Stand: 23.09.2019 10:39 Uhr

Uwe-Johnson-Tage starten

Bei den Uwe-Johnson-Tagen in Neubrandenburg und Güstrow geht es um die unterschiedlichen Sichtweisen von Ost- und Westdeutschen auf das geteilte Deutschland. Die Literaturtage finden bis 22. Oktober statt und erinnern an den kritischen deutsch-deutschen Autor Uwe Johnson (1934-1984).

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Die Uwe-Johnson-Tage beleuchten die untschiedlichen Sichtweisen von Ost und West auf das geteilte Deutschland.

Das Zusammenwachsen von Ost und West sei nicht so schnell gegangen wie gedacht, sagte der Vorsitzende der Mecklenburgische Literaturgesellschaft Carsten Gansel im Vorfeld der Literaturtage bei der Vorstellung des Programms. Zudem wollten die Menschen im Osten Deutschlands wieder "die Deutungshoheit über ihre Biografien zurück".

Verhältnis von Ost- und Westdeutschen im Fokus

Das auch 30 Jahre nach dem Mauerfall teils konträr diskutierte Verhältnis von Ost- und Westdeutschen soll mit Autoren wie Marion Brasch ("Ab jetzt ist Ruhe"), Ralf Rothmann ("Der Gott jenes Sommers"), Laila Stieler ("Gundermann") und Thomas Findeiss ("Die Heimat der Schneestürme") erörtert werden. "Das soll aber jenseits vom sogenannten Mainstream passieren", sagte Literaturwissenschaftler Gansel. Das Motto heiße 2019 "Die Grenze als literarische Kategorie? - Johnson und aktuelle 'Tendenzen der Wahrheitsfindung'".

Einblicke in die Entstehung des Films "Gunderman"

Am Montag wird die Autorin Brasch mit der szenischen Lesung "Bleiben will ich, wo ich nie gewesen bin" an ihren Bruder, den Schriftsteller Thomas Brasch erinnern. Der Dramatiker und Sohn eines jüdischen Kommunisten, der ein hoher DDR-Funktionär wurde, hatte 1976 nach der Ausbürgerung von Wolf Biermann die DDR verlassen. Er sei aber weder in der alten Bundesrepublik, noch im vereinten Deutschland wirklich angekommen, erläuterte Gansel.

Am Dienstag wird die Drehbuchautorin Stieler zusammen mit dem Herausgeber des Buches über den DDR-Liedermacher Gundermann, Andreas Leusink, das Buch vorstellen und Einblicke in die Entstehungsgeschichte des erfolgreichen Filmes, der 2018 in die Kinos kam, geben.

Ehrung der Berliner Schriftstellerin Kenah Cusanit

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Uwe-Johnson-Förderpreis geht an Kenah Cusanit

Die im Harz geborene Schriftstellerin Kenah Cusanit erhält den diesjährigen Uwe-Johnson-Förderpreis. Sie wird für ihren Roman "Babel" über den Archäologen Robert Koldewey ausgezeichnet. mehr

Als Höhepunkt gilt die Ehrung der Berliner Schriftstellerin Kenah Cusanit am 27. September mit dem Uwe-Johnson-Förderpreis für ihren Roman "Babel". Darin öffne die 40-jährige Autorin einen in der Literatur selten betretenen historischen Raum - die Archäologie. Sie schildert einen Tag im Leben des Grabungsleiters Robert Koldewey, der sich 1913 bei Bagdad befindet. Die Grabung an historischem Ort findet vor dem Hintergrund der Zeitgeschichte im Vorfeld des Ersten Weltkrieges statt. Die Jury würdigte besonders, wie Cusanit historisches Wissen und Sprachkraft mit Witz und Humor verbinde. Der Förderpreis ist mit 5.000 Euro dotiert und wird im Wechsel mit dem deutlich höher dotierten Uwe-Johnson-Preis vergeben.

Johnson: Von Güstrow über New York nach England

Uwe Johnson wuchs im pommerschen Cammin sowie im mecklenburgischen Güstrow auf und studierte in Rostock. 1959 zog er nach West-Berlin, später nach New York und dann nach England. Zu seinen wichtigsten Werken gehört der Roman "Jahrestage".

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Kulturjournal | 23.09.2019 | 19:00 Uhr

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