Stand: 14.05.2014 14:45 Uhr

Chimamanda Adichie - eine Frau, die begeistert

von Katharina Mahrenholtz, NDR Info

Chimamanda Ngozi Adichie ist ein absoluter Glücksfall für jedes Verlagsmarketing: Intelligent, erfolgreich, charismatisch, witzig, wahnsinnig hübsch und - im Literaturbetrieb eher ungewöhnlich - sie kann Entertainment.

Egal ob Uni-Vortrag, Fernseh-Interview oder Talk-Show: Adichie begeistert. Sie beginnt mit lustigen Anekdoten über Haare (“In Frauenzeitschriften gibt es nie Tipps für krauses Haar - was soll ich machen?”) und kommt - eben noch kichernd - schnell auf das Thema Rassismus.

Wie ihre Heldin Ifemelu dachte auch Adichie jahrelang, sie müsse ihr Haar glätten, um in Amerika ernst genommen zu werden, um professionell rüberzukommen. Und wäre es nicht unvorstellbar, dass First Lady Michelle Obama ihr Haar natürlich trägt - also als Afro oder in einer kunstvollen Flechtfrisur?

Neuer Charme für scheinbar abgenutzte Themen

Mit solchen Überlegungen entlarvt die Autorin in ihrem Roman "Americanah" die subtile Diskriminierung von Schwarzen, die in Amerika immer noch herrscht.

Auszug aus Adichieas Rede, den auch der Song "Flawless" von Beyoncé zitiert.

"We teach girls to shrink themselves
To make themselves smaller
We say to girls
"You can have ambition
But not too much
You should aim to be successful
But not too successful
Otherwise you will threaten the man."

(Übersetzung: "Wir bringen Mädchen bei, sich kleiner zu machen, wir sagen ihnen: Ihr könnt ehrgeizig sein, aber nicht zu sehr. Ihr solltet erfolgreich sein, aber nicht zu erfolgreich. Sonst fühlen sich die Männer bedroht.")

Ihr zweites großes Thema ist der Feminismus. Puh, mag man denken, wie öde. Aber Chimamanda Ngozi Adichie verpasst auch dieser abgenutzten Vokabel neuen Charme. Ein freundlicher Herr habe ihr mal geraten, sich nicht als Feministin zu bezeichnen, denn Feministinnen seien unglückliche Frauen, die keine Ehemänner finden.

Nachzuhören ist in Adichies Rede “We should all be feminists“, die sie 2012 auf der Internetkonferenz TEDx gehalten hat und die millionenfach auf YouTube geklickt wurde. Unter anderem auch von der Sängerin Beyoncé Knowles, die einen Teil der Rede in ihren Song "Flawless" einbaute. Adichie ist begeistert, denn so beschäftigen sich junge Mädchen auf der ganzen Welt mit dem Thema "Gender", das jetzt und in Zukunft eine große Rolle spiele.

Leser und Presse lieben die Nigerianerin

Für ihren Roman "Americanah" hat Adichie viele eigene Erfahrungen verarbeitet: Mit 19 Jahren verlässt sie ihre Heimat Nigeria, um in den USA zu studieren. Sie veröffentlicht Gedichte, Kurzgeschichten und ein Theaterstück. Richtig bekannt wird sie 2003 mit ihrem ersten Roman, "Blauer Hibiskus", der in Afrika spielt, genau wie ihr zweites Buch "Die Hälfte der Sonne".

Sie gewinnt Preise und wird immer wieder eingeladen, um über Diskriminierung zu sprechen, über die Rechte der Frauen und die Bedeutung von Heimat. Mit ihrem dritten Roman hat sie jetzt auch international den Durchbruch geschafft: Journalisten reißen sich um Chimamanda Ngozi Adichie, die Leser lieben sie, "Americanah" ist ein Weltbestseller. Inzwischen lebt sie abwechselnd in Nigeria und in den USA, die meiste Zeit verbringt sie aber in Lagos: "Ich mag Amerika, aber in bin glücklicher in Nigeria. Es ist meins, es ist zu Hause, dort ist mein Herz."

Adichie zur aktuellen Situation in Nigeria

"Wir leben in Lagos. Das, was im Norden passiert, scheint sehr weit weg von uns. Trotzdem sind wir natürlich erschüttert von diesen Ereignissen. Alle Nigerianer machen sich Sorgen darüber, was mit dem Land passiert."
"Ich bin frustriert darüber, wie unsere Regierung mit der Situation umgeht. Wie wenig sie reagieren. Wir Nigerianer wollen das Gefühl haben, dass die Regierung sich zuständig fühlt."
"Ich liebe mein Land. Und ich hoffe sehr, dass es besser wird."

 

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 15.05.2014 | 12:40 Uhr

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