Stand: 02.11.2018 13:42 Uhr

Amy Winehouse: Intime Fotos aus ihrem Leben

Amy Winehouse. Blake Wood
von Nancy Jo Sales
Vorgestellt von Andrea Schwyzer

Der Name Amy Winehouse ruft vielfältige Erinnerungen hervor. Zum einen Erinnerungen an eine unglaublich talentierte Sängerin mit einem persönlichen Stil - den schwarzen, hochtoupierten Haaren und dem dicken Lidstrich. Zum anderen Erinnerungen an jene Amy, die betrunken und im Drogenrausch auf der Bühne herumtorkelte. Ein neuer Bildband zeigt nun Fotografien fernab der Bühne - aufgenommen von einem Freund.

Ein fotografisches Tagebuch

Geschichte einer engen Freundschaft

Ein Tag am Strand: Cariblue Beach. Ihre rechte Hand gräbt sich durch die feuchten Sandkörner. Fokussiert, aber unangestrengt beobachtet sie dabei ihre Finger. Um den Hals eine Kette, Tattoos an den Oberarmen, im Hintergrund Palmen, leicht verschwommen. Durch die von Wind und Salzwasser gelockten, dunklen Haare weht der Wind.

Ein überaus intimes Bild von Amy Winehouse. Sängerin. Stilikone. Hier ganz privat. Eine andere Fotografie aus der gleichen Serie zeigt Amy auf dem Boden liegend - rückwärts in den Sand gefallen. Die Augen geschlossen, den Mund leicht geöffnet. Als wäre sie bereits tot.

Bei der Entziehungskur begleitet

Die Bilder entstanden 2009. Amy lebte - nahm sich eine mehrmonatige Auszeit vom Rummel um ihre Person. Eine Entziehungskur auf der karibischen Insel St. Lucia. Mit dabei: der Fotograf Blake Wood. Er war zu jener Zeit ein enger Freund von Amy Winehouse.

"Warte, ich möchte wie ein Pin-up-Girl posieren", sagte sie eines Tages. Cool, das Polaroid, das Blake Wood von ihr geschossen hat. Auf einem Felsen: enge Jeans, Bikini-Top, den Blick in die Ferne gerichtet. Im Hintergrund brechen die Wellen. Blake fotografierte Amy konzentriert beim Training am Trapez, ausgelassen auf einem Pferd am Strand entlang reitend, oben ohne im Liegestuhl, die Sonne aufsaugend.

Erinnerungen an eine großartige Sängerin

Doch wie kommt er dazu? Wer ist dieser Blake Wood eigentlich? Im Bildband wird seine Geschichte mit Amy erzählt. Man erfährt, wo sie sich kennengelernt haben:

"Bei Kelly Osborne zu Hause im Londoner Westen. Amy kam die Treppe runter - im Trainingsanzug, mit blond gefärbten Haaren und dem typischen Katzenaugen-Lidstrich. Eine Hammerfrau." Leseprobe

Man erfährt, wo sie gewohnt haben:

"Amy bewohnte die beiden oberen Stockwerke eines Reihenhauses, das am Ende einer bewachten Wohnanlage in Camden Town versteckt lag. Ich zog ins Dachkämmerchen mit Blick auf den Hinterhof." Leseprobe

Man erfährt etwas über ihre Beziehung:

"Wir haben oft zusammen in einem Bett geschlafen. Viele fragten sich, ob wir mehr als nur Freunde sind. Ihr Mann, der auch Blake hieß, machte sehr deutlich, dass er mich nicht um sie haben wollte, obwohl unsere Freundschaft platonisch war." Leseprobe

Dokumentation einer gemeinsamen Zeit

Am 23. Juli 2011 starb Amy Winehouse in ihrer Londoner Wohnung. Sie hinterließ zwei der wichtigsten Alben der neueren Musikgeschichte. Blake hatte eine Handvoll der intimsten Bilder fotografiert, die es von ihr gab - so heißt es im Buch.

Diese "Handvoll" beschränkt sich auf einige Fotosessions. So hat man beim Durchblättern der rund 170 Seiten auch ständig das Gefühl, das Foto weiter vorne schon einmal gesehen zu haben. Klar, da sind einige tolle, unverblümte Aufnahmen dabei. Wenn Amy etwa in ihrer Wohnung am Schlagzeug sitzt und spielt, unter dieser holzverschlagenen Dachschräge. Nicht für ein Publikum spielt - sondern für sich. Kraft- und gefühlvoll, ins Spiel versunken. Ohne an die Paparazzi zu denken, die vor der Wohnungstür lauern.

Diese Bilder kommen einem fotografischen Tagebuch nahe. Und das ist es auch: Eine Art persönliches Erinnerungsbuch von Blake Wood. Es kann den Leser aber nie so berühren wie den Fotografen selbst.

Amy Winehouse. Blake Wood

von
Seitenzahl:
176 Seiten
Genre:
Bildband
Zusatzinfo:
Hardcover, 21 x 27,5 cm - mehrsprachige Ausgabe: Deutsch, Englisch, Französisch
Verlag:
Taschen Verlag
Bestellnummer:
978-3-8365-7103-6
Preis:
30,00 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 04.11.2018 | 17:40 Uhr

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