Ein Pärchen liegt lesend am Strand. © xKirchner-Media/Wedelx Foto: Kirchner-Media/Wedel Schillig

#bookstagram: Buchclubs auf Instagram

Stand: 05.07.2021 08:49 Uhr

Bücher erobern Instagram. Unter dem Hashtag #bookstagram gibt es eine richtige Bücher-Fangemeinde, die Bilder von ihren Lieblingsbüchern postet. Ihr Ziel: die Liebe zum Lesen befördern.

von Anina Pommerenke

Helen Daugthrey sitzt im gestreiften Pulli vor ihrem Bücherregal und hält vier Bücher in die Kamera. Auf ihrem Instagram-Account "Mädels, die lesen" hat sie über 2.600 Followerinnen und Follower. Vor anderthalb Jahren gründete die 31-jährige Bonnerin diesen Buchclub als Ablenkung auf der Suche nach einem sinnvollen Hobby. Damals stand sie kurz vor einem Burnout. Ein herkömmlicher Buchclub kam nicht in Frage. Das fühle sich so altbacken an, so Daugthrey. "Ich hätte mir dann vorgestellt, dass das nicht meine Altergruppe ist, oder die auch nicht die Bücher lesen, die mich interessieren würden." Anders sieht sie Buchclubs auf Instagram. Man könne sich davon erst einmal einen Eindruck machen, wie diese Clubs genau ablaufen und ob sie darauf Lust habe. Schließlich sei das "sehr viel unverbindlicher".

Instagram-Account "maedelsdielesen" und monatliche Video-Treffen

Wer ihrem Account folgt, bekommt eine Willkommensnachricht mit den wichtigsten Infos zum Ablauf. Jeden Monat wird ein Buch gelesen, das über Posts auf der Seite bekannt gegeben wird. Helen Daugthrey überlegt sich zusätzlich sinnvolle Leseabschnitte. Über den Account und in einem monatlichen Video-Treffen findet der Austausch über das Gelesene statt.

Fast die Hälfte ihrer Followerinnen und Follower sind zwischen 25 und 34 Jahre alt. 41% sind älter. Immerhin sieben Prozent sind Männer. Daugthrey glaubt, "dass diese Gemeinschaft extrem motiviert ist, überhaupt zu lesen. Man liest irgendwie intensiver. Wir beschäftigen uns dann ja wirklich einen gesamten Monat mit dem Buch und beleuchten verschiedene Aspekte." So werde man auf Details gestoßen, die man selbst vielleicht komplett überlesen hat und könne sich darüber dann eine halbe Stunde lang austauschen.

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Daughtrey organisiert auch Gespräche mit Autorinnen und Autoren und legt Wert auf Basisdemokratie. Ihre Mitglieder schlagen einmal im Quartal vor, was gelesen werden soll - egal ob Klassiker, Neuerscheinungen, Bücher, die ohnehin schon lange im Regal stehen. In ihren Zoom-Meetings sind auch gerne mal 80 Bücher-Fans aus dem gesamten deutschsprachigen Raum dabei. Mit von der Partie ist auch Christiane Mehling, die es zum einen spannend findet, "dass ich Bücher lese, die ich selbst nicht ausgewählt hätte, weil sie gerade frisch herausgekommen sind. Zum anderen habe ich total nette Kontakte über den Buchclub kennengelernt, die über Nachrichten oder in den Kommentarfunktionen immer in den Austausch treten über Bücher."

Digitaler Buchclub ermöglicht Austausch über Neues und Klassiker

Mehling schätzt besonders den offenen Austausch. Jeder und jede werde ernst genommen und könne frei die eigene Meinung vortragen, sagt sie und erklärt: "Ich habe vor dem Buchclub weniger gelesen. Und ich lese nicht nur die Buchclub-Bücher, sondern seitdem ich im Buchclub bin auch zwei, drei, vier Bücher parallel und zwischendurch! Das ist auf jeden Fall mehr geworden."

In den Sommermonaten steht bei den "Mädels, die lesen" mit Anna Karenina ein echter Klassiker auf dem Programm. Daughtrey hat sich dafür ein digitales Ferienlager ausgedacht. Mittlerweile verbringt sie fast jede freie Minute mit ihrem Buchclub. Was sie motiviert? "Also einerseits dieses Gemeinschaftsgefühl. Aber auch, dass man jeden Monat ein bisschen was dazu lernt. Ohne dass sich das nach Schule anfühlt. Ich kann das wirklich sehr frei gestalten, auch wenn es ein Rahmenprogramm gibt."

Für ihre Arbeit rund um den Buchclub erhält Daugthrey von manchen Teilnehmerinnen und Teilnehmern eine kleine Spende. Aktuell kommt sie so auf knapp 900 Euro im Monat, um ihre Kosten zu decken. Als nächstes träumt sie von einem richtigen Treffen, um möglichst viele ihrer "Bücher-Mädels" auch einmal persönlich kennenzulernen.

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