Stand: 18.03.2019 14:54 Uhr

Wie sieht die Bibliothek der Zukunft aus?

von Miriam Stolzenwald

Am Donnerstag beginnt die Leipziger Buchmesse. Im Rahmen der Veranstaltung findet auch der Bibliothekskongress statt, der bereits am Montag startet. Hier diskutieren Gäste und Experten über die Zukunft der Bibliotheken und die Entwicklung zu sogenannten "Dritten Orten". Was genau ist das? Und wie die Entwicklung in den Bibliotheken aus? Beispiele aus Hannover.

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Jährlich besuchen 1,5 Millionen Menschen die Stadtbibliothek in Hannover. Viele von ihnen schätzen die digitalen Angebote.

Bibliotheken sind nicht nur dazu da, Bücher zu verleihen. Sie werden zunehmend zu sogenannten "Dritten Orten". "Ein "Dritter Ort" ist ein öffentlicher Ort, der sich von der Wohnung und auch vom Arbeitsplatz unterscheidet. Ein Ort, den man aufsuchen kann, um andere Menschen zu treffen", erklärt Carola Schelle-Wolff, Direktorin der Stadtbibliothek Hannover. Die Stadtbibliothek im Zentrum Hannovers sei zunehmend ein solcher "Dritter Ort" geworden, sagt sie. Die Nutzer bleiben lange, manche länger als drei Stunden.

Ein Ort, um sich zu treffen

Vor allem Familien mit Kindern, Nutzer, die arbeiten wollen, Schüler und Studenten kommen hierher. Warum sind "Dritte Orte" überhaupt wichtig? "Es leben immer mehr Menschen in unserer Gesellschaft alleine. Gerade Hannover ist bekannt dafür, dass sehr viele einzeln lebende Menschen hier wohnen", erklärt Schelle-Wolff. "Und diese Menschen brauchen natürlich Orte, wo sie sich mit anderen treffen können." Und zwar kostenlos. In die Stadtbibliothek kommen etwa 1,5 Millionen Besucher jährlich. Viele von ihnen schätzen besonders digitale Medien. "Man kann sich mit einem Touchscreen verschiedene Angebote aufrufen. E-Books zum Beispiel, Hörbücher oder Musik, aber auch Filme" sagt Michael Stünkel, Leiter der Zentralbibliothek.

Wie stark sich Bibliotheken insbesondere im Zuge der Digitalisierung verändern, beobachtet auch Anne May, Direktorin der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek in Hannover. "Wenn Sie heute in eine Bibliothek gehen, dann sehen Sie das, was Sie noch aus Ihrer Kindheit kennen, gar nicht mehr wieder", sagt sie. "Es sieht anders aus. Es ist nicht mehr überall leise, es gibt ganz unterschiedliche Zonen, um da zu arbeiten, um zu lesen und zu lernen."

Analoge Medien sind weiterhin gewollt

Bibliotheken, in denen sogenannte Library-Labs und Maker-Spaces entstehen, werden somit gleichzeitig zu Orten, an denen Nutzer Digitalkompetenzen erwerben können. Neben den digitalen Medien sind es aber vor allem immer noch die analogen Medien, die Nutzer in die Bibliotheken ziehen - klassisch, aus Papier: Bücher. Im Kreativraum der Stadtbibliothek Hannover finden Kurse statt und Nutzer kommen, um hier gemeinsam zu lernen. Und Musik machen darf man in der Bibliothek auch - ein einem kleinen, schallisolierten Raum, dem Studio. Das kann man kostenlos mieten.

Bibliotheken werden als Dritte Orte in Zukunft eine immer wichtigere Rolle spielen, ist sich Anne May sicher. Als "ein Marktplatz für den freien Austausch von Informationen und ein Ort, um zu lernen".

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 18.03.2019 | 11:20 Uhr

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