Stand: 20.03.2020 15:39 Uhr  - NDR Info

Zwei Schwestern im Kampf gegen Nazis

von Katja Eßbach

Freddie Oversteegen aus Haarlem war die wahrscheinlich jüngste Widerstandskämpferin gegen die Nazis in den Niederlanden. Bereits mit 15 Jahren schließt sie sich einer Widerstandsgruppe in ihrer Stadt an. Ihre Geschichte erzählt die Autorin Wilma Geldof in ihrem Jugendbuch "Reden ist Verrat". Der Roman wendet sich an Leserinnen und Leser ab 14 Jahren.

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Wilma Geldof erzählt die Geschichte der Schwestern Freddie und Truus.

August 1941: Freddie lebt mit ihrer Mutter und ihrer älteren Schwester Truus in Haarlem in der Nähe der Nordsee. Ihre Mutter ist Mitglied der niederländischen kommunistischen Partei, die Mädchen verteilen manchmal Flugblätter mit Streikaufrufen gegen die deutschen Besatzer. Da bekommen sie eines Abends Besuch von Frans, einem Bekannten der Mutter.

"Ich plane", sagt er mit gewichtiger Stimme, "eine Kampftruppe gegen den Faschismus aufzustellen. […] Und dafür brauche ich Leute, die sich was trauen. Menschen, die sich nicht so schnell Angst einjagen lassen." Er hält inne und schaut uns abwechselnd an. "Mehr als Kurieraufträge übernehmen, Plakate kleben oder Streikaufrufe verteilen …" Leseprobe

Jugendliche im Widerstand

Freddie und Truus zögern. Sie habe keine Vorstellung, was genau von ihnen erwartet wird. Und sind sie mit 15 und 17 Jahren nicht viel zu jung für den Widerstand? Auch ihre Mutter ist anfangs skeptisch.

Mama sieht uns forschend an. "Eine Sache …" Sie zieht Truus sanft neben mich aufs Sofa. "Ich weiß nicht, was ihr tun werdet, […] aber bleibt immer menschlich!" Ihr Blick ist ernst, sie spricht mit allem Nachdruck. "Niemals so werden wie der Feind. Nicht die Hände schmutzig machen. Kein "Befehl ist Befehl". Immer noch selbst nachdenken." Leseprobe

Die Worte ihrer Mutter werden Freddie lange verfolgen und nicht immer wird sie sie beherzigen können. Denn die Zeiten werden härter und Freddie und Truus werden vor Entscheidungen gestellt, die ihnen alles abverlangen.

Schlimme Aufträge in einer schweren Zeit

"Reden ist Verrat" ist ein schnörkellos geschriebenes Jugendbuch, das die harte Zeit während der deutschen Besatzung beschreibt und nicht verschweigt, dass die Schwestern bald auch schlimme Aufträge ausführen. Freddie wird sogar einen deutschen Besatzungsoffizier erschießen.

Sein Gesicht ist leichenblass, als hätte er den Teufel gesehen. Er schaut mich an, als hoffe er, ich würde ihm zu Hilfe eilen. Er sieht mich erleichtert an. Seine Augen gehen zu meiner Pistole. Und ich sehe die Bestürzung in seinem Gesicht, den Unglauben. Meine Hand wehrt sich, will nicht schießen, zögert. Aber ich bringe es zu Ende. Leseprobe

Es ist eine Stärke des Buches, dass Wilma Geldof ausführlich die Skrupel und Zweifel der Mädchen beschreibt. Immer wieder hadert vor allem Freddie damit, Menschen auf dem Gewissen zu haben. Immer wieder will sie die Arbeit beenden. Doch dann holt die Realität in den besetzten Niederlanden sie ein.

Eine wahre Geschichte

Freddie und Truus Oversteegen überleben den Krieg und die deutsche Besatzung. Mehr als 70 Jahre später erzählt Freddie ihre Geschichte Wilma Geldof, obwohl sie sich anfangs sträubt, wie die Autorin in ihrem Nachwort schreibt. Den beiden Schwestern wird viele Jahre die Anerkennung für ihren Kampf vorenthalten, da sie als Kommunistinnen galten. Erst 2014 bekommen sie vom niederländischen Ministerpräsidenten eine Auszeichnung verliehen.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 21.03.2020 | 09:55 Uhr

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