Sendedatum: 21.02.2013 10:55 Uhr

Ein ganz besonderer Sommer

Schneckenmühle
von Jochen Schmidt
Vorgestellt von Katja Eßbach

Der Berliner Autor Jochen Schmidt gründete 1999 mit ein paar Freunden die Berliner Lesebühne. Noch heute liest er dort fast jede Woche. Außerdem hat er bereits mehrere Erzählbände und den Roman "Müller haut uns raus" veröffentlicht. Sein neuer Roman heißt "Schneckenmühle". Er erzählt von einem ganz speziellen Sommer.

Von Katja Eßbach

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Das Buch "Schneclenmühle" ist im Verlag C. H. Beck erschienen.

Der Sommer 1989 ist für die Ostdeutschen ein ganz besonderer. Es ist der letzte vor dem Zusammenbruch der DDR. Für den 14-jährigen Jens aus Ostberlin ist es vor allem der letzte Sommer, den er im Ferienlager "Schneckenmühle" verbringen darf. Im nächsten Jahr wäre er zu alt, denn in DDR-Ferienlager durfte man nur, bis man 14 war.

Jens findet es in "Schneckenmühle" herrlich: Dort kann man den ganzen Tag Tischtennis spielen, manchmal muss man wandern und einmal in der Woche ist Disko.

Bei der Disko riecht der Essensaal noch nach der gelben Milchsuppe vom Mittag (...) Diesmal kommt andere Musik vom Tonband (...) Wenn ein Lied gespielt wird, das keiner von uns kennt, dann ist es "von hier" , und wir verziehen angewidert das Gesicht (...) Was ist der Trick beim Tanzen? Viele sehen nur aneinander vorbei, treten von einem Fuß auf den anderen und schlenkern nachlässig mit den Armen. Aber nicht einmal das traue ich mich. (Buch-Zitat)

Das Geheimnis der Sache mit den Mädchen

Der Autor Jochen Schmidt ist Jahrgang 1970 und Ostberliner. Er erzählt über den letzten Sommer der DDR aus der Sicht eines Teenagers, der von den kommenden Veränderungen nichts ahnt. Jens ist ganz und gar gefangen in der Welt eines 14-Jährigen, der sehr gern hinter das Geheimnis der Sache mit den Mädchen kommen würde, der nicht weiß wie man tanzt, und der sich altersgemäße Gedanken über das Leben als solches macht.

Vier Jahre an der neuen Schule, und danach kommt die Armee. Und wenn man die überlebt hat, ohne von den anderen mit Zigarettenqualm im Spind erstickt worden zu sein, muß man studieren (...) Wo werden ich später arbeiten? In einem "Betrieb"? (...) Betriebe liegen immer hinter hohen Mauern, und von drinnen hört man eine einsame Kreissäge und das Fluchen eines Mannes (...) Bis zur Rente wird im Leben alles immer schlimmer. Zum Glück kann ich zur Not in den Westen gehen. (Buch-Zitat)

Schmidt schreibt leicht und heiter über das "Andererseits"

Jochen Schmidt trifft den altklugen Ton zwischen Kind und Erwachsenem genau. Er schildert diese Verzweiflung, wenn man sich in seinen eigenen Gedanken und Gefühlen verheddert, diese Prise Überheblichkeit, diese leuchtende Verheißung der Zukunft.

Und da unterschieden sich 14-Jährige in der DDR wohl kaum von Gleichaltrigen im Westen. Einerseits. Andererseits schon. Und über dieses Andererseits, dieses DDR-spezifische, schreibt Schmidt leicht und heiter. Für Ostdeutsche ist das, als hätte jemand in ihren Kopf geguckt und ihre eigenen Erinnerungen gesehen.

Schneckenmühle

von
Verlag:
C. H. Beck
Bestellnummer:
978-3-406-64698-0
Preis:
17,95 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Buchtipp | 21.02.2013 | 10:55 Uhr

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