Cover des Buches "Das Leben keiner Frau" © Ullstein Verlag

"Das Leben keiner Frau": Wichtiger Denkanstoß zur Emanzipation

Stand: 06.03.2022 17:34 Uhr

Feminismus und Geschlechtergerechtigkeit sind große gesellschaftliche Themen, die sich auch in Büchern widerspiegeln. Caroline Rosales geht das Thema in Romanform an: "Das Leben keiner Frau" heißt ihr Debütroman, der im August erschien.

von Maren Ahring

Der Roman beginnt mit einem rauschenden Fest: Melanie feiert ihren 50. Geburtstag:

Mein langes blumiges Cacharel-Kleid, darunter kein BH. Brillantohrringe, meine blonden Locken hochgesteckt. Einige Strähnen fallen aus der Frisur. Die Vintage-Rolex, (…) offene flache Sandalen mit goldenen Riemchen, die Fußnägel kirschrot lackiert. Leseprobe

Die "bessere" Gesellschaft feiert die Kulturredakteurin einer Münchener Tageszeitung. Der Champagner fließt in Strömen, schneller Sex liegt in der Luft. Oberflächlich betrachtet führt Melanie ein beneidenswertes Leben. Die perfekte Maske bekommt aber schnell Risse: Da ist zum Beispiel die alte, kranke Mutter, zu der Melanie ein angespanntes Verhältnis hat.

"Dein Problem ist, dass du immer diesen roten Lippenstift trägst", sagte Mutter plötzlich. (…) "Danke, Mama, das ist sehr nett." (…) "Du hast nie einen Mann halten können, Melanie. Im Gegensatz zu allen anderen Frauen hier. Gibt dir das nicht zu denken? Was nützt dir dein toller Job, vielleicht sind die anderen am Ende doch intelligenter als du." Leseprobe

Da scheint ein veraltetes Rollenbild einer Generation durch - und die Bemerkungen der Mutter verletzen Melanie tief.

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"Das Leben keiner Frau": Demontage einer Frau mittleren Alters

"Das Leben keiner Frau" ist ein Buch, das die Demontage einer Frau mittleren Alters beschreibt. Sarkastisch, traurig, manchmal komisch - und immer sehr treffsicher schildert Caroline Rosales die Absurditäten des Lebens.

"Zu dünn, um gesund, zu sein. Zu ungesund, um als Vorbild zu taugen. Keine Geliebte, keine Ehefrau, keine Freundin. Ich bin als gar keine Frau gut. Mein Leben ist das Leben keiner Frau."

Als ihr Chef Melanie dann auch noch die junge, hübsche Eilika vor die Nase setzt, eskaliert die Situation völlig. Melanie versucht, ihren Status in der Redaktion zu verteidigen.

Eine Situation, die Autorin Caroline Rosales aus ihrem eigenen Leben gut kennt: "Auch dass Melanie sich total reinsteigert, dass diese jüngere Kollegin Eilika eine Konkurrentin ist, das ist ja reine Projektion. Ich war so oft diese Eilika in meinem jungen Berufsleben. Ich wollte niemandem den Job wegnehmen, ich wollte auch nicht die Größte und Beste werden - ich wollte einfach nur einen Job haben."

Caroline Rosales: "Zeit, dass wir uns endlich den Frauen zuwenden"

Dabei ist das Thema "Frauensolidarität" nur eines in ihrem Roman. Auch wenn der Begriff "alte weiße Frau" nicht sonderlich charmant ist - Caroline Rosales erzählt davon, dass oft genug Frauen mit ihrem Verhalten das System der Männer schützen und stützen. Die Autorin möchte Frauen jeden Alters sichtbar machen: "Ich finde, es wird jetzt mal Zeit - und ich bin auch so müde immer über diese Männer zu sprechen -, dass wir uns endlich den Frauen zuwenden. Und dass wir uns auch als Frau uns zuwenden."

Vielleicht gefällt "Das Leben keiner Frau" nicht jeder Leserin, zu bitter könnten manche Erkenntnisse sein, aber Caroline Rosales gibt einen wichtigen Denkanstoß - der sich außerdem auch noch sehr gut und unterhaltsam lesen lässt.

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Das Leben keiner Frau

von Caroline Rosales
Seitenzahl:
240 Seiten
Genre:
Roman
Verlag:
Ullstein
Bestellnummer:
978-3550201639
Preis:
22,00 Euro €

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue Bücher | 18.11.2021 | 12:40 Uhr

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