Sendedatum: 26.06.2019 19:00 Uhr

Ausgeblendet - zu wenig Frauen in Film und Fernsehen

von Axel Seitz

In Deutschland leben mehr Frauen als Männer. Allerdings spiegelt sich das weder im Film und schon gar nicht im Fernsehen wieder. Denn in den Programmen - öffentlich-rechtlich wie privat - steht eine Frau gleich zwei Männern gegenüber. Bereits vor zwei Jahren wurde eine Studie der Rostocker Universität präsentiert, wonach Frauen in fast allen Film- und Fernsehbereichen unterrepräsentiert sind. Heute wurde in Berlin das Buch zur Studie "Ausgeblendet - Frauen im deutschen Film und Fernsehen" präsentiert.

Bild vergrößern
Schauspielerin Maria Furtwängler schrieb das Vorwort zum Buch von Professorin Elizabeth Prommer.

In deutschen Fernsehserien sind 62 Prozent der Hauptakteure Männer. Bei Informationsprogrammen sind es gar 68 Prozent und wenn Experten zu Wort kommen, dann sind es in 79 Prozent der Fälle Männer. Das hat das Institut für Medienforschung der Universität Rostock in den vergangenen Jahren herausgefunden.

"Wenn wir das Fernsehen anschauen, dann hinkt das es dem normalen Leben hinterher", sagt Professorin Elizabeth Prommer, die die Untersuchung geleitet hat. "Frauen werden auch in den Berufsfeldern, wo sie im echten Leben arbeiten seltener dargestellt und sie werden ab einem gewissen Alter ausgeblendet." Je mehr Frauen hinter der Kamera in verantwortlichen Positionen arbeiten, desto mehr Frauen würden auch vor der Kamera zu sehen sein.

Frauen müssen im Fernsehen stärker in Führungspositionen

Es stehen also nicht nur weniger Frauen vor der Kamera, sondern es sind auch weniger für den jeweiligen Film, die Serie oder die Informationssendung verantwortlich. Deshalb fordert Prommer, dass Frauen in verantwortlichen Positionen gestärkt werden. Wenn es sogenannte gemischte Teams gibt, dann würden sich Frauen häufig eher den Männern unterordnen. "Da kommt natürlich leicht der Verdacht auf, dass dann in der Regel der Mann der Chef ist und das Team sich im vorauseilenden Gehorsam dem Chef unterordnet", sagt Prommer. Warum sich ein Team mit einem Mann eher männlich und nicht weiblich verhält, das müsse aber noch weiter untersucht werden.

Furtwängler: Wer sich positioniert, der wird gehört

Die Schauspielerin Maria Furtwängler setzt sich seit Jahren für mehr Gleichberechtigung ein und hat das Vorwort zum Buch geschrieben. Sie meint, wer sich positioniert, der werde auch gehört: "Da man weiß, dass ich mich für mehr Gleichberechtigung vor und hinter der Kamera einsetze, ist es zunehmend so, dass mir vom Sender Regisseurinnen vorgeschlagen werden." Diese wiederum würden dann auch eher mal eine Kamerafrau einsetzen. "Da musste ich gar nichts tun und gar nichts fordern", sagt die Schauspielerin.

Unrealistische Darstellungen im Kinderprogramm

Bild vergrößern
Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig unterstützt die Vorstellung der Studie.

Maria Furtwängler ist vor allem darüber entsetzt, wie im Kinderfernsehen Mädchen und Jungen dargestellt werden. "Dass Mädchenfiguren im Kinderfernsehen noch seltener vorkommen als im Rest des Programms, war absolut schockierend", sagt Furtwängler. "Dazu kommen die völlig unrealistischen Proportionen."

Gerade bei Animations - und Zeichentrickfiguren werden 50 Prozent aller Mädchen so dargestellt, dass es anatomisch völlig unmöglich ist. Bei Jungs hingegen sind 75 Prozent der dargestellten Figuren realistisch. Seit die ersten Ergebnisse der Rostocker Untersuchung präsentiert wurden, habe sich, so Maria Furtwängler, einiges bereits verändert: "Auf jeden Fall gibt es ein größeres Bewusstsein für das Problem und da waren wirklich die Fakten sehr hilfreich."

Folgestudie soll Veränderungen überprüfen

Ob es bereits tatsächlich in den Redaktionen, den Produktionsfirmen und den Sendeanstalten zu einem Umdenken gekommen ist, wird eine Folgestudie zeigen, mit der sich Professorin Elizabeth Prommer und ihre Mitstreiter in Rostock vom kommenden Jahr an beschäftigen: "Wir werden genau das Gleiche nochmal machen, denn nur so können wir feststellen, ob sich etwas verändert hat."

Und so könnte 2021 dann nachzulesen sein, wie sich das Verhältnis von Expertinnen im deutschen Fernsehen zum tatsächlichen Beruf darstellt. Im echten Leben ist aktuell jeder zweite Richter weiblich, im deutschen Fernsehen sind aber nur 24 Prozent der Rechtsexpertinnen weiblich.

Weitere Informationen

Wenig Kunst von Frauen in norddeutschen Museen

Die Gleichstellung der Geschlechter in der Kunstwelt ist noch nicht erreicht. Das zeigen Studien weltweit. Auch Museen in Norddeutschland zeigen zum Großteil Kunst von Männern. mehr

ZAPP

Von wegen gerecht - Männer und Frauen im Rundfunk

ZAPP

Wie steht es um Gleichstellung in deutschen Medienhäusern? "ProQuote" hat untersucht, wie viele Frauen beim öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunk in Führungspositionen sind. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Kulturjournal | 26.06.2019 | 19:00 Uhr

NDR Logo
Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: https://www.ndr.de/kultur/buch/Studien-zu-Frauen-in-Medien,frauenstudie104.html

Mehr Kultur

34:51
NDR 90,3
88:09
Tatort
04:04
Hallo Niedersachsen