Ein Bücherstapel vor einem gefüllten Bücherregal © picture alliance/dpa / Frank Rumpenhorst Foto: Frank Rumpenhorst

Die wichtigsten literarischen Ereignisse 2021

Stand: 22.04.2021 15:41 Uhr

Viele großartige Bücher sind 2021 in deutscher Sprache erschienen, Viele weitere sind angekündigt. Auf diese Romane, Lyrik und Sachbücher freuen wir uns gespannt: unsere Buch- und Podcastempfehlungen ohne Gefallensgarantie.

Die poetisch-philosophischen Betrachtungen in "Pantherzeit" von Marica Bodrožić über das Leben in Corona-Zeiten zeigen, dass gute Literatur nicht nur unterhaltsam ist, sondern uns immer wieder zu neuen Ansichten über unser gegenwärtiges Leben führt. Bodrožić macht Rainer Maria Rilkes Gedicht "Der Panther" zum Kristallisationspunkt ihres umfangreichen Essays. Es ist das Gedicht zur Pandemie: Wie ein eingesperrter Panther durch die Gitterstäbe von innen nach draußen schauen zu müssen, lässt die Welt anders, klarer erscheinen. Das Buch wurde Anfang des Jahres in der NDR Kultur-Reihe "Am Morgen vorgelesen" bereits vor der Veröffentlichung vorgestellt. Im Februar ist es dann erschienen. Im Laufe des Jahres wird Marica Bodrožić damit auch noch in der Veranstaltungsreihe "Der Norden liest" zu Gast sein.

"Über Menschen": Juli Zeh veröffentlicht neuen Roman

Auch Juli Zeh bezieht sich in ihrem neuen Buch "Über Menschen" auf die Corona-Zeit. Auf den ersten Blick hat "Über Menschen" ein ähnliches Setting wie ihr Erfolgsroman "Unter Leuten". Die junge Protagonistin Dora zieht von Berlin, wo sie es bei ihrem zum Corona-Apokalyptiker mutierten Freund nicht mehr aushalten kann, aufs Land. Mit der Realität auf dem Land konfrontiert, verändert sich ihr Weltbild.

"Monschau": Pockenepidemie in der Eifel

Dagegen beschäftigt sich "Monschau", der neue Roman von Steffen Kopetzky, mit der Vergangenheit. Kopetzky blickt zurück auf das Jahr 1962 und erzählt die Geschichte eines jungen Arztes, der in die Eifel geschickt wird, um eine Pockenepidemie zu bekämpfen. Einmal mehr vermischt Steffen Kopetzky wahre Begebenheiten und Fiktion auf spannende, zupackende Weise. Der Autor war am 13. April zu Gast bei "Der Norden liest".

"Vom Aufstehen": Fast ein Jahrhundert deutscher Geschichte

Die inzwischen 80-jährige Ingeborg-Bachmann-Preisträgerin Helga Schuberts erzählt in ihrem autobiographischen Werk "Vom Aufstehen" von ihrem Leben "als Kriegskind, Flüchtlingskind und Kind der deutschen Teilung". Ausgedacht ist wenig in diesem Buch. Die 29 Geschichten erzählen größtenteils aus der Ich-Perspektive und blättern das Leben der Helga Schubert auf, aber auch acht Jahrzehnte deutscher Geschichte.

Weitere Informationen
Helga Schubert: "Vom Aufstehen" © dtv

NDR Buch des Monats März: "Vom Aufstehen"

In "Vom Aufstehen" erzählt Helga Schubert kurze Episoden über sich, ihre Mutter und ein Jahrhundert deutscher Geschichte. mehr

Abenteuerreisen in Tibet und neue Gedichte von Anja Kampmann

Eine Abenteuergeschichte der besonderen Art erzählt der französische Schriftsteller Sylvain Tesson in "Der Schneeleopard": Zusammen mit dem Fotografen Vincent Munier reist er nach Tibet, um eines der seltensten Tiere dieser Erde ausfindig zu machen.

Dass es nicht immer Prosa sein muss, zeigt die Hamburger Lyrikerin Anja Kampmann mit ihrem neuen Gedichtband "Der Hund ist immer hungrig". Es thematisiert die naive Sehnsucht nach dem großen Leben.

Reemtsma Sohn Johann Scheerer schildert seine Kindheit

2021 jährt sich die Entführung des Hamburger Millionär Jan Philipp Reemtsma zum 25. Mal. Bereits vor zwei Jahren hat Reemtsmas Sohn, der Musiker Johann Scheerer, seine Erlebnisse rund um die Entführung in "Wir sind dann wohl die Angehörigen" verarbeitet. Sein neues Buch "Unheimlich nah" schildert, wie er nach der Rückkehr seines Vaters, in der ständigen Begleitung von Personenschützern aufwächst.

Weitere Informationen
Cover des Buchs Unheimlich nah von Johann Scheerer © Piper Verlag

NDR Buch des Monats Januar: "Unheimlich nah"

Johann Scheerer erzählt von der Entführung seines Vaters Jan Philipp Reemtsma in den 90er-Jahren. Er war damals 13 Jahre alt. mehr

Neuerscheinungen im April

Am 15. April ist "Fahrtwind" von Klaus Modick erschienen. Im Roman kämpft der Protagonist mit dem zeitgenössischen Wahnsinn. Am selben Tag wurde ein weiteres Werk des gefeierten niederländischen Autors Arnon Grünberg veröffentlicht. In "Besetzte Gebiete" zeigt er ein Schicksal zwischen innerer und äußerer Emigration, zwischen Israel und den Niederlanden. Dabei behandelt er kontrovers diskutierte gesellschaftliche Themen wie Empörungskultur, Antisemitismus, Vertreibung und Homosexualität anhand seines Protagonisten Kadoke.

Weitere Informationen
Arnon Grünberg: "Besetzte Gebiete" © Kiepenheuer & Witsch

"Besetzte Gebiete" von Arnon Grünberg: Flucht ins Gelobte Land

Empörungskultur, Emigration, Homosexualität: Arnon Grünbergs neues Werk thematisiert große Fragen in einer Figur. mehr

Judith Hermanns neuer Roman "Daheim" geht am 28. April in den Verkauf. Er erzählt die Geschichte einer Frau, die ihr früheres Leben hinter sich lässt und ans Meer zieht. Was entsteht, wenn eine alte Welt verloren geht? Das Buch scheint wie eine Parabel auf unsere Gegenwart.

Neuer Literaturpodcast: "Land in Sicht" ab 17. April

In Shida Bazyars neuen Roman "Drei Kameradinnen", der ebenfalls im April erschienen ist, geht es um Freundschaft - und darum, wie sie sich inmitten der Ungeheuerlichkeiten der Gegenwart bewähren und behaupten kann. Über den Roman und andere neue und alte Bücher zum Thema Freundschaft wird auch in der ersten Folge des neuen NDR Kultur Literaturpodcast "Land in Sicht" gesprochen. Für den Podcast öffnet die Schriftstellerin Lisa Kreißler alle zwei Wochen ihre Scheune im niedersächsischen Pohle. Sie spricht mit Literaturexpertinnen und -experten des NDR zu einem übergeordneten Thema: Was erfährt man in Büchern über das Thema Freundschaft, Sprache oder Sehnsucht. Es geht um "Bücher zum Leben", Neuerscheinungen und Klassiker, Sachbücher und Romane. Kreißler und ihre Gäste hören sich auch durch frühere Interviews und Lesungen mit Schriftstellerinnen und Schriftstellern und entdecken dabei erstaunlich aktuelle Antworten auf Fragen, die die Menschen auch heute noch umtreiben. In jeder Folge werden diese spannenden Ausschnitte aus historischem Tonmaterial vorgestellt.

Weitere Informationen
NDR Kultur: Bücher zum Leben © NDR

Land in Sicht. Bücher zum Leben

Schriftstellerin Lisa Kreißler lädt ein: In ihrer Scheune in Pohle sprechen wir über Bücher, die Gegenwart, das Leben. mehr

Spannende Buch-Ankündigungen für 2021

Die marokkanische Schriftstellerin Leïla Slimani hat im vergangenen Jahr einen weiteren Roman veröffentlicht: "Das Land der anderen" war in Frankreich ein sehr großer Erfolg. Erzählt wird die Liebesgeschichte einer jungen Elsässerin, die ihrem Mann in seine Heimat Marokko folgt und dort an die Grenzen von Toleranz und Tradition stößt. Am 24. Mai erscheint das Buch in deutscher Übersetzung.

"Marx, Wagner, Nietzsche": Der Politikwissenschaftler Herfried Münkler wird im September 2021 ein Buch zu den drei einflussreichen deutschen Denkern des 19. Jahrhunderts veröffentlichen. Laut Rowohlt Verlag zeichnet Münkler dabei nicht nur ihre Lebenswege nach, sondern zeigt, wie sie in ihrer Zeit bürgerliche Konventionen sprengten, und damit den Weg für die enorme wissenschaftliche und kulturelle Dynamik Ende des 19. Jahrhunderts bereiteten.

75. Todestag von Gerhart Hauptmann

Der literarische Gedenk-Kalender ist außerdem voll mit wichtigen Erinnerungsanlässen. Der 150. Geburtstag von Heinrich Mann war bereits am 27. März. Weitere runde Gedenktage folgen beispielsweise am 6. Mai, dem 100. Geburtstag von Erich Fried, am 20. Mai: dem 100. Geburtstag von Wolfgang Borchert, am 6. Juni: dem 75. Todestag von Gerhart Hauptmann, am 10. Juli: dem 150. Geburtstag von Marcel Proust und am 12. Dezember: dem 200. Geburtstag von Gustave Flaubert.

Mehr Literatur
Logo vom Podcast "eat.READ.sleep" © NDR

Podcast: eat.READ.sleep. Bücher für dich

Mit dem Podcast eat.READ.sleep geben wir Tipps, Interviews mit Büchermenschen, Fun Facts und Besonderes für den Gaumen. mehr

Helga Schubert © NDR

Helga Schubert für Leipziger Buchpreis 2021 nominiert

Unter den fünf Nominierten für den Leipziger Buchpreis 2021 sind die Norddeutsche Helga Schubert, Iris Hanika und Christian Kracht. mehr

Illustration zum Hörspiel "Jenseits von Eden". © Rumi Benecke

Jenseits von Eden: John Steinbecks Roman als NDR Hörspielserie

Die große amerikanische Familiensaga: John Steinbeck erzählt die Geschichte der beiden Familien Trask und Hamilton. mehr

Annemarie Stoltenberg und Rainer Moritz sitzen auf den Stufen zur Alster © NDR/ Foto: Christian Spielmann

Tag des Buches: Lesetipps vom Gemischten Doppel

In der 60. Ausgabe der Sendung gibt es viele neue Buchtipps. Mit dabei: Neues von Sasha Filipenko, Helga Schubert und Tove Ditlevsen. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 13.04.2021 | 11:40 Uhr

Mehr Kultur

Ein Kind hält ein geöffnetes Buch vor dem Gesicht © IMAGO / photothek

NDR feiert Welttag des Buches

Der 23. April 2021 ist Welttag des Buches. Auch für den NDR ist es ein Feiertag für das Lesen, für Bücher und die Rechte der Autoren. mehr