Stand: 24.06.2019 11:40 Uhr

Ost-West-Geschichten vom Straßenrand

Was wollen die denn hier? Deutsche Grenzerfahrungen
von Lucas Vogelsang, Joachim Król
Vorgestellt von Katja Lüber
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In "Was wollen die denn hier?" erzählen Lucas Vogelsang und Joachim Król über "Grenzerfahrungen".

30 Jahre nach dem Mauerfall und der Wiedervereinigung sind der Reporter Lucas Vogelsang und der Schauspieler Joachim Król durch Deutschland gereist. Im Gepäck die Fragen: Wo hat die Mauer überdauert, wo wurden Grenzen verwischt? Wie viel Osten und Westen gibt es noch in den Köpfen? Am Straßenrand haben sie Geschichten gesammelt von Menschen, deren Leben 1989 noch einmal neu begann. Was sie erlebt haben, erzählen sie in ihrem Buch "Was wollen die denn hier?".

Reporter Lucas Vogelsang und Schauspieler Joachim Król

Geschichten aus Ost und West

Bücherjournal -

Reporter Lucas Vogelsang und Schauspieler Joachim Król trennt eine ganze Generation. In ihrem Buch "Was wollen die denn hier?" haben sie Geschichten aus Ost und West zusammengetragen.

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Der Schauspieler wird Reporter

Lucas Vogelsang ist mit Herz und Seele Reporter. 2017 erschien seine Reportagesammlung "Heimaterde" über Migranten in Deutschland. Seit dem 1. Oktober 2018 ist er für ein Jahr Stadtschreiber Ruhr mit Wohnsitz in Mülheim. Für das gemeinsame Projekt mit Joachim Król hat er seine gewohnte Rolle aufgegeben: "Die Idee dahinter war von uns beiden, dass ich die Rolle, die ich sonst ausfülle als Reporter, des Suchenden, abgebe an Joachim und ihm dabei über die Schulter schaue, wie er sucht, wie er findet, wie er mit den Menschen umgeht. Der Schauspieler wird der Reporter und der Reporter wird der Beobachter."

"Fremdes Land mit der gleichen Sprache"

Reporter und Schauspieler trennt eine ganze Generation. Lucas Vogelsang wurde im Sommer 1985 in Berlin geboren und war gerade vier Jahre alt, als die Mauer fiel. Joachim Król, Jahrgang 1957, ist in Herne als Sohn eines Bergmanns aufgewachsen und erinnert sich gut an die Zeit des Kalten Krieges. In den 1970er-Jahren ist er oft aus dem Ruhrgebiet nach West-Berlin getrampt, um Freunde zu besuchen. "Das war immer so ein merkwürdiger Grusel, diese Transitstrecke. Helmstedt, die Kontrollen. Ich war Kriegsdienstverweigerer, also Militarismus und alles Uniformierte war eh suspekt. Es war ein fremdes Land mit der gleichen Sprache", erzählt er.

Vorhaben zur Erkundung in die Tat umgesetzt

1992 spielte er die Hauptrolle in Detlev Bucks Roadmovie "Wir können auch anders". Der Film handelt satirisch zugespitzt von der Nach-Wendezeit im Osten und wurde in der ehemaligen DDR gedreht. Damals nahm sich Król fest vor, zurückzukehren und das Land zu erkunden. 27 Jahre später hat er sein Vorhaben in die Tat umgesetzt.

Der Osten im Westen, der Westen im Osten

Król und Vogelsang waren fasziniert von der Idee, im Osten den Westen und im Westen den Osten zu entdecken. "Deshalb haben wir gesagt, fangen wir in Bochum - tief im Westen - an und finden dort die erste Ostgeschichte. Und es hat funktioniert", erzählt Lucas Vogelsang. In Bochum-Wattenscheid haben sie Andreas Maluga getroffen. Der gebürtige Bochumer und überzeugte Kommunist hätte eigentlich viel lieber in der DDR gelebt. Sein "DDR-Kabinett" ist eine Fundgrube für Nostalgiker. Rund 19.000 Erinnerungsstücke hat er nach der Wende zusammengetragen - vor dem Verramschen gerettet, wie er betont. Darunter sind Hunderte Uniformen, mit denen er ganze Filmproduktionen ausstatten kann.

Besondere Begegnungen

Ganz anders blickt Uschi Thom auf den Osten. Die ehemalige DDR-Polizistin floh wenige Tage vor dem Mauerfall über Ungarn in die Bundesrepublik. Joachim Król und Lucas Vogelsang haben Andreas Maluga und sie zusammengebracht und ihrem Gespräch genau zugehört. "Sie ist zur Bochumerin geworden, er verteidigt mit Herzblut das Land DDR und hier am Tisch haben wir stundenlang gesessen und diskutiert", sagt Król.

Es sind solche Begegnungen, die ogelsangs und Króls Roadtrip so besonders machen. Ihre Reise durch Raum und Zeit endet im kleinen Ort Boltenhagen an der Ostsee mit der Frage, wann die DDR wirklich vorbei ist. Die Antwort, so scheint es, muss jeder für sich selbst finden.

Was wollen die denn hier? Deutsche Grenzerfahrungen

von
Seitenzahl:
272 Seiten
Genre:
Sachbuch
Verlag:
rowohlt
Bestellnummer:
978-3-498-07071-7
Preis:
20 €

Dieses Thema im Programm:

Bücherjournal | 26.06.2019 | 00:00 Uhr

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