Stand: 10.05.2019 18:00 Uhr

"Hingabe": ein Buch der Pop-Ikone Patti Smith

Hingabe
von Patti Smith, aus dem amerikanischen Englisch von Brigitte Jakobeit
Vorgestellt von Stefan Maelck
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Das Buch enthält neben Geschichten und Gedichten auch Fotos von Patti Smith' Reisen.

Patricia Lee Smith, besser bekannt als Patti Smith, gehört inzwischen zu den politischen Aktivisten. Mitte der 1970-er hatte die ursprüngliche Dichterin begonnen, Platten aufzunehmen und aus ihrer Poesie Rock 'n' Roll zu machen. Das tat sie sehr erfolgreich bis 1979, dann gab es eine neunjährige Pause. Nach ihrem Comeback 1988 mit dem Hit "People have the Power" wieder eine von acht Jahren.

Trotzdem war Patti Smith nie wirklich verschwunden. Seit 1996 veröffentlicht sie wieder regelmäßig Alben, ebenso regelmäßig ist Patti Smith in Deutschland zu Gast. Mittlerweile ist die Diva der Punk-Poesie 72 Jahre alt und auch eine gefeierte und preisgekrönte Autorin. Jetzt ist ihr neues Buch "Hingabe" erschienen.

Ein Buch in vier Abschnitten

"Hingabe" besteht aus vier Kapiteln: "Wie der Verstand funktioniert", "Hingabe", "Ein Traum ist kein Traum" und "Written on a Train". Wobei die besondere Überraschung neben den essayistischen Texten die erste wirkliche fiktionale Erzählung von Patti Smith ist: "Hingabe" erzählt die Geschichte einer geheimnisvollen Eisläuferin.

Jedes Jahr fürchtete sie die Ankunft des Frühlings. Das Eis unter ihren Füßen wurde dann rissig und die Oberfläche brüchig: als wäre ein Handspiegel auf einen Marmorboden gefallen. Nur noch ein kleines bisschen länger, beschwor sie die Natur, nur eine Woche, ein paar Tage, noch ein paar Stunden. Sie kniete auf dem Eis. Noch war es nicht gefährlich, aber bald. Leseprobe

Texte voller Geheimnisse

So geheimnisvoll hat Patti Smith immer geschrieben, so klingen auch ihre Liedtexte und Gedichte. Der Sound, der Ton, der Fluss, die Assoziationen, das kindlich Begeisterte, das manchmal verzweifelt Abgeklärte, das Aufbegehren, der Geist des Rock 'n' Roll - all das ist Smith. "Forever the Queen of Cool" wie Michael Stipe von REM einmal sagte.

Patti Smith bleibt die reisende Suchende, die längst ihren Ton gefunden hat und trotzdem an der Verfeinerung arbeitet, so wie sie es auch immer in der Musik getan hat. Die Übersetzung von Brigitte Jakobeit trifft genau diese Sprachmelodie - ein Geschenk! Die eingestreuten Gedichte und Schwarz-Weiß-Fotos von Patti Smith, die ihre Reisen illustrieren, künden mitunter von einer schon verschollen geglaubten Welt.

Das Schicksal hat eine Hand, aber nicht alles im Griff. Ich suchte etwas und fand etwas anderes, den Trailer eines Films. Berührt von einer klangvollen, fremden Stimme, ergossen sich die Worte. Ich begab mich auf eine Reise, angelockt von einer glänzenden Jukebox, die eine ganze Sinfonie von Bezugspunkten heraufbeschwor. Leseprobe

Alles begann in Greenwich Village

"M-Train", das letzte ins Deutsche übersetzte Buch von Patti Smith, begann dort, wo alles begonnen hat für sie als Künstlerin - in ihrer Wohnung in Greenwich Village, New York City. Dort, wo sie in Buchläden gejobbt hat, wo sie ihre ersten Gedichte schrieb, wo sie Musiker wie Janis Joplin und Jimi Hendrix und die Beat-Poeten um Alan Ginsberg kennen lernte.

Doch die meisten ihrer Helden sind tot, ob ihr Mann, der MC5-Gitarrist Fred Sonic Smith, ob Kurt Cobain oder John Coltrane, Allen Ginsberg oder Arthur Rimbaud. Die Helden der Smith kennen wir schon lange aus ihrem Werk, beschrieben und besungen. Auch bei ihren Reisen und Erkundungen spielen diese Helden eine Rolle. So besucht sie die Gräber von Seelenverwandten wie Sylvia Plath oder Frida Kahlo und nun in "Hingabe" fährt sie fort mit den Wallfahrten zu den verehrten Vorbildern.

Pilgerreisen zu den Gräbern ihrer Seelenverwandten

Das Telefon klingelt und bricht den Bann, mein Flug wurde storniert. Ich muss einen früheren nehmen. Ich beeile mich, rufe ein Taxi, stecke meinen Computer in seine Hülle, die Kamera in einen Beutel, der Rest wandert in den Koffer. Das Taxi kommt zu schnell, denn ich habe noch nicht entschieden, welche Bücher ich mitnehme. Die Aussicht, ohne Buch in ein Flugzeug zu steigen, erfüllt mich mit Panik. Das richtige Buch kann so etwas wie ein Mentor sein und die Atmosphäre einer Reise bestimmen oder gar ihren Verlauf. Leseprobe

Dieses Mal geht es ins Paris von Patrick Modiano, ans Grab von Simone Weil nach England und ins Haus von Albert Camus nach Südfrankreich. Vor allem aber geht es darum, sich der Frage zu nähern: Warum schreiben? Was festhalten? Was weglassen?

Warum fühlt man sich zum Schreiben berufen? Um sich abzusetzen, einzuspinnen, versunken in Einsamkeit, trotz der Bedürfnisse anderer. Virginia Woolf hatte ihr Zimmer. Proust seine verriegelten Fenster. Marguerite Duras ihr stummes Haus. Dylan Thomas seinen bescheidenen Schuppen. Alle wollten eine Leere mit Worten füllen. Worten, die unberührtes Terrain durchdringen, ungeklärte Zusammenhänge ergründen, das Ungeheuerliche aussprechen. Leseprobe

Hingabe

von
Seitenzahl:
144 Seiten
Genre:
Roman
Verlag:
Kiepenheuer & Witsch
Bestellnummer:
978-3-462-05168-1
Preis:
18,00 €

Dieses Thema im Programm:

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