Stand: 22.02.2017 09:51 Uhr

T. C. Boyle malt düstere Szenarien in Hamburg

von Juliane Bergmann

T. C. Boyle ist mittlerweile ein Klassiker und einer der fleißigsten Autoren der Gegenwartsliteratur. Einige seiner Romane gehören zur Pflichtlektüre an amerikanischen Schulen. In Deutschland hat er besonders viele Fans. Im Januar ist sein aktueller Roman "Die Terranauten" erschienen. Daraus hat Boyle in Hamburg gelesen - auf Einladung von NDR Kultur und dem Literaturhaus Hamburg.

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T.C. Boyle liest in Hamburg aus seinem Roman "Terranauten".

Die Bühne der Fabrik Hamburg. An einem Stehtisch liest die Schauspielerin Franziska Hartmann, eingerahmt von Stahlträgern und Holzbalken. Sie schlüpft in die Rolle der Ich-Erzählerin Dawn, einer Wissenschaftlerin: "Aber da war noch etwas anderes. Eine Beklommenheit. Oder eine Ungewissheit, das trifft es vielleicht besser. Dies war wirklich eine neue Welt. Und jetzt war man drin und es gab keinen Weg zurück."

Die Terranauten: Experiment unter Glas

Kein Zurück heißt es für vier Frauen und vier Männer. Sie sind zwei Jahre eingeschlossen in einem riesigen Terrarium, um dort ein neues Leben zu erproben. Fernab von den Umweltzerstörungen und Kriegen der Außenwelt. Das ist die Versuchsanordnung von T. C. Boyles Roman "Die Terranauten", den der US-amerikanische Autor in Hamburg vorstellt. Gegeben hat es das Experiment tatsächlich in den 1990er-Jahren in Arizona. Aber T. C. Boyle hat daraus seine eigene Geschichte gemacht - das erzählt er im Gespräch mit dem NDR Kultur Moderator Jan Ehlert: "Es gibt natürlich die historischen Vorbilder, aber er wollte eine ganz neue Crew entwerfen", so Ehlert, "vieles stimmt: die 3.800 unterschiedlichen Spezies an Tieren und Pflanzen gab es in der 'Biosphere 2' in der Wüste von Arizona. Auch dass es vier Frauen und vier Männer sind, die dort eingeschlossen sind. Und trotzdem, hat er sich gedacht - das ist das Glück des Romanschreibers -, ich erfinde eine völlig neue Gruppe, die mit völlig neuen Problemen zu kämpfen hat."

Boyle nimmt Haltung an

Eine Geschichte, die unsere moderne Welt kritisch hinterfragt: Big-Brother-Kameras, perfide Castingshow-Elemente und blinder Gehorsam gegenüber einem autoritären System. Boyle nimmt Haltung an. Und das nicht nur literarisch. Angesprochen auf den neuen amerikanischen Präsidenten, zeigt er sich sichtlich besorgt. Dass Trump die globale Erderwärmung abstreite, sei ein Verbrechen an der Menschheit - Boyle kontert humorvoll: "Ich hoffe, dass die orangefarbenen Männchen bald von ihrem Planeten kommen und Trump wieder abholen ..."

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Nach der Lesung unterhält T.C. Boyle sich noch mit Gästen in der "Fabrik" in Altona.

Lässig sitzt T.C. Boyle auf der Bühne. Bärtchen, Ohrring, wuscheliges Haar. Rote Turnschuhe. Unter einem schwarzen Jackett trägt er ein Shirt, darauf gedruckt ist ein Comic-Roboter. Ein absoluter Charakterkopf dieser Autor, das schätzt auch das Publikum.

Kunst und Literatur können etwas bewegen

Trotz der stets düsteren Szenarien, die T.C. Boyle in seinen Romanen entwirft, lässt er am Ende des Abends Optimismus durchblitzen. Sein Credo: Kunst und Literatur können etwas bewegen. Ihm sei es oft passiert, dass ihn in Amerika Menschen angesprochen haben und ihm gesagt haben: "Dieses Buch hat mein Leben verändert." Und damit meine er nicht nur, dass Künstler und Schriftsteller die Welt verändern können, sondern alle, denen Meinungsfreiheit, Gedankenfreiheit wichtig ist.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 22.02.2017 | 07:20 Uhr

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