Martin Walser: "Sprachlaub" © Rowohlt Verlag

"Sprachlaub": Martin Walser feiert 94. Geburtstag mit neuem Buch

Stand: 24.03.2021 10:00 Uhr

Martin Walser wird ist am 24. März 94 Jahre alt geworden. Einen Tag vor seinem Geburtstag hat er "Sprachlaub" veröffentlicht: eine Sammlung von Augenblickstexten und Gedichten - mit Aquarellen seiner Tochter Alissa.

von Claudia Christophersen

Martin Walser ist prosaerprobt und literarischer Langstreckenläufer. Unvergessen sind seine großen Romane ab Mitte der 1950er-Jahre in der noch jungen Bundesrepublik. Helden wie Antihelden gaben ihre Auftritte, siegten, scheiterten, rutschten die komplexen Seelenspiralen hinauf und hinab: "Ehen in Philippsburg", "Halbzeit" oder "Jenseits der Liebe". Für Martin Walser war die Literatur immer eine unverzichtbare Notwendigkeit. Der Autor sagt: "Schreiben und Leben fielen bei mir fast von Anfang an zusammen. Ich tanzte, also war ich."

Tanzen heißt Schreiben. Tatsächlich wird Martin Walser seit Jahren nicht müde zu betonen, wenn er schreibe, dann lebe er und solange er lebe, schreibe er. Mit fast Mitte 90 sind es eben nicht mehr die großen, tosenden, aufbrausenden Prosa-Wellen oder die öffentlichen Kontroversen und Skandale wie sein Krach mit dem Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki, seine Rede in der Frankfurter Paulskirche 1998.

Der Ton Martin Walsers hat sich geändert

Mit 94 Jahren schlägt Walser die sanften, melancholisch nachdenklichen, aber auch die bitteren und dann eben doch auch die eitlen Töne an:

Zuerst verliert man die Freunde durch Misserfolg. Dann verliert man die letzten Freunde durch Erfolg, sie hatten darauf vertraut, dass man keinen Erfolg haben werde. Nun sind sie endgültig enttäuscht. Leseprobe

Diesen Blick in die Innenwelten kennt Walser nur zu gut, seelensezierend hat er seine Romanfiguren durchleuchtet, die Halms, Horns oder Zürns. Fast acht Jahrzehnte hindurch haben sie Martin Walser begleitet. Jetzt geht es um das eigene Leben.

Wühlt ein Tod in dir herum: So fühlt es sich an, aber den Tod gibt es nicht, so wenig wie das Leben. Nur Wörter, an die wir uns halten können in all der Leere. Leseprobe

"Sprachlaub": Bilder von Walsers Tochter begleiten die Texte

An Wörter, Sätze klammert sich Martin Walser konsequent. "Wahr ist, was schön ist" so postuliert er im Untertitel. Das sind Texte und Bilder. In diesem Fall die Aquarelle seiner Tochter Alissa Walser. Schon in "Spätdienst" von 2018 hatte die Malerin und Schriftstellerin Arabesken beigesteuert. In "Sprachlaub" sind es ihre schwungvollen Linien, die die Blätterwörter ihres Vaters meditativ grundieren.

Unermüdlich sein
und unersättlich
und undurchschaubar
und unzumutbar
und unsterblich.
Mehr nicht. Leseprobe

Sprachlaub oder: Wahr ist, was schön ist

von Martin Walser
Seitenzahl:
144 Seiten
Zusatzinfo:
Mit Aquarellen von Alissa Walser
Verlag:
Rowohlt
Bestellnummer:
978-3-498-00239-8
Preis:
28,00 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue Bücher | 24.03.2021 | 12:40 Uhr

Juli Zeh: "Über Menschen" (Cover) © Luchterhand
4 Min

Juli Zeh: "Über Menschen"

In Juli Zehs neuem Roman flieht die Protagonistin Dora aufs Land ins Brandenburgische - vor Corona und ihren Problemen. 4 Min

Mehr Kultur

Porträt des Schriftstellers Hans Fallada © picture-alliance / dpa Foto: Bifab

"Lilly und ihr Sklave": Unbekannte Fallada-Erzählungen erscheinen

Jetzt erscheinen die zufällig in einer Gerichtsakte gefundenen, bisher unveröffentlichten Erzählungen von Hans Fallada. mehr