Buchcover: Simon Beckett - Die Verlorenen © Wunderlich Verlag

"Die Verlorenen": Neue Thriller-Reihe von Simon Beckett

Stand: 19.07.2021 10:46 Uhr

Nach der sechsbändigen Reihe um den forensischen Anthropologen David Hunter hatte Simon Beckett Lust auf einen neuen Helden: Jonah Colley spielt die Hauptrolle in Becketts neuem Roman "Die Verlorenen".

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von Maren Ahring

Man ist gleich mittendrin! Der Polizist Jonah Colley will seinem alten Freund Gavin zur Hilfe eilen, von dem er allerdings jahrelang nichts mehr gehört hatte:

Wieso tauchte Gavin jetzt aus dem Nichts auf und bat Jonah um Hilfe? An Selbstbewusstsein und Freunden hatte es Gavin nie gemangelt. Wenn er Jonah anrief, dann musste er wirklich verzweifelt sein, und das gab schließlich den Ausschlag. Denn eins machte Jonah zu schaffen. Gavin hatte ängstlich geklungen. Leseprobe

In dem verlassenen Lagerhaus finden sich mehrere Leichen, auch Gavin scheint tot zu sein - und Jonah selbst wird schwer verletzt. Simon Beckett ist ein Meister des Suspense - dieser Roman-Anfang ist einfach extrem gut gemacht. Dann allerdings schaltet der Autor einen Gang zurück: Was folgt, sind etwas langatmige Ermittlungen und Rückblenden. Jonah wird verdächtigt, etwas mit den Leichen im Lagerhaus zu tun zu haben. Und ein altes Trauma bricht auf: Sein kleiner Sohn Theo verschwand vor zehn Jahren von einem Spielplatz, während Jonah auf einer Parkbank eingenickt war. Beide Fälle, so scheint es, hängen irgendwie zusammen.

Simon Beckett: Jonah Colley "soll kein Held sein"

Der 61-jährige Brite wollte früher sogar selbst einmal Psychologie studieren und interessiert sich immer auch für die dunkle Seite der menschlichen Natur. "Er sollte kein Held sein. Er ist verletzlich und empfindlich, das macht ihn interessanter als jemanden, der nur umhergeht und die ganze Zeit andere Leute verprügelt", erklärt Simon Beckett seine neue Serienfigur Jonah Colley. Manchmal trägt Beckett jedoch zu dick auf und dadurch wirkt vor allem seine Hauptfigur etwas unglaubwürdig.

Trotzdem schafft Beckett es, dass man weiterliest und sich nicht langweilt. Auch weil er ironiefähig ist: Als Jonah - eigentlich vom Polizeidienst entbunden - in die Wohnung eines Verdächtigen einsteigt, entdeckt er eine verdächtige Luke und öffnet sie natürlich:

Jonah zog sein Handy hervor, stellte die Taschenlampen-App an und hielt es an das Loch. Ein weißer Schädel starrte ihm entgegen. "Fuck!"

Hier stöhnt man innerlich und hofft, dass nicht wieder eine übel zugerichtete Leiche auftaucht. Aber nein -dieses Mal nur ein Wespennest.

Groß und geformt wie ein zerbeulter Rugbyball, die Löcher und Einbuchtungen auf der papierähnlichen Oberfläche ließen es vage einem Gesicht ähneln.

"Die Verlorenen" Spannendes Buch trotz Schwächen

Die Handlung nimmt gegen Ende des Romans wieder an Fahrt auf. Da erlaubt sich Simon Beckett eine ungeheure und unvorhersehbare Wende in der Handlung - und man ist fast wieder versöhnt.

"Die Verlorenen" ist trotz einiger Schwächen ein spannendes Buch. Jonah Colley als Held einer neuen Krimi-Serie bleibt am Ende noch ein wenig blass. Vielleicht gewinnt er in den nächsten Bänden etwas mehr Kontur und Charakter. Trotzdem wünscht man sich ein ganz kleines bisschen den coolen forensischen Anthropologen David Hunter zurück. Und der wird irgendwann wiederkommen, das hat Simon Beckett schon versprochen.

Die Verlorenen

von Simon Beckett
Seitenzahl:
416 Seiten
Genre:
Roman
Verlag:
Wunderlich
Bestellnummer:
978-3805200523
Preis:
24,00 €

Dieses Thema im Programm:

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