Stand: 26.11.2019 06:00 Uhr

Die besten Krimis im Herbst

von Katja Eßbach

Ein trüber Herbsttag ist perfekt, um sich mit einem Krimi auf dem Sofa zusammenzurollen. Vielleicht mit einem Roman, der Lesern des belgischen Autors Georges Simenon gefallen könnte. In "Lacroix und die Toten von Pont Neuf" wird ein neuer Kommissar präsentiert, der von seinen Kollegen nicht ohne Grund Maigret genannt wird - er ist ein ebenso unerschütterlicher und intuitiver Ermittler wie der berühmte Franzose. Ein Krimi reicht natürlich nicht, um über den Herbst zu kommen. Wir stellen drei empfehlenswerte Neuerscheinungen vor.

"Endstation" von Wolfgang Kaes

Cover des Buchs "Endstation" von Wolfgang Kaes
"Endstation" ist im Rowohlt Verlag erschienen und kostet 16,99 Euro.

2013 verschwindet der Student Jonas spurlos. Er war mit Schulfreunden in einem Club feiern, zwei Wochen später wird seine Leiche aus dem Rhein gezogen. Die Polizei geht offiziell von einem Unfall aus, die Akte wird geschlossen. Fünf Jahre später findet der LKA-Ermittler Thomas Mohr die Akte auf seinem Schreibtisch. Mohr ist verantwortlich für so genannte Cold Cases, ungeklärte Fälle. Schnell bemerkt er, dass bei den Ermittlungen schlampig gearbeitet wurde, Indizien wurden ignoriert, Zeugen nicht befragt. Er rollt den Fall, gegen den Widerstand seiner Chefs, neu auf. Dabei stellt er fest, dass seine Kollegen keine reine Weste haben. Und dass sich eine Art Paralleluniversum gebildet hat, versteckt vor der Öffentlichkeit. Dort geht die Polizei eine unheilige Allianz mit Drogendealern und Rockergruppen ein.

Bei "Endstation" von Wolfgang Kaes steht nicht die Suche nach einem Mörder im Mittelpunkt, sondern die präzise und gnadenlose Beschreibung einer Wahrheit, die man nicht für möglich hält.

"Ultimatum" von Christian von Ditfurth

Cover des Buchs "Ultimatum" von Christian von Dithfurth
"Ultimatum" ist bei Random House erschienen und kostet 15 Euro.

Der fünfte Fall des Berliner Hauptkommissars Eugen de Bodt ist ein sehr spezieller: Dr. Süß, der Mann der Kanzlerin, wurde entführt. Die Kidnapper fordern, dass Deutschland allein die Schulden Italiens und anderer südeuropäischer Staaten bezahlt, ansonsten würden sie Dr. Süß ermorden. Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, entführen die Täter wenig später auch die Frau des französischen Präsidenten. Die Regierungen und ihr Sicherheits- und Polizeiapparat sind völlig hilflos und überfordert. In Europa bricht das Chaos aus. Da erinnert sich die Kanzlerin an Eugen de Bodt, der ihr bereits bei anderen verzwickten Fällen geholfen hat.

Atemlos hetzt Christian von Ditfurth durch die Handlung und gibt den Lesern kaum einen Augenblick um durchzuatmen. Der neue Fall für Ausnahmeermittler de Bodt ist der vielleicht verworrenste und auf jeden Fall lebensgefährlichste. Auch Leser, die die vorherigen Bände der De-Bodt-Reihe nicht kennen, können "Ultimatum" ohne Probleme genießen.

"Lacroix und die Toten vom Pont Neuf" von Alex Lépic

Alex Lépic: "Lacroix und die Toten vom Pont Neuf" (Buchcover) © Kampa Verlag
"Lacroix und die Toten vom Pont Neuf" ist im Kampa Verlag erschienen und kostet 16,90 Euro.

Der Beginn einer neuen Krimiserie ist ja immer auch ein bisschen aufregend. Ist der Kommissar so besonders, dass man ihm mehrere Bände lang folgen will? Ist der Ort der Handlung interessant und vor allem abwechslungsreich? Auf alle Fragen muss man im Fall von "Lacroix und die Toten vom Pont Neuf" mit einem klaren Ja antworten. Der Pariser Kommissar Lacroix ist Mantel- und Hutträger und wird von Kollegen nicht nur ironisch Maigret genannt. Lacroix wird mit einem Fall betraut, der ein gefundenes Fressen für die Presse ist: Innerhalb dreier Tage werden drei ermordete Obdachlose gefunden. Vor 30 Jahren gab es ganz ähnliche Fälle und nun wird darüber spekuliert, ob der Mörder von damals erneut zugeschlagen hat.

Alec Lépic erzählt sehr unaufgeregt, dabei locker und elegant. Im Mittelpunkt des ersten Bandes seiner Lacroix-Reihe steht nicht nur der fast betulich, aber sehr intuitiv ermittelnde Kommissar, sondern auch Paris in all seinen Facetten.

Weitere Informationen
Fingerabdruck neben einem Maßband und einem Nummernkärtchen  Foto: Arkadiusz Fajer

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 26.11.2019 | 10:55 Uhr

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