Die Schrifstellerin Sally Rooney auf einem Sessel © picture alliance / TT NEWS AGENCY | DPR

Sally Rooney lehnt Übersetzung ihres Romans ins Hebräische ab

Stand: 13.10.2021 10:47 Uhr

Die Schriftstellerin Sally Rooney hat einem israelischen Verlag die Übersetzungsrechte für ihren neuen Roman "Schöne Welt, wo bist Du" verweigert. Damit sorgt die Bestseller-Autorin für Schlagzeilen.

"Gespräche mit Freunden" und "Normale Menschen" heißen die Romane, die Sally Rooney im Nu zur Bestseller-Autorin machten. Seit 2017 begeistert die irische Autorin mit ihren Geschichten über das Leben und Lieben junger Großstädter. Jetzt ist kürzlich ihr neues Buch erschienen, "Schöne Welt, wo bist Du", womit die 30-Jährige dieses Mal allerdings für etwas andere Schlagzeilen sorgt. Es geht um die Übersetzung ins Hebräische, die Sally Rooney verweigert.

Sally Rooney unterstützt Israel-Boykott-Bewegung BDS

Laut Sally Rooneys Agentur heißt es, dass es auch dieses mal eine hebräische Fassung hätte geben sollen. Den Verlag, der ihre ersten beiden Bücher übersetzt hat, lehne sie aber ab. Und das aus politischen Gründen. Aus Berichten führender Menschenrechtsorganisationen gehe nämlich klar hervor - so die Meinung der Autorin - dass es sich bei Israels Umgang mit den Palästinenserinnen und Palästinensern um eine Form der Apartheid handle. Und solange sich ihr angestammter Verlag davon nicht ganz klar distanziere, wolle sie ihm auch keine Übersetzungsrechte gewähren. Die Schriftstellerin sagte, sie unterstütze die Israel-Boykott-Bewegung BDS ("Boycott, Divestment and Sanctions"), die es zum Ziel hat den Staat Israel wirtschaftlich, kulturell und politisch zu isolieren. Sie betonte, es wäre "eine Ehre", wenn ihr Buch ins Hebräische übersetzt würde. "Wenn ich einen Weg finde, diese Rechte in einer Weise zu verkaufen, die den institutionellen Boykottrichtlinien der BDS-Bewegung entspricht, wäre ich sehr glücklich und stolz."

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Anti-Israel-Thematik scheint auch in Rooneys Büchern auf

Sally Rooneys Bücher sind bereits in 46 Sprachen übersetzt worden. Dadurch, dass Rooney jetzt eine hebräische Übersetzung ablehnt, möchte sie ihren persönlichen Standpunkt klar machen: Der Boykott israelischer Kultur geschehe aus Solidarität mit Palästina. Das ist nicht neu, schon im Juli hatte sie kurz nach der militärischen Eskalation im Gazastreifen zusammen mit anderen Künstlerinnen und Künstlern einen offenen Brief unterzeichnet. Darin beschuldigen die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner Israel der Apartheid. Und auch in Rooneys Büchern scheint diese Deutung der Thematik immer mal wieder durch, wenn ihre Protagonisten auch mal auf eine Anti-Israel-Demo gehen.

Sally Rooney spaltet ihre Leserschaft. Ihre Entscheidung gegen eine hebräische Übersetzung ist ein großes Thema auf Twitter. Viele sind verärgert und enttäuscht, andere unterstützen ihre Meinung, einige werfen Rooney sogar Antisemitismus vor.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 13.10.2021 | 11:40 Uhr

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