Stand: 17.03.2018 14:40 Uhr

Porträts von Marilyn Monroe

von Annkathrin Bornholdt

Sie verkörperte die naive Blondine, die freche Verführerin und gilt auch heute noch als Sex-Ikone des 20. Jahrhunderts: Norma Jeane Baker - besser bekannt natürlich als Marilyn Monroe. Die erfolgreiche Hollywood-Schauspielerin gilt als die am meisten fotografierte Frau der Welt. Ein Bildband mit zum Teil bisher nie gezeigten Aufnahmen des Star-Fotografen Milton Greene gibt Einblicke in die unvermutete Wandlungsfähigkeit dieser Frau.

Schnappschüsse und authentische Porträts

Im hellen Kaschmir-Trenchcoat und mit einem gepunkteten Seidentuch um den Hals sitzt Marilyn Monroe lässig auf einem Stuhl, das eine Bein überschlagen. Sie lächelt, hat den Blick Richtung Tischplatte gesenkt. Die linke Hand ruht auf ihrem Knöchel, um den sie einen Verband trägt. Die Sex-Ikone mit verstauchtem Fuß. Das Schwarz-Weiß-Foto gehört zu einer Reihe von Schnappschüssen, die Milton Greene 1953 von Marilyn Monroe machte. Dazu gehört auch ein Bild, in dem die Schauspielerin versonnen in die Kamera blickt. Die Aufnahme ist grobkörnig und etwas unscharf, die abgebildete Frau wunderschön. Sie wirkt authentisch - verletzlich.

"Marilyn liebte die Kamera, und die Kamera liebte sie. Sie gab ihr alles - Glück, Traurigkeit, Verwundbarkeit - und die Bilder spiegeln das wider. Viele Menschen haben im Lauf der Jahre versucht, Marilyn zu kopieren, aber niemand ist ihr auch nur ansatzweise nahegekommen", schreibt der Fotograf Douglas Kirkland in seinem Vorwort zu diesem Buch. Ja, die Kamera ist aus Marilyn Monroes Leben nicht wegzudenken.

Großes Vertrauen zum Fotografen

Sie war für sie Fluch und Segen zugleich, denn die Öffentlichkeit sah sie nur durch diese Kamera, oft in Pin-Up-Posen, mit knallroten Lippen, einem makellosen Teint und den wasserstoffblonden, perfekt gewellten Haaren. Sie prägte das Image der naiven Blondine, sie litt aber auch darunter. Ihr Erscheinen war Ausdruck eines überwiegend männlichen, vom klassischen Rollenbild dominierten Blicks, der die damalige Film- und Modebranche prägte. Wenn man sich die Bilder heute - in Zeiten der #MeToo- und Gender-Debatten - anschaut, wird das einmal mehr deutlich.

Milton Greene war mit Marilyn Monroe befreundet. Er half ihr, sich aus den Knebelverträgen mit dem Filmgiganten 20th Century Fox zu lösen und eine eigene Produktionsfirma zu gründen. Ihm vertraute sie offensichtlich. Gemeinsam probierten sie unterschiedliche Settings und Rollen aus. In Greenes Gegenwart konnte Monroe ihre Wandlungsfähigkeit unter Beweis stellen. Ob mit Sofakissen, Schoßhündchen oder Sägebock, vor schroffen Felsen, im Bademantel oder in Mieder und Netzstrümpfen. Das Team Greene-Monroe hatte offensichtlich Spaß am Experimentieren.

Viele bisher unveröffentlichte Fotos

Ein schlichter, grauer, bodenlanger Leinenrock, dazu eine weite dunkle Stoffbluse. 1954 lässt sich Marilyn Monroe von Greene als Bäuerin in der Filmkulisse für ein französisches Dorf fotografieren. Sie lehnt sich burschikos an einen Türrahmen und trinkt mit geschlossenen Augen aus einer Weinflasche.

Auf einer anderen Aufnahme posiert sie verführerisch in einem weißen Ballerina-Kleid - das allerdings zu klein und daher an einer Seite offen ist. Sie geht locker damit um und setzt den offenen Reißverschluss humorvoll und gekonnt in Szene.

284 Bilder, davon 154 bisher unveröffentlichte, haben es - dank umfangreicher digitaler Restaurierungsarbeit - ins Buch geschafft. Nicht alle sind technisch perfekt, aber das war auch gar nicht das Ziel dieses faszinierenden Bildbandes, schildert Greenes Sohn Joshua, der Herausgeber des Buches: "Ich wollte die fotografischen Talente meines Vaters herausstellen und Bilder auswählen, die die Welt begeistern würden. Es ging um die Erfüllung emotionaler Bedürfnisse - weniger darum, technisch mangelhafte Bilder auszusortieren."

Ungeschminkte Lebensfreude

Im Kopf bleiben einem vor allem fünf Fotografien, die im Sommer 1955 in einem privaten Pool entstanden. Die einzigen, in denen man Monroe ungeschminkt sieht, mit nassen Haaren, leicht gebräunter Haut und Sommersprossen - so schön, lebensfroh, sympathisch und unbeschwert.

Was wäre gewesen, wenn sie nicht auf so tragische Weise im Alter von 36 Jahren an einer Überdosis Schlafmittel gestorben wäre? Vielleicht hätte sie endgültig den lang ersehnten Wechsel ins sogenannte Charakterfach geschafft und wäre nicht als die ewige Klischee-Blondine in die Geschichte eingegangen. Man hätte es ihr so gewünscht.

Marilyn Monroe 50 Sessions

von Milton H. Greene, herausgegeben von Joshua Greene, aus dem Englischen von Maria Zettner
Seitenzahl:
360 Seiten
Genre:
Bildband
Zusatzinfo:
33.0 x 33.0 cm, gebunden mit SU, mit 400 farbigen Abbildungen
Verlag:
Knesebeck Verlag
Bestellnummer:
978-3-95728-148-7
Preis:
60,00 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 18.03.2018 | 17:40 Uhr

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