Stand: 26.08.2020 00:01 Uhr

Norddeutsche Romanschauplätze: "Tod an der Leine" in Hannover

von Andrea Schwyzer

Wo ist der perfekte Ort für einen Mord? In den Uffizien in Rom, im Moskauer Kreml, auf dem Riesenrad in London? Oder aber an der Leine, im Herzen Hannovers? Dort, am Flussufer, ließ die Autorin Susanne Mischke eine Frau sterben - fiktiv. Das war nicht die einzige Leiche, die sie in und um Hannover platziert hat: Viele Jahre hat sie hier gelebt, gearbeitet und gemordet. Seit kurzem wohnt die Bestsellerautorin wieder in ihrer Heimat im Oberallgäu, doch kommt sie immer wieder gern zurück in den Norden. Bei ihrem letzten Besuch hat sie Andrea Schwyzer zum schaurigen Schauplatz eines ihrer Kriminalromane mitgenommen.

Die Autorin Susanne Mischke im Porträt. © NDR Foto: Andrea Schwyzer
Die Autorin Susanne Mischke hat einige Kriminalromane verfasst, die in Hannover spielen.

Es ist einer dieser Tage, an denen der Wind durch die Altstadt pfeift. "Wind ist doch schön! Es gibt frische Luft, keine Viren", sagt Susanne Mischke, mit der es in Hannover auf Spurensuche geht: "Das ist Heimatluft, so ein bisschen. Ich war schon lange hier. Das ist dann immer schön."

"Tod an der Leine", so hieß ihr zweiter Hannover-Krimi um den Schafe züchtenden Hauptkommissar Bodo Völxen und sein Team. Durch das 2009 erschienene Buch konnte man einige versteckte Orte in Hannover entdecken. "Genau, der Tatort war dort unten, da wo der Flohmarkt ist. Und die stürzte dann da vorne die Mauer runter, auf dieses Zwischendeck hier", erläutert die Autorin.

Die verborgenen Ecken von Hannover

"Als ich das Buch geschrieben habe, war da unten wirklich noch tote Hose", erzählt Susanne Mischke. "Das war so ein total vergessener Winkel, verkommen sogar, wo ich mir immer gedacht habe: Warum macht diese Stadt nichts aus ihrem Fluss? Und jetzt ist da unten High Life und Konfetti, mit Cafés und Zeug. Aber am Anfang war das nicht. Das war schon ideal für einen Mord."

Die Autorin Susanne Mischke sitzt am Ufer der Leine in Hannover und vor ihr stehen zwei leere Flaschen "Herrenhäuser Pils". © NDR Foto: Andrea Schwyzer
Susanne Mischke mit den zwei zufällig am Tatort entdeckten "Herris", die auch ihr Kommissar Bodo Völxen gerne trinkt.

Auf die Frage, ob man die Stadt auch ein bisschen interessant machen muss für Leute, die von außerhalb kommen, antwortet sie: "Hannover hat viel zu bieten, von dem die Leute gar keine Ahnung haben. Im Süden wird man mitleidig angeguckt, wenn man Hannover sagt. Jetzt, wo ich da unten wohne und sage, 'ich hab richtig Heimweh', dann gucken die mich an, als sei ich komplett verrückt. Die können das gar nicht verstehen."

Dann ergibt sich ein schöner Zufall: Am Tatort stehen zwei "Herris" (Anm. d. Redaktion: Herrenhäuser Bier) und ein "Kleiner Feigling". "Ja, mein Kommissar trinkt ja auch immer Herrenhäuser", erzählt die Autorin. "Aber er tut es in gepflegter Umgebung: an seinem Schafzaun." Schon entsteht ein Foto am Tatort von der Krimifrau und den Bierflaschen.

Die Gegend um die Kreuzkirche

Hannover-Krimis von Susanne Mischke

  • Zärtlich ist der Tod
Piper Taschenbuch, Januar 2020
EAN 978-3-492-31463-3, 11 Euro
  • Alte Sünden
Piper Taschenbuch, Februar 2019
EAN 978-3-492-31381-0, 10 Euro
  • Warte nur ein Weilchen
Piper Taschenbuch, Juni 2017
EAN 978-3-492-31069-7, 10 Euro
  • Einen Tod musst du sterben
Piper Taschenbuch, August 2016
EAN 978-3-492-31014-7, 11 Euro
  • Todesspur
Piper Taschenbuch, Oktober 2011
ISBN: 9783492272261, 12,95 Euro
  • Totenfeuer
Piper Taschenbuch, November 2010
ISBN: 9783492259835, 12,95 Euro
  • Tod an der Leine
Piper Taschenbuch, September 2009
ISBN: 9783492257718, 12, 95 Euro
  • Der Tote vom Maschsee
Piper Taschenbuch, Februar 2008
ISBN: 9783492051460, 14 Euro

Dann geht es weiter über den Ballhof in Richtung Kreuzkirche: "Jetzt biegen wir hier in eine schmale, verdächtige Gasse. Diese Kirche hat auch so schöne Winkel, mit dieser Kapelle, die da rauskommt. Und da hinten gibt es so ein paar finstere Ecken. Also, die eignet sich schon - ein Ort zahlloser Verbrechen. Fiktiver. Echter vielleicht auch, ich weiß es nicht."

Das Buch mit dem Tatort Kreuzkirche gibt es auch: "Das sind sogar zwei Bücher", erklärt Susanne Mischke. "Also das letzte jetzt mit dem toten Journalisten. Da ist so ein richtiger Showdown in der Kreuzkirche, wo da noch eine Bombe - also, ich darf eigentlich nichts verraten - aber wo eine Bombe hochgeht. Ich mag die Kreuzkirche so gern, weil die so nah am Rotlichtviertel liegt und ich diesen Kontrast mag. Es geht praktisch gleich dahinter los. Das ist ein bisschen so wie in Amsterdam, da gibt es das auch." Kirchen und Friedhöfe - das mag Susanne Mischke. Sie wendet aber ein: "Ich bin überhaupt nicht morbide, das klingt jetzt nur so."

Die Knochenhauerstraße steht für das Verbrechen in Hannover

Die Krimi-Autorin Susanne Mischke steht vor einem Café, an dem eine Super Mario-Plüschfigur aufgehängt ist. © NDR Foto: Andrea Schwyzer
Dem Verbrechen auf der Spur: Susanne Mischke entdeckt den "erhängten" Super Mario.

Dann führt der Weg an dem "erhängten" Super Mario vorbei - ein kleiner Plüsch-Mario, der über einem Café an einem Seil baumelt. "Oh ja, da oben, die haben Super Mario aufgehängt. Das ist ein Skandal!", lacht Susanne Mischke.

In der Knochenhauerstraße ergibt sich die nächste Szene: "Oh, da schleppt ein Hund ein totes Huhn. Also es ist hier etwas makaber", sagt Susanne Mischke. Es ist ein Gummi-Huhn. "Die Knochenhauerstraße ist aber auch ein Muss. Die steht explizit für das Verbrechen in Hannover", sagt die Autorin. "Da kann auch ich nicht mithalten, mit der Knochenhauerstraße - was hier alles los war!"

2021 kommt der zehnte Hannover-Krimi

Susanne Mischke kann allerdings durchaus mit der Knochenhauerstraße mithalten: Nächstes Jahr soll der zehnte Hannover-Krimi erscheinen. Hinzu kommen um die 25 weitere Krimis und Jugendbücher sowie "Belmonte", eine deutsch-italienische Familiensaga, erschienen unter ihrem Pseudonym Antonia Riepp. Wird der nächste Tatort dann also in Mittelitalien sein? "Na, ja, Verbrechen können überall stattfinden", sagt Susanne Mischke.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 26.08.2020 | 10:20 Uhr

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