollten, indem Sie sich erst einmal einen Kaffee kochen. Keine Sorge, das geht allen so. Buchzitat

Tatsächlich müsste man den Geist zur Ruhe kommen lassen wie bei einer Meditation. Dann erst kämen die Ideen. Die Gedanken, die dann kommen, könnten komisch sein, warnt Cleese, was daran liege, dass sie aus unserem Unbewusstsein stammten. Sie können richtig bescheuert sein, aber auch brillant. Die Monty Python-Legende rät dazu, die Ideen erst einmal heranreifen zu lassen - erst dann sei unser logisch-analytisches Denken gefragt, das sie auf Herz und Nieren prüft.

Keine Gewähr für gute oder brillante Ideen

Mit einem ständigen Wechsel zwischen Kreativmodus und kritischer Überprüfung würden die Ideen immer besser. Cleese räumt allerdings ein, dass sich das Unbewusstsein nicht steuern lässt. Wann eine Idee kommt und ob sie gut ist oder nicht, lasse sich nicht vorhersagen. Mit dieser Unsicherheit müssten kreative Menschen umgehen können.

"Kreativ sein und anders denken"

Seitenzahl:
128 Seiten
Genre:
Sachbuch
Verlag:
Edition Michael Fischer
Veröffentlichungsdatum:
27.07.2021
Preis:
16,00 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 27.07.2021 | 11:20 Uhr

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