Stand: 25.01.2019 10:55 Uhr

LSD-Trips in der frühen Hippie-Zeit

Das Licht
von T.C. Boyle, aus dem Englischen übersetzt von Dirk Gunsteren
Vorgestellt von Katja Weise
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Schon das Cover macht klar, worum es (unter anderem) geht: um die in den frühen 60er-Jahren noch nicht verbotene Droge LSD.

Der siebzehnte Roman des US-amerikanischen Schriftstellers T.C. Boyle, "Das Licht", erscheint jetzt auf Deutsch, und ist ab Montag in Am Morgen vorgelesen mit Florian Lukas als Sprecher zu hören. Im Original heißt der Roman "Outside Looking In" und wird erst in einem Monat auf dem englischsprachigen Markt erscheinen. T.C. Boyle kommt bereits in den nächsten Tagen wieder auf Lesereise nach Deutschland - was dafürspricht, dass er sich bei seiner Leserschaft hierzulande besonders wohlfühlt.

Warum dieser Roman "Das Licht" heißt, ist sehr leicht zu beantworten: Es geht um LSD-Konsumenten der 60er-Jahre, die sich von der neuen Wunderdroge - die damals nicht verboten war, im Gegensatz zu Marihuana - göttliche Erleuchtung erhoffen, auch wenn sie nach einem überwältigenden Farben- und Formenrausch meist einfach nur extrem lichtempfindliche Augen haben und dringend mit Sonnenbrillen unterwegs sein müssen.

"Es war halb sechs, Fitz war mit seiner Aktentasche und einigen Büchern auf dem Heimweg und versuchte sich zu erinnern, was Joanie ihm mitzubringen aufgetragen hatte, als er sah, dass Tim, Dick und Hollingshead ihm auf dem Bürgersteig entgegenkamen. Alle drei trugen Sonnenbrillen, obwohl es ein bedeckter Tag war, und waren offenbar in ein lebhaftes Gespräch vertieft." Leseprobe

Der Reiz der neuen Freiheiten

Fitzhugh Loney ist im Jahr 1962 Doktorand in Harvard und lernt dort die Professoren Timothy Leary, Richard Alpert und Michael Hollingshead kennen, drei historisch verbürgte Pioniere der Bewusstseinserweiterung durch Drogenkonsum. Fitz und seine Frau Joanie haben mit 19 geheiratet; ihr Sohn ist bereits 13 Jahre alt. Sie wollen vorankommen im Leben, aber dann ist der Reiz der neuen Freiheiten in Tims Haus einfach zu groß.

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"Und was hatte er erwartet? Eine intimere Atmosphäre, klinisch, vielleicht sogar klösterlich. Es sollte doch nicht bloß irgendeine Cocktailparty sein, sondern seine Einführung in den inneren Kreis." Leseprobe

Ausschweifende und feucht-fröhliche Feiern

Es wird feucht-fröhlich und ausschweifend gefeiert. Die Drogen, auch "das Sakrament" genannt, verabreicht der charismatische Guru Tim Leary wie Arznei, aber dazu gibt es immer auch reichlich Alkohol. Lange wird so getan, als handele es sich um ein bahnbrechendes Forschungsprojekt, aber diese Fassade durchschaut derjenige, der von außen hereinschauen darf, nämlich der Leser, schon bald.

Fitz möchte als Akademiker zum inneren Kreis gehören, und später will seine Frau Joanie mit den Brüdern und Schwestern zusammen sein, während er schon Zweifel hegt. Jedenfalls lenkt der Autor T.C. Boyle die Geschehnisse so, dass diese junge Familie mit nach Mexiko zieht, als Leary und Alpert aus Harvard entlassen werden, und immer noch zur Kommune gehört, als die ein altes Herrenhaus in Millbrook im US-Staat New York bewohnt.

"Manche lagen noch im Bett, andere spazierten im Wald herum oder hatten sich in irgendeinen Winkel zurückgezogen, und all die Begeisterung, mit der dieses Gruppenexperiment sie erfüllte, war ein wenig gedämpft durch die einfachen Abläufe des Lebens, bis sie sich gegen Abend wieder steigerte, wenn es Abendessen, Diskussionen und Musik gab und Tim manchmal einen Film auf seinem nagelneuen Projektor zeigte oder die samstägliche Gruppensession stattfand, auf die sich alle freuten." Leseprobe

Perspektivwechsel zwischen Protagonisten

So wie T.C. Boyle, der im Dezember 70 Jahre alt geworden ist, das alles beschreibt, könnte man auf die Idee kommen, dass er selbst viel von dieser LSD-Hochphase miterlebt hat und in Jugenderinnerungen schwelgt. Aber der Roman heißt ja "Outside Looking In". Die Perspektive wechselt von Fitz zu Joanie und später wieder zurück zu Fitz. Die beiden Romanfiguren sind allerdings immer irgendwie mittendrin.

Um zu begreifen, dass es damals auch um die Überwindung allzu starrer gesellschaftlicher Normen und deren tödlicher Langeweile ging, hätte man auf die wiederholte Beschreibung des einen oder anderen Drogen-Trips und einhergehender sexueller Exzesse verzichten können. Aber auf den 380 Seiten ist die allmähliche Auflösung einer Persönlichkeit binnen zweier rauschhafter Jahre hautnah mitzuerleben. Das Buch versetzt detailreich in eine jetzt historische Epoche, in die unter anderem die Ermordung John F. Kennedys fiel, aber es hat auch exemplarischen Wert.

Das Licht

von
Seitenzahl:
384 Seiten
Genre:
Roman
Verlag:
Hanser
Bestellnummer:
978-3-446-26164-8
Preis:
25,00 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue Bücher | 25.01.2019 | 12:40 Uhr

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