Viele Stapel Bücher auf Tischen und in Regalen einer Buchhandlung. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild Foto: Jan Woitas

Die interessantesten literarischen Neuerscheinungen 2021

Stand: 15.11.2021 15:04 Uhr

Spannende Romane, fesselnde Erzählungen, berührende Lyrik: Viele aufregende Bücher sind 2021 erschienen. Diese Neuerscheinungen haben uns beeindruckt - unsere Buchempfehlungen ohne Gefallensgarantie.

Ob Helga Schuberts "Vom Aufstehen", Jonathan Franzens "Crossroads" oder Elif Shafaks "Das Flüstern der Feigenbäume"- viele Autorinnen und Autoren werfen 2021 einen Blick zurück auf die gesellschaftlichen Konflikte der Vergangenheit. Dass aber auch die aktuelle Zeit viel Stoff für Geschichten bietet, zeigen Juli Zeh ("Über Menschen") und Marica Bodrožić ("Pantherzeit"), deren Werke die Corona-Pandemie als Rahmen aufnehmen.

"Das Flüstern der Feigenbäume": Liebesgeschichte im Zypernkonflikt

Anfang der 1970er-Jahre treffen sich die 18-jährige Defne und der 17-jährige Kostas auf Zypern heimlich: Denn Defne ist Türkin, Kostas Grieche. Vor dem Hintergrund des sich in jenen Jahren stetig zuspitzenden Zypernkonfliktes entspinnt Elif Shafak in "Das Flüstern der Feigenbäume" eine ergreifende Romeo-und-Julia-Geschichte. Diese erreicht ihren ersten Höhepunkt, als Kostas von seiner Mutter 1974 nach London geschickt wird, ohne sich von Defne verabschieden zu können. Lange habe Shafak nicht gewusst, wie sie von einem Ort wie Zypern, der so viel ethnische Gewalt erlebt habe, erzählen könne, ohne dabei in die Falle des Nationalismus zu tappen, schildert sie im Gespräch mit NDR Kultur. Gelöst hat sie das durch eine ungewöhnliche Perspektive fernab von Nationalitäten - ein Feigenbaum führt durch die Geschichte. "Als ich die Stimme des Feigenbaums gefunden hatte, wurde ich mutiger", sagt die Autorin. "Das war die Perspektive, die ich brauchte, um in die Geschichte gehen zu können."

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Elif Shafak: "Das Flüstern der Feigenbäume" © Kein und Aber Verlag

Elif Shafaks "Das Flüstern der Feigenbäume": Vom Gehen und Bleiben

Shafaks neuer Roman erzählt eine griechisch-türkische Romeo-und-Julia-Geschichte vor dem Hintergrund des Zypernkonflikts. mehr

"Never": Ken Follett warnt vor der Gefahr eines Atomkriegs

Ken Folletts Jahrhundert-Saga und die "Kingsbridge"-Reihe haben Millionen von Menschen auf der ganzen Welt gelesen. In seinem neuen Buch "Never - Die letzte Entscheidung" steht die Welt kurz vor einem Atomkrieg. Bis man diese Gefahr im Roman spürt, dauert es ein wenig. Die Geschichte beginnt im Tschad. Dort finden Spione nordkoreanische Waffen. Und da die Nordkoreaner gemeinsame Sache mit den Chinesen machen, müssen diese dafür bestraft werden, dass ein Amerikaner getötet wurde. Die Chinesen lassen das aber nicht auf sich sitzen. Und so schaukelt es sich hoch. Klingt konstruiert, aber Ken Follett hat sich vom Ersten Weltkrieg inspirieren lassen, sagt er: "Keiner der europäischen Machthaber wollte einen Weltkrieg. Sie haben dann aber alle sehr kleine Entscheidungen getroffen. Und Stück für Stück sind sie in den Krieg gerutscht. Und ich fragte mich, ob das noch einmal passieren könnte." "Never" ist nach den vielen historischen Romanen ein Richtungswechsel für Ken Follett - und der ist überwiegend gelungen, meint NDR 90,3-Rezensent Danny Marques.

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Buchcover "Never - Die letzte Entscheidung" © Lübbe

"Never - Die letzte Entscheidung": Thriller von Ken Follett

Ein Atomkrieg droht, Länder geraten in Konflikt, die Situation ist komplex. Ken Follett schildert eine Welt am Abgrund. mehr

"Crossroads": Jonathan Franzen beschreibt die US-Gesellschaft der 70er-Jahre

Jonathan Franzens neuer Roman "Crossroads" ist der Auftakt zu einer Trilogie. Ein Familienroman über mehrere Generationen einer Pastorenfamilie in einem fiktiven Vorort von Chicago. Russ Hildebrandt, Pastor einer protestantischen Gemeinde, hat den Draht zu den Jugendlichen verloren und muss mit ansehen, wie der Leiter der Gemeinde-Jugendgruppe "Crossroads" mit seiner Gruppentherapie begeistert. Das verstärkt nur noch die Midlife-Crisis von Russ. Er verliebt sich in eine zehn Jahre jüngere Frau, die rassistische Vorurteile hat. Mit Blues will Russ ihr die schwarze Musik und Kultur - und natürlich auch sich selber -näherbringen. Im Roman "Crossroads" wimmelt es nur so von moralischen Fragen, die alle Familienmitglieder betreffen. Jonathan Franzen ist ein grandioser Familienroman über Moral, Religion und Vergebung gelungen und gleichzeitig ein Geschichte über ein gespaltenes Land, die USA.

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Cover Jonathan Franzen, Crossroads © Rowohlt Verlag

"Crossroads": Grandioser Familienroman von Jonathan Franzen

Das Buch ist Auftakt zu einer Trilogie, die zeitgleich im englischen Original und in einigen anderen Sprachen erscheint. mehr

"Die Rebellin und der Dieb" von Philipp Sendker: Tür in eine andere Welt

Sendkers neuer Roman spielt wieder in Südostasien. Die Hauptfigur ist ein 18-jähriger Junge namens Niri, der unter großem Druck steht. Gleich zu Beginn sagt er, dass ihm nicht mehr viel Zeit bliebe, es sei nur eine Frage von Stunden, bis er und offenbar auch seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter gefunden werden. Wie er in diese große Gefahr geraten ist, wie er zum Helden wider Willen wurde, davon wird er dann erzählen. Niris Familie lebt seit dem Ausbruch einer Epediemie in bitterer Armut, praktisch in Obdachlosigkeit, und der Vater, ein strenggläubiger Buddhist, lehnt jede Form halblegaler Beschaffung von Nahrungsmitteln ab, selbst wenn seine Tochter nachts bitterlich vor Hunger weint. Sein Sohn Niri überschreitet die Grenzen, die ihm durch die religiöse Moral des Vaters gezogen wurde, und wird zum Dieb. Jan-Philipp Sendker erzählt in "Die Rebellin und der Dieb" eine Romeo-und-Julia-Geschichte und es schwingt immer mit, dass er nur der Beobachter, der Berichterstatter ist, der nie eingreifen und helfen könnte dort, wo er mit Armut und Hunger konfrontiert wird.

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Jan-Philipp Sendker: "Die Rebellin und der Dieb" © Blessing Verlag

Roman von Jan-Philipp Sendker: Tür in eine andere Welt

Jan-Philipp Sendkers Bücher sind seit vielen Jahren erfolgreich. Mit ihnen baut er Brücken zwischen Asien und Europa. mehr

"Die militante Madonna": Irene Dische über eine ungewöhnliche Persönlichkeit

Irene Disches Roman "Die militante Madonna" handelt von Chevalier d'Eon de Beaumont, einem französischen Adligen, der es bevorzugte, Frauenkleider zu tragen und sie im Handumdrehen gegen die gut sitzende Uniform eines Offiziers tauschen konnte. War er, war sie ein Transvestit? War er transgender oder hatte er gar kein präferiertes Geschlecht? Unsere heutigen Kategorien scheinen nicht zu passen. Wir begleiten Chevalier d'Eon de Beaumont durch ein aufregendes Leben als Haudegen und Büchernarr im Dienste seiner Majestät, des französischen Königs Ludwig XV. Irene Dische imitiert den Jargon eines Romanciers des 18. Jahrhunderts mit großer Finesse, da bleibt aber wenig Raum für Psychologie, für innere Reflexion oder für erotisches Knistern. Stattdessen ist ihr Buch ein Schelmenroman, der das kokette Spiel mit dem Sichtbaren und dem Unsichtbaren treibt. Temporeich und handlungs-prall, findet Rezensent Peter Helling.

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Irene Dische: "Die militante Madonna" © Hoffmann und Campe

"Die militante Madonna" - eine ungewöhnliche Persönlichkeit

Irene Disches Roman dreht sich um einen Diplomaten aus dem 18. Jahrhundert, der einen Teil seines Lebens als Frau verbrachte. mehr

"Harlem Shuffle": Colson Whiteheads rasante Gangstergeschichte

Für "Underground Railroad" und "Die Nickel Boys" wurde Colson Whitehead mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet. Sein neues Buch "Harlem Shuffle" ist eine rasante Gangstergeschichte, die im New York der 1960er-Jahre spielt. In der 125. Straße betreibt Ray Carney seinen kleinen Möbelladen. Mit der Welt des Verbrechens, in der sein Vater, Big Mike, sich bestens auskannte, will er eigentlich nichts zu tun haben. Eigentlich. Denn da ist ja noch Cousin Freddie, der ihn immer wieder in krumme Geschichten reinzieht. Illegalität und Legalität - der Held des Romans bewegt sich in beiden Welten. "Colson Whitehead erzählt spannend, lässig, mit sprachlicher Eleganz und mit einem mitunter schmerzhaft klaren Blick auf Amerika", findet Rezensentin Martina Kothe.

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Colson Whitehead: "Harlem Shuffle" (übersetzt von Nikolaus Stingl)  (Cover) © Hanser

Colson Whiteheads "Harlem Shuffle": schmerzhaft klarer Blick auf Amerika

Der neue Roman des Pulitzer-Preisträgers ist eine rasante Gangstergeschichte und spielt im New York der 1960er-Jahre. mehr

"Mitgift": Henning Ahrens über die Vergangenheit einer Bauernfamilie

Mit seinem neuen Roman "Mitgift" hat es der niedersächsische Autor Henning Ahrens auf die Longlist des Deutschen Buchpreises geschafft. Außerdem ist der Roman das NDR Buch des Monats August. Ein Bauernhof in Klein Ilsede bei Peine wird in dem Roman zum Schauplatz einer Zeitreise. Henning Ahrens erzählt von seiner eigenen familiären Vergangenheit und springt unchronologisch immer wieder hin und her - zwischen den Jahren 1755 bis 1962. Ahrens webt so ein Muster, das sich langsam enthüllt - ein Muster der Gewalt. Weitergegeben vom Vater zum Sohn. Der kluge Roman zeige subtil, wie sich in dieser Bauernwelt die Macht verteilt, meint Rezensent Peter Helling. "Es ist ein Buch wie Schwarzbrot. Man muss kräftig kauen, bis sich der Geschmack entfaltet." Aber es sei auch ein Buch, das ins Mark geht, langsam erzählt, mit genauem, warmem Blick. Im Podcast "Land in Sicht" wurde vor allem sprachliche Aspekte im Roman kritisiert. In jedem Fall ein Buch mit Gesprächswert!

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Cover von Henning Ahrens "Mitgift" © Klett-Cott

NDR Buch des Monats: Henning Ahrens' "Mitgift"

In seinem neuen Roman "Mitgift" schildert Henning Ahrens die Geschichte der Bauernfamilie Leeb über mehrere Generationen. mehr

"Dunkelblum": Eva Menasse erforscht das Schweigen

In ihrem neuen Roman "Dunkelblum" schreibt Eva Menasse über das kollektive Schweigen einer Kleinstadt, nicht weit von der ungarischen Grenze, im österreichischen Burgenland. Es ist ein Fremder, ein älterer Mann, der anfängt, Fragen zu stellen - nach dem, was damals, am Ende des Zweiten Weltkrieges in Dunkelblum geschah. Doch die Dunkelblumer schweigen. Junge Menschen aus der Hauptstadt wollen den jüdischen Friedhof wieder herrichten, manche in Dunkelblum ein Heimatmuseum gründen. Es rumort im Ort, und dann wird auf der Rotensteinwiese auch noch "einer ausgegraben". Doch an die Nacht, in der hier hunderte Zwangsarbeiter erschossen und verscharrt wurden, will sich kaum einer erinnern. "Dunkelblum ist komplex und virtuos komponiert ist, stellt bohrende Fragen und meidet Antworten", meint Rezensentin Katja Weise. Der Roman "wühlt auf, bedrückt, reißt mit - vor allem durch seine Figuren und ist zweifelsohne eines der wichtigsten Bücher dieses Herbstes. Großartig."

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Cover von Eva Menasses "Dunkelblum" © KiWi

"Dunkelblum" : Virtuos komponierter Roman von Eva Menasse

Eva Menasses Geschichte vom kollektiven Schweigen einer österreichischen Kleinstadt wühlt auf, bedrückt und reißt mit. mehr

Shida Bazyars neuer Roman "Drei Kameradinnen"

Etwas Schreckliches ist passiert, so viel steht gleich schon zu Beginn von Shida Bazyars Roman "Drei Kameradinnen" fest: ein Unglück, eine Katastrophe, ein Verbrechen? Eine junge Frau behauptet, uns die ganze Wahrheit zu erzählen - und greift dabei tief in die Trickkiste unzuverlässigen Erzählens. So müssen wir uns selbst einen Reim bilden auf die Geschichte dreier junger Frauen, denen ihre Freundschaft gar nicht so viel Kraft schenken kann, wie ihnen vom Alltagsrassismus und dem Gefühl allgemeiner Perspektivlosigkeit immer wieder geraubt wird. Das ist beklemmend erzählt und voll von wütendem Witz. Ausführlich wird über diesen fabelhaften Roman in der ersten Folge "Bücher über Freundschaft" im Literaturpodcast "Land in Sicht" diskutiert.

Friedrich Ani: "Letzte Ehre" bleibt rätselhaft bis zum Schluss

Friedrich Ani ist einer der großen Stars der deutschen Krimiszene. Sein neuester Fall ist mehr ein Roman, der sich einen Krimi-Mantel zur Tarnung übergeworfen hat. Die Ermittlerin in "Letzte Ehre" ist diesmal Fariza Nasri, eine Frau, die Friedrich Ani-Leser schon aus dem Roman "All die unbewohnten Zimmer" ein bisschen kennen. Damals arbeitete sie mit mehreren anderen Ermittlern zusammen. In "Letzte Ehre" ist ein 17 Jahre altes Mädchen spurlos verschwunden und es wirkt ganz so, als sei sie nicht mehr am Leben. Verdächtig sind zuvorderst die Burschen, mit denen sie gefeiert hat und der Lebensgefährte ihrer Mutter, der sich zur vermeintlichen Tatzeit mit ein paar Saufkumpanen in einer Hütte im Wald befand. Das großartige Buch ist mehr Roman als Krimi und bleibe rätselhaft bis zum Schluss, meint NDR Kultur Rezensentin Annemarie Stoltenberg. "Lesend sind wir beteiligt an dem Versuch, die Welt besser zu machen, ahnend, dass es nichts nützen wird."

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Cover des Buches "Die letzte Ehre" von Friedrich Ani © Suhrkamp

Friedrich Anis "Letzte Ehre": Roman als Krimi getarnt

Friedrich Ani ist einer der großen Stars der deutschen Krimiszene. Sein neuester Fall ist eher ein Roman als ein Krimi. mehr

"Über Menschen": Juli Zeh veröffentlicht neuen Roman

Juli Zeh bezieht sich in ihrem neuen Buch "Über Menschen" auf die Corona-Zeit. Auf den ersten Blick hat "Über Menschen" ein ähnliches Setting wie ihr Erfolgsroman "Unter Leuten". Die junge Protagonistin Dora zieht von Berlin, wo sie es bei ihrem zum Corona-Apokalyptiker mutierten Freund nicht mehr aushalten kann, aufs Land. Mit der Realität auf dem Land konfrontiert, verändert sich ihr Weltbild.

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Juli Zeh: "Über Menschen" (Cover) © Luchterhand

"Über Menschen" von Juli Zeh: Wankende Weltbilder

In Juli Zehs neuem Roman flieht die Protagonistin Dora aufs Land ins Brandenburgische - vor Corona und ihren Problemen. mehr

Leïla Slimanis Roman "Das Land der Anderen"

Der Roman "Das Land der Anderen" der französisch-marokkanischen Schriftstellerin Leïla Slimani war in Frankreich bereits ein sehr großer Erfolg. Im Mai ist das Buch in deutscher Übersetzung bei Luchterhand erschienen. Erzählt wird die Geschichte der jungen Elsässerin Mathilde, die sich am Ende des zweiten Weltkriegs in Amine, einem aus Marrokko stammenden Offizier der französischen Armee, verliebt, ihn heiratet und in seine Heimat Marokko folgt. Doch dort stoßen die beiden an die Grenzen von Toleranz und Tradition. Die rassistischen französischen Kolonialbeamten verachten das Paar. Genauso wie die marokkanischen Nationalisten, weil Amine in der Armee des Feindes gedient hat. Die beiden gehören nirgendwo dazu. Die Geschichte hat einen wahren Kern: Das Vorbild für Mathilde war Leïla Slimanis eigene Großmutter.

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Buchcover Leïla Slimani: "Das Land der anderen" © Luchterhand Literaturverlag

Lebendig und packend: Slimanis Roman "Das Land der Anderen"

Der historische Roman handelt von einer Elsässerin und ihrem aus Marokko stammenden Mann am Ende des Zweiten Weltkriegs. mehr

"Dave": Künstliche Intelligenz mit menschlischem Bewusstsein

Kann Gott einen Stein schaffen, der so schwer ist, dass selbst er ihn nicht mehr heben könnte? Ein unlösbares Rätsel, das einem schier den Verstand sprengt. Einen ebensolchen Roman hat die wundervolle österreichische Erzählerin Raphaela Edelbauer mit "Dave" geschrieben. Sie konstruiert einen kaum begreifbaren, faszinierenden Kosmos rund um die Frage: Kann unsere Intelligenz eine künstliche Intelligenz erzeugen, die unsere eigene wiederum überragt? Die Suche nach einer Antwort ist rasant, extrem knifflig, wahnsinnig komisch und - verschlägt uns beim Lesen den Atem.

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Cover des Buches "Dave" von Raphaela Edelbauer © Verlag Klett Cotta

"DAVE": Skurrile Utopie von Raphaela Edelbauer

Die originellste, witzigste, fantasievollste, schrägste Literatur kommt derzeit aus Österreich: von Raphaela Edelbauer. mehr

"Raumfahrer": Ein Blick auf Vergangenheit und Gegenwart in Ostdeutschland

Lukas Rietzschel gilt als wichtige Stimme unter den jungen Schriftstellerinnen und Schritftstellern aus Ostdeutschland. Sein Debütroman "Mit der Faust in die Wand schlagen" erlangte viel Beachtung. Sein zweiter Roman "Raumfahrer" spielt in einer trostlosen sächsischen Kleinstadt, in der der Protagonist Jan und sein Vater leben. Viele Menschen fühlen sich hier nach dem Zusammenbruch der DDR verloren, fast wie Raumfahrer im luftleeren Raum. Verflochten mit der Familiengeschichte ist die Geschichte um den Maler Georg Baselitz und seinen düsteren Bilderzykus "Die Helden". Krimi, Zeitreise und ein frischer Blick auf Vergangenheit und Gegenwart - lesenswert.

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Buchcover: Lukas Rietzschel - Raumfahrer © dtv

"Raumfahrer": Lukas Rietzschel über das Leben in einem luftleeren Raum

In "Raumfahrer" geht es um die sächsische Provinz, um eine abgehängte Elterngeneration und ihre orientierungslosen Kinder. mehr

"Vati": Monika Helfer schreibt ihre eigene Familiengeschichte fort

Die große österreichische Erzählerin Monika Helfer knüpft mit "Vati" an ihren sensationell erfolgreichen Vorjahresroman "Die Bagage" an. Wieder erzählt sie hypnotisch, tastend, sprühend und verzagt aus dem Leben ihrer Vorfahren. Der Vater ist ein sonderbarer Mann: Ein Büchernarr, ein Buchstabenbesessener, ein Heimverwalter, dem es eigentlich nur um die Bibliothek geht, die außer ihm nie jemand nutzt. Er ist ein Ehemann zwischen Liebe und unendlicher Traurigkeit und ein Vater, der die Balance zwischen Nähe und Ferne schwerlich nur findet. Auf eine bösartige Weise wird am Ende alles noch gut.

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Monika Helfer: "Vati" © Hanser Verlag

"Vati": Monika Helfers Roman über ihren Vater

In ihrem Roman "Vati" schreibt Monika Helfer fort, was sie in "Die Bagage" angefangen hat: die Geschichte ihrer Familie. mehr

"Fahrtwind": Klaus Modicks moderner Taugenichts-Roman

Klaus Modicks neuer Roman "Fahrtwind" hat einen populären Vorgänger: "Aus dem Leben eines Taugenichts" von Joseph von Eichendorff. In "Fahrtwind" geht es um eine Künstlerpersönlichkeit: einen jungen Mann, der vielleicht mal Musiker werden will. Modicks Ich-Erzähler soll in die Heizungsbau-Firma des Vaters "Johann Müller GmbH&Co KG" einsteigen. Doch ihm erscheint das Leben zu verheißungsvoll, um es mit schnöder Arbeit zu verbringen. Also zieht er, genau wie der Eichendorff’sche Taugenichts, los ins romantische Blaue. Bei Modick geht es ab auf einen Romantic Road-Trip, bei dem sich der Held den Fahrtwind ordentlich durchs lange Haar wehen lässt.

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Buchcover Klaus Modick: "Fahrtwind" © Kiepenheuer & Witsch

"Fahrtwind": Klaus Modicks "Taugenichts"-Roman

Klaus Modicks neuer Roman holt Joseph von Eichendorffs "Aus dem Leben eines Taugenichts" in die heutige Zeit. mehr

"Später": Neuer Psychothriller von Stephen King

Stephen King ist ein Meister der psychologischen Spannung. Mit seinem Roman "Später" legt er eine raffinierte, mehrfach verschachtelte Studie über das Erwachsenwerden in irrealen Zeiten vor, schreibt Literaturkritikerin Annemarie Stoltenberg. Im Alter von sechs Jahren bemerkt der mit einer alleinerziehenden Mutter und ihrer Lebensgefährtin aufwachsende Jamie, dass er mit Toten sprechen kann. Eine kurze Zeit, nur ein paar Tage, antworten sie ihm auf seine Fragen, ohne zu lügen. Welcher lebendige Erwachsene tut das schon? Seine Mutter ist Literaturagentin und in ziemlicher finanzieller Bedrängnis. Sie und ihre Lebensgefährtin, eine Polizistin, wollen Jamies Fähigkeiten für sich nutzen. Nur winzig kleine Szenen braucht Stephen King, um die seelischen Nöte des Kindes aufzurollen. Man möchte Jamie unentwegt in den Arm nehmen und beschützen.

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Buchcover: Stephen King - Später © Heyne Verlag

"Später": Neuer Psychothriller von Stephen King

Stephen King ist ein Meister der psychologischen Spannung. Sein neuer Roman "Später" ist deutlich kürzer als üblich. mehr

"Otmars Söhne": Familienkämpfe in Peter Buwaldas neuem Roman

Die Reaktionen auf Peter Buwaldas Debütroman "Bonita Avenue" im Jahr 2014 waren zwiespältig. Sein neuer, rund 600 Seiten starker Roman "Otmars Söhne" ist ein unglaublich wuchtiger Text - vom ersten Satz bis hin zum offenen Schluss. Die Geschichte handelt von einer Art Patchwork-Familie, in der Stiefgeschwister und Eheleute im Kampf miteinander sind. "In diesem Roman passiert so ungeheuer viel, dass eine Inhaltsangabe nur antupfen kann, was sich ereignet. Es ist eine atemlos rasende Geschichte. Unentrinnbar, unglaublich, desaströs und brutal wie das Leben", meint NDR Kultur Literaturkritikerin Annemarie Stoltenberg.

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Das Cover von Peter Buwaldas Roman "Otmars Söhne" © rowohlt

"Otmars Söhne": rasender Roman von Peter Buwalda

Die Reaktionen auf Buwaldas Debütroman "Bonita Avenue" waren zwiespältig. Sein neues Buch hingegen ist mitreißend. mehr

"Daheim": Judith Hermanns Roman über Angst und Sehnsucht

Judith Hermanns neuer Roman "Daheim" erzählt die Geschichte einer Frau, die ihr früheres Leben hinter sich lässt und ans Meer zieht. Dort arbeitet sie im Imbiss ihres Bruders und sieht sich mit einem Mal unbekannten Ängsten ausgesetzt. In der Nacht steht plötzlich die Haustür offen. Ein Tier wohnt zwischen den Wänden, aufdringlich laut und unsichtbar. Aber sie freundet sich auch mit ihrer Nachbarin Mimi an, die jeden Morgen nackt im Hafenbecken schwimmt. Judith Hermann schafft es in "Daheim" das Magisch-Parabelhafte ihrer Erzählungen in einen Roman zu übertragen. Mit großer Sicherheit erzählt Hermann das Märchen von einer Frau, die einen Teil von sich in der Kiste eines Zauberers verloren hat und ihn möglicherweise erst 30 Jahre später wieder zurückbekommt. Judith Hermanns neuer Roman "Daheim" ist auch Thema im neuen NDR Kultur Literaturpodcast "Land in Sicht". In der dritten Folge sprechen Schriftstellerin Lisa Kreißler und Alexander Solloch über Sehnsucht.

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Pusteblume im Wind vor blauem Himmel © picture alliance / Zoonar Foto: Waldemar Thaut
75 Min

Podcast: Land in Sicht - Bücher voller Sehnsucht

Wir sprechen unter anderem über Judith Hermanns neuen Roman "Daheim" und mit Sven Regener über das Bittersüße in der Kunst. 75 Min

"Pantherzeit": Marica Bodrožić reflektiert Leben in der Corona-Zeit

Die poetisch-philosophischen Betrachtungen in "Pantherzeit" von Marica Bodrožić über das Leben in Corona-Zeiten zeigen, dass gute Literatur nicht nur unterhaltsam ist, sondern uns immer wieder zu neuen Ansichten über unser gegenwärtiges Leben führt. Bodrožić macht Rainer Maria Rilkes Gedicht "Der Panther" zum Kristallisationspunkt ihres umfangreichen Essays. Es ist das Gedicht zur Pandemie: Wie ein eingesperrter Panther durch die Gitterstäbe von innen nach draußen schauen zu müssen, lässt die Welt anders, klarer erscheinen. Das Buch wurde Anfang des Jahres in der NDR Kultur-Reihe "Am Morgen vorgelesen" bereits vor der Veröffentlichung vorgestellt. Im Februar ist es dann erschienen.

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Marica Bodrožić: "Pantherzeit" © Otto Müller Verlag

Marica Bodrožić: "Pantherzeit"

In ihrem Essay beschäftigt sich Marica Bodrožić mit den Umwälzungen, die die Pandemie im Frühjahr 2020 ausgelöst hat. mehr

Moderne Lyrik von Amanda Gorman und Anja Kampmann

Seit dem beeindruckenden Auftritt der 22-jährigen Poetin Amanda Gorman bei der Amtseinführung Joe Bidens spricht die ganze Welt über sie und ihr Gedicht. "The Hill We Climb" ist gerade in deutscher Übersetzung erschienen: "Den Hügel hinauf". Rund um die Veröffentlichung entstand ein großer Streit darüber, wem es erlaubt sei, die Verse der schwarzen Autorin in andere Sprachen zu übertragen. Für den Hoffmann und Campe-Verlag hat das ein dreiköpfiges Team übernommen. Nicht jeden hat die Übersetzung des kraftvollen Gedichts überzeugt und dennoch ist sie eine der meistbeachtetsten Neuerscheinungen auf dem deutschen Literaturmarkt in diesem Frühjahr.

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Cover des Buchs "The Hill We Climb" von Amanda Gorman

Amanda Gormans "The Hill We Climb" auf Deutsch

Das Gedicht der 22-jährigen Poetin hat weltweit beeindruckt und ist nun in deutscher Übersetzung erschienen: "Den Hügel hinauf". mehr

Nach ihrem vielbeachteten Debütroman "Wie hoch die Wasser steigen", hat die Hamburgerin Anja Kampmann in diesem Jahr wieder einen Lyrikband vorgelegt. "Der Hund ist immer hungrig" ist im März beim Hanser Verlag erschienen. Die Gedichte sind stilistisch sehr reduziert, reich an historischen Bezügen und entführen mit einem rauen und zugleich sehnsuchtsvollen Klang in eine Vergangenheit in der norddeutschen Provinz. Um Kampmanns Gedichte geht es auch in der zweiten Folge des NDR Kultur Literaturpodcasts "Land in Sicht".

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Ein altes Buch liegt im Grünen auf einem Holzbrett. © photocase.de Foto: nukanute
76 Min

Bücher zwischen Liebe und Hass

Lisa Kreißler und Joachim Dicks sprechen über Lyrik. Warum lieben und hassen wir sie und wie zeigt sie den Wandel der Sprache? 76 Min

"Eurotrash": Christian Krachts späte "Faserland"-Fortsetzung

25 Jahre nach seinem gefeierten Debütroman hat der Schriftsteller Christian Kracht eine Fortsetzung geschrieben. Damals irrte in "Faserland" ein namenloser Ich-Erzähler durch ein von allen Geistern verlassenes Deutschland, von Sylt bis über die Schweizer Grenze nach Zürich. In "Eurotrash" geht derselbe Erzähler erneut auf eine Reise - diesmal nicht nur ins Innere des eigenen Ichs, sondern in die Abgründe der eigenen Familie. Deren Geschichte kreuzt sich auf tragische, komische und bisweilen spektakuläre Weise immer wieder mit der Geschichte dieses Landes. Was am Anfang nach Autofiktion aussieht, erweist sich im Laufe der Erzählung immer mehr als ebenso komplexes wie äußerst amüsantes poetisches Vexierspiel. Wer anfängt die biografischen Eckdaten Krachts zu googeln, wird bald nicht mehr wissen, was Wahrheit und Lüge unterscheidet. Mit seinem neuen Werk war Christian Kracht für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert.

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Christian Kracht: "Eurotrash" © Kiepenheuer & Witsch

"Eurotrash": Christian Krachts Mutter-Sohn-Geschichte

Die "Faserland"-Fortsetzung ist eine Komödie in Romanform, die auf unheimlich komische Weise vom Abgründigen erzählt. mehr

"Vom Aufstehen": Fast ein Jahrhundert deutscher Geschichte

Ebenfalls für den Leipziger Buchpreis nominiert war die inzwischen 80-jährige Ingeborg-Bachmann-Preisträgerin Helga Schubert. In ihrem autobiographischen Werk "Vom Aufstehen" erzählt sie von ihrem Leben "als Kriegskind, Flüchtlingskind und Kind der deutschen Teilung". Ausgedacht ist wenig in diesem Buch. Die 29 Geschichten erzählen größtenteils aus der Ich-Perspektive und blättern das Leben der Helga Schubert auf, aber auch acht Jahrzehnte deutscher Geschichte.

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Helga Schubert: "Vom Aufstehen" © dtv

NDR Buch des Monats März: "Vom Aufstehen"

In "Vom Aufstehen" erzählt Helga Schubert kurze Episoden über sich, ihre Mutter und ein Jahrhundert deutscher Geschichte. mehr

Reemtsma Sohn Johann Scheerer schildert seine Kindheit

2021 jährt sich die Entführung des Hamburger Millionärs Jan Philipp Reemtsma zum 25. Mal. Bereits vor zwei Jahren hat Reemtsmas Sohn, der Musiker Johann Scheerer, seine Erlebnisse rund um die Entführung in "Wir sind dann wohl die Angehörigen" verarbeitet. Sein neues Buch "Unheimlich nah" schildert, wie er nach der Rückkehr seines Vaters, in der ständigen Begleitung von Personenschützern aufwächst.

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Cover des Buchs Unheimlich nah von Johann Scheerer © Piper Verlag

NDR Buch des Monats Januar: "Unheimlich nah"

Johann Scheerer erzählt von der Entführung seines Vaters Jan Philipp Reemtsma in den 90er-Jahren. Er war damals 13 Jahre alt. mehr

 

Mehr Literatur
Logo vom Podcast "eat.READ.sleep" © NDR/istockphoto.com Foto: Natee Meepian

Podcast: eat.READ.sleep. Bücher für dich

Mit dem Podcast eat.READ.sleep geben wir Tipps, Interviews mit Büchermenschen, Fun Facts und Besonderes für den Gaumen. mehr

NDR Kultur: Bücher zum Leben © NDR

Land in Sicht. Bücher zum Leben

Schriftstellerin Lisa Kreißler lädt ein: In ihrer Scheune in Pohle sprechen wir über Bücher, die Gegenwart, das Leben. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 10.11.2021 | 07:20 Uhr

Mehr Kultur

Textblatt einer Sängerin beim Weihnachtsmarkt-Chorsingen auf dem Roncalli Weihnachtsmarkt vor dem Hamburger Rathaus. © NDR Foto: Thomas Jähn

Chöre in der Weihnachtssaison: Auftreten oder nicht?

Angesichts hoher Infektionszahlen ist die Aussicht auf Konzerte in der Weihnachtszeit bei vielen Verantwortlichen getrübt. mehr