Ein Bücherstapel vor einem gefüllten Bücherregal © picture alliance/dpa / Frank Rumpenhorst Foto: Frank Rumpenhorst

Die interessantesten literarischen Neuerscheinungen 2021

Stand: 01.06.2021 16:37 Uhr

Spannende Romane, fesselnde Lyrik, interessante Sachbücher: Im Jahr 2021 sind viele spannende Bücher auf dem deutschsprachigen Buchmarkt erschienen. Diese Neuerscheinungen haben uns gefesselt - unsere Buchempfehlungen ohne Gefallensgarantie.

Der Roman "Das Land der Anderen" der französisch-marokkanischen Schriftstellerin Leïla Slimani war in Frankreich bereits ein sehr großer Erfolg. Im Mai ist das Buch in deutscher Übersetzung bei Luchterhand erschienen. Erzählt wird die Geschichte der jungen Elsässerin Mathilde, die sich am Ende des zweiten Weltkriegs in Amine, einem aus Marrokko stammenden Offizier der französischen Armee, verliebt, ihn heiratet und in seine Heimat Marokko folgt. Doch dort stoßen die beiden an die Grenzen von Toleranz und Tradition. Die rassistischen französischen Kolonialbeamten verachten das Paar. Genauso wie die marokkanischen Nationalisten, weil Amine in der Armee des Feindes gedient hat. Die beiden gehören nirgendwo dazu. Die Geschichte hat einen wahren Kern: Das Vorbild für Mathilde war Leila Slimanis eigene Großmutter.

Bei NDR Kultur können Sie "Das Land der Anderen" auch kostenlos hören - vom 7. Juni bis zum 25. Juni jeweils Montag bis Freitag von 8.30 Uhr bis 9 Uhr in der Reihe Am Morgen vorgelesen. Die Folgen finden Sie nach der Ausstrahlung für sieben Tage auch online.

"Fahrtwind": Klaus Modicks moderner Taugenichts-Roman

Klaus Modicks neuer Roman "Fahrtwind" hat einen populären Vorgänger: "Aus dem Leben eines Taugenichts" von Joseph von Eichendorff. In "Fahrtwind" geht es um eine Künstlerpersönlichkeit: einen jungen Mann, der vielleicht mal Musiker werden will. Modicks Ich-Erzähler soll in die Heizungsbau-Firma des Vaters "Johann Müller GmbH&Co KG" einsteigen. Doch ihm erscheint das Leben zu verheißungsvoll, um es mit schnöder Arbeit zu verbringen. Also zieht er, genau wie der Eichendorff’sche Taugenichts, los ins romantische Blaue. Bei Modick geht es ab auf einen Romantic Road-Trip, bei dem sich der Held den Fahrtwind ordentlich durchs lange Haar wehen lässt.

"Otmars Söhne": Familienkämpfe in Peter Buwaldas neuem Roman

Die Reaktionen auf Peter Buwaldas Debütroman "Bonita Avenue" im Jahr 2014 waren zwiespältig. Sein neuer, rund 600 Seiten starker Roman "Otmars Söhne" ist ein unglaublich wuchtiger Text - vom ersten Satz bis hin zum offenen Schluss. Die Geschichte handelt von einer Art Patchwork-Familie, in der Stiefgeschwister und Eheleute im Kampf miteinander sind. "In diesem Roman passiert so ungeheuer viel, dass eine Inhaltsangabe nur antupfen kann, was sich ereignet. Es ist eine atemlos rasende Geschichte. Unentrinnbar, unglaublich, desaströs und brutal wie das Leben", meint NDR Kultur Literaturkritikerin Annemarie Stoltenberg.

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Das Cover von Peter Buwaldas Roman "Otmars Söhne" © rowohlt

"Otmars Söhne": rasender Roman von Peter Buwalda

Die Reaktionen auf Buwaldas Debütroman "Bonita Avenue" waren zwiespältig. Sein neues Buch hingegen ist mitreißend. mehr

"Daheim": Judith Hermanns Roman über Angst und Sehnsucht

Judith Hermanns neuer Roman "Daheim" erzählt die Geschichte einer Frau, die ihr früheres Leben hinter sich lässt und ans Meer zieht. Dort arbeitet sie im Imbiss ihres Bruders und sieht sich mit einem Mal unbekannten Ängsten ausgesetzt. In der Nacht steht plötzlich die Haustür offen. Ein Tier wohnt zwischen den Wänden, aufdringlich laut und unsichtbar. Aber sie freundet sich auch mit ihrer Nachbarin Mimi an, die jeden Morgen nackt im Hafenbecken schwimmt. Judith Hermann schafft es in "Daheim" das Magisch-Parabelhafte ihrer Erzählungen in einen Roman zu übertragen. Mit großer Sicherheit erzählt Hermann das Märchen von einer Frau, die einen Teil von sich in der Kiste eines Zauberers verloren hat und ihn möglicherweise erst 30 Jahre später wieder zurückbekommt. Judith Hermanns neuer Roman "Daheim" ist auch Thema im neuen NDR Kultur Literaturpodcast "Land in Sicht". In der dritten Folge sprechen Schriftstellerin Lisa Kreißler und Alexander Solloch über Sehnsucht.

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Pusteblume im Wind vor blauem Himmel © picture alliance / Zoonar Foto: Waldemar Thaut
75 Min

Podcast Land in Sicht: Bücher voller Sehnsucht

Wir sprechen unter anderem über Judith Hermanns neuen Roman "Daheim" und mit Sven Regener über das Bittersüße in der Kunst. 75 Min

"Über Menschen": Juli Zeh veröffentlicht neuen Roman

Juli Zeh bezieht sich in ihrem neuen Buch "Über Menschen" auf die Corona-Zeit. Auf den ersten Blick hat "Über Menschen" ein ähnliches Setting wie ihr Erfolgsroman "Unter Leuten". Die junge Protagonistin Dora zieht von Berlin, wo sie es bei ihrem zum Corona-Apokalyptiker mutierten Freund nicht mehr aushalten kann, aufs Land. Mit der Realität auf dem Land konfrontiert, verändert sich ihr Weltbild.

"Pantherzeit": Marica Bodrožić reflektiert Leben in der Corona-Zeit

Die poetisch-philosophischen Betrachtungen in "Pantherzeit" von Marica Bodrožić über das Leben in Corona-Zeiten zeigen, dass gute Literatur nicht nur unterhaltsam ist, sondern uns immer wieder zu neuen Ansichten über unser gegenwärtiges Leben führt. Bodrožić macht Rainer Maria Rilkes Gedicht "Der Panther" zum Kristallisationspunkt ihres umfangreichen Essays. Es ist das Gedicht zur Pandemie: Wie ein eingesperrter Panther durch die Gitterstäbe von innen nach draußen schauen zu müssen, lässt die Welt anders, klarer erscheinen. Das Buch wurde Anfang des Jahres in der NDR Kultur-Reihe "Am Morgen vorgelesen" bereits vor der Veröffentlichung vorgestellt. Im Februar ist es dann erschienen.

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Illustration zum Hörspiel "Jenseits von Eden". © Rumi Benecke

Jenseits von Eden: John Steinbecks Roman als NDR Hörspielserie

Die große amerikanische Familiensaga: John Steinbeck erzählt die Geschichte der beiden Familien Trask und Hamilton. mehr

Moderne Lyrik von Amanda Gorman und Anja Kampmann

Seit dem beeindruckenden Auftritt der 22-jährigen Poetin Amanda Gorman bei der Amtseinführung Joe Bidens spricht die ganze Welt über sie und ihr Gedicht. "The Hill We Climb" ist gerade in deutscher Übersetzung erschienen: "Den Hügel hinauf". Rund um die Veröffentlichung entstand ein großer Streit darüber, wem es erlaubt sei, die Verse der schwarzen Autorin in andere Sprachen zu übertragen. Für den Hoffmann und Campe-Verlag hat das ein dreiköpfiges Team übernommen. Nicht jeden hat die Übersetzung des kraftvollen Gedichts überzeugt und dennoch ist sie eine der meistbeachtetsten Neuerscheinungen auf dem deutschen Literaturmarkt in diesem Frühjahr.

Nach ihrem vielbeachteten Debütroman "Wie hoch die Wasser steigen", hat die Hamburgerin Anja Kampmann in diesem Jahr wieder einen Lyrikband vorgelegt. "Der Hund ist immer hungrig" ist im März beim Hanser Verlag erschienen. Die Gedichte sind stilistisch sehr reduziert, reich an historischen Bezügen und entführen mit einem rauen und zugleich sehnsuchtsvollen Klang in eine Vergangenheit in der norddeutschen Provinz. Um Kampmanns Gedichte geht es auch in der zweiten Folge des NDR Kultur Literaturpodcasts "Land in Sicht".

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Ein altes Buch liegt im Grünen auf einem Holzbrett. © photocase.de Foto: nukanute
76 Min

Bücher zwischen Liebe und Hass

Lisa Kreißler und Joachim Dicks sprechen über Lyrik. Warum lieben und hassen wir sie und wie zeigt sie den Wandel der Sprache? 76 Min

Peter Longerich über "Antisemitismus - von der Aufklärung bis heute"

Das Attentat auf die Synagoge in Halle im Herbst 2019 zeigte auf dramatische Weise, dass der Antisemitismus in Deutschland nach wie vor virulent ist. Der renommierte Münchner Historiker Peter Longerich beschreibt in seiner Geschichte des Antisemitismus die unterschiedlichen Formen der Judenfeindschaft in Deutschland über einen Zeitraum von zweieinhalb Jahrhunderten, von der Aufklärung bis heute. Für ihn stellt sich in "Antisemitismus - von der Aufklärung bis heute" die Frage: Warum sind immer wieder Juden Opfer von Diskriminierung und Gewalt? Warum wurden und werden sie nicht als gleichberechtigt akzeptiert.

"Eurotrash": Christian Krachts späte "Faserland"-Fortsetzung

25 Jahre nach seinem gefeierten Debütroman hat der Schriftsteller Christian Kracht eine Fortsetzung geschrieben. Damals irrte in "Faserland" ein namenloser Ich-Erzähler durch ein von allen Geistern verlassenes Deutschland, von Sylt bis über die Schweizer Grenze nach Zürich. In "Eurotrash" geht derselbe Erzähler erneut auf eine Reise - diesmal nicht nur ins Innere des eigenen Ichs, sondern in die Abgründe der eigenen Familie. Deren Geschichte kreuzt sich auf tragische, komische und bisweilen spektakuläre Weise immer wieder mit der Geschichte dieses Landes. Was am Anfang nach Autofiktion aussieht, erweist sich im Laufe der Erzählung immer mehr als ebenso komplexes wie äußerst amüsantes poetisches Vexierspiel. Wer anfängt die biografischen Eckdaten Krachts zu googeln, wird bald nicht mehr wissen, was Wahrheit und Lüge unterscheidet. Mit seinem neuen Werk war Christian Kracht für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert.

"Vom Aufstehen": Fast ein Jahrhundert deutscher Geschichte

Ebenfalls für den Leipziger Buchpreis nominiert war die inzwischen 80-jährige Ingeborg-Bachmann-Preisträgerin Helga Schubert. In ihrem autobiographischen Werk "Vom Aufstehen" erzählt sie von ihrem Leben "als Kriegskind, Flüchtlingskind und Kind der deutschen Teilung". Ausgedacht ist wenig in diesem Buch. Die 29 Geschichten erzählen größtenteils aus der Ich-Perspektive und blättern das Leben der Helga Schubert auf, aber auch acht Jahrzehnte deutscher Geschichte.

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Helga Schubert: "Vom Aufstehen" © dtv

NDR Buch des Monats März: "Vom Aufstehen"

In "Vom Aufstehen" erzählt Helga Schubert kurze Episoden über sich, ihre Mutter und ein Jahrhundert deutscher Geschichte. mehr

Reemtsma Sohn Johann Scheerer schildert seine Kindheit

2021 jährt sich die Entführung des Hamburger Millionärs Jan Philipp Reemtsma zum 25. Mal. Bereits vor zwei Jahren hat Reemtsmas Sohn, der Musiker Johann Scheerer, seine Erlebnisse rund um die Entführung in "Wir sind dann wohl die Angehörigen" verarbeitet. Sein neues Buch "Unheimlich nah" schildert, wie er nach der Rückkehr seines Vaters, in der ständigen Begleitung von Personenschützern aufwächst.

75. Todestag von Gerhart Hauptmann

Der literarische Gedenk-Kalender ist außerdem voll mit wichtigen Erinnerungsanlässen. Der 150. Geburtstag von Heinrich Mann wäre bereits am 27. März gewesen. Erich Fried am 6. Mai und Wolfgang Borchert hätten 6. und 20. Mai ihren 100. Geburtstag gefeiert. Weitere Gedenktage folgen: Am 6. Juni, dem 75. Todestag von Gerhart Hauptmann, am 10. Juli, dem 150. Geburtstag von Marcel Proust, und am 12. Dezember, dem 200. Geburtstag von Gustave Flaubert.

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Ein Mann liest in einem Buch. © picture alliance / Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa | Foto: Martin Schutt

NDR Sachbuchpreis 2021: Bewerbungsphase startet

Bis zum 15. August 2021 können Verlage ihre Vorschläge für den diesjährigen NDR Sachbuchpreis einreichen. mehr

Logo vom Podcast "eat.READ.sleep" © NDR/istockphoto.com Foto: Natee Meepian

Podcast: eat.READ.sleep. Bücher für dich

Mit dem Podcast eat.READ.sleep geben wir Tipps, Interviews mit Büchermenschen, Fun Facts und Besonderes für den Gaumen. mehr

NDR Kultur: Bücher zum Leben © NDR

Land in Sicht. Bücher zum Leben

Schriftstellerin Lisa Kreißler lädt ein: In ihrer Scheune in Pohle sprechen wir über Bücher, die Gegenwart, das Leben. mehr

Iris Hanika © picture alliance/dpa/Villa Massimo | Alberto Novelli

Iris Hanika gewinnt Preis der Leipziger Buchmesse 2021

Der Preis der Leipziger Buchmesse geht in diesem Jahr an Iris Hanika. Sie wird für ihr Buch "Echos Kammern" ausgezeichnet. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 03.05.2021 | 12:40 Uhr

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Chor im Grünen © picture alliance/dpa | Moritz Frankenberg Foto: Moritz Frankenberg

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