Cover "Das Leben ist ein Fest" von Claire Berest © Suhrkamp

Neuer Roman über Frida Kahlo: "Das Leben ist ein Fest"

Stand: 04.06.2021 06:00 Uhr

Frida Kahlo, die große mexikanische Malerin, fasziniert bis heute. Nicht nur durch ihr Werk, sondern auch durch ihr Leben. Es gibt bereits mehrere romanhafte Biografien, ein Ballett, außerdem eine prominent besetzte Hollywood-Verfilmung, die der Hauptdarstellerin Salma Hayek 2003 eine Oscarnominierung einbrachte. Wozu also noch einen weiteren Frida Kahlo-Roman? Weil sie mich schon lange fasziniert, sagt die französische Autorin Claire Berest. "Das Leben ist ein Fest", heißt ihr jetzt auf Deutsch erschienenes Buch.

Cover "Das Leben ist ein Fest" von Claire Berest © Suhrkamp
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von Katja Weise

Viel Neues erfährt, wer sich wie Claire Berest schon lange für Frida Kahlo interessiert, vermutlich nicht bei der Lektüre - doch wählt sie eine für einen Roman bestens geeignete Perspektive: "Ich wollte die Geschichte einer Amour fou erzählen, wo wir plötzlich nicht mehr wissen, wer wir eigentlich sind, wie wir uns definieren", erklärt Claire Berest. "Eine Liebe mit großartigen, aber auch schrecklichen Momenten, in denen man sich immer wieder fragt: Was machen wir da eigentlich? Und: Ich wollte von dem Dialog zweier Maler erzählen; Diego Rivera, der von der ganzen Welt geliebt werden will, und Frida Kahlo, die von Diego Rivera geliebt werden will."

Große Liebe trotz vieler Affären

Diego Rivera ist damals einer der berühmtesten Maler Mexikos und 20 Jahre älter als Frida, die mit 18 Jahren bei einem Unfall schwer verletzt wurde und während der langen Monate im Krankenhaus zu malen begann. Um nicht verrückt zu werden. Unerschrocken sucht sie ihn auf:

"Genosse Rivera!", brüllt Frida, eine Hand als Schalltrichter am Mund, an jenem Morgen im Bildungsministerium. Der Meister steht auf einem drei Meter hohen Gerüst, er dreht sich um, als man seinen Namen ruft und beugt sich hinunter. Da steht ein Mädchen in stoischer Ruhe und sieht ihn an, mit wildem Blick, das schwarze Haar nach hinten gekämmt (...) "Was gibt's? Ich arbeite." "Ich möchte Ihnen was zeigen." "Keine Zeit, niňa." "Komm runter, Rivera, rápido." Leseprobe

Er kommt runter, unterbricht die Arbeit an dem großen Wandgemälde und kündigt für den Abend seinen Besuch an. Vermutlich hat Diego Rivera Frida Kahlos große Begabung gleich erkannt, er hat sie immer gefördert, doch erliegt er vor allem der zarten, willensstarken Frau. Im August 1929 heiraten die beiden. Trotzdem verzichtet er auch danach nicht auf andere. Frida hat ebenfalls Affären mit anderen Männern, unter anderem mit Trotzki. Doch im Grunde geht es immer nur um Diego. Zu spät erkennt sie, dass sie nicht ohne ihn leben kann.

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Frida zeichnet das Porträt ihres Vaters Guillermo Kahlo, 1951 © 2010 Banco de México en su carácter de Fiduciario en el Fideicomiso relativo a los Museos Diego Rivera y Frida Kahlo / Prestel Verlag Foto: Gisèle Freund

Bildband gibt Einblicke in Frida Kahlos Leben

Der Bildband "Frida Kahlo - ihre Fotografien" zeigt Bilder von Familie, Liebhabern und Freunden. Vor allem aber zeichnen sie ein sehr intimes Bild der Frau hinter der mexikanischen Ikone. mehr

Das Bild einer unkonventionellen jungen Frau

Claire Berest zeichnet das Bild einer temperamentvollen, unkonventionellen jungen Frau, die sich ins Leben stürzt, die die starken Schmerzen, die sie nach dem Unfall begleiten, oft in Alkohol ertränkt und in der Malerei Zuflucht und nicht Erfüllung sucht. Teilweise nimmt Berest dabei konkret Bezug auf Bilder von Frida: 1931 beispielsweise, das Paar lebt in den USA, malt sie Diego und sich:

Die Frida auf dem Bild wirkt neben ihrem Mann, als sei sie kleiner geworden, sie hat sich ein rundes Puppengesicht gemalt und neigt den Kopf deutlich zu Diego hin, wie um zu unterstreichen, dass sie nun einander gehören. (...) Diego sieht den Betrachter an, im Dreiviertelprofil, nicht seiner Frau zugewandt, sondern der anderen Seite, bereit, sich einer wichtigeren Sache zu widmen. Leseprobe

Spürbare Begeisterung für Frida Kahlo

Im Original trägt der Roman den Titel "Rien n'est noir" (nichts ist schwarz) und verweist damit auch auf das Kompositionsprinzip: Farbe für Farbe erzählt er von der großen Liebe der Frida Kahlo, die selbst ein "Gemaltes Tagebuch" führte. Berest beginnt mit einem blauen Teil, einem "kobaltblau" überschriebenen Kapitel in Mexiko, "stahlblau", als sich Frida und Diego zum ersten Mal lieben. Es folgen - ebenfalls mit verschiedensten Abstufungen - die rote, eine lange gelbe Phase und schließlich, dem Titel zum Trotz: die schwarze, denn Fridas Schmerzen sind unerträglich geworden. Man spürt Berests Begeisterung für die Malerin, die Faszination für die stürmische, verzweifelte, schicksalhafte Liebe zwischen den beiden Künstlern. Ihr ist ein empathischer Roman gelungen, der in Farben und Gefühlen schwelgt und Lust macht, die Bilder von Frida Kahlo kennenzulernen oder wieder mal anzuschauen.

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Ein Bücherstapel vor einem gefüllten Bücherregal © picture alliance/dpa / Frank Rumpenhorst Foto: Frank Rumpenhorst

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Das Leben ist ein Fest

von Claire Berest
Seitenzahl:
221 Seiten
Genre:
Roman
Verlag:
Insel Verlag
Veröffentlichungsdatum:
9. Mai 2021
Bestellnummer:
978-3-458-17901-6
Preis:
22,00 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue Bücher | 04.06.2021 | 12:40 Uhr

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