Stand: 10.10.2017 18:13 Uhr

Lasst uns reden über Europa!

Bei der Frankfurter Buchmesse ist in diesem Jahr Frankreich das Partnerland. Dessen Präsident Emmanuel Macron kam zur Eröffnung der Messe, die er gemeinsam mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) durchführte. Schon jetzt ist klar: Die Messe wird ganz im Zeichen von Europa stehen. Auch die Jury des Deutschen Buchpreises hatte mit der Auszeichnung des Autors Robert Menasse ein klares Zeichen für Europa gesetzt. Sein Buch "Die Hauptstadt"- ist ein Plädoyer für Europa und gegen nationalen Egoismus.

Ein Kommentar von Simone Thielmann, Westdeutscher Rundfunk

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Zwei, die fest für die europäische Idee stehen: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Lasst uns reden über Europa, mes chers amis, denn es ist ernst. Und es ist dringend. Staatspräsident Emmanuel Macron hat die Diskussion über die EU eröffnet. Und er wird sie vermutlich hartnäckig weiterführen. Nun trägt er sie als Eröffnungsredner auf die Buchmesse.

Ein starkes Signal, das dem weltgrößten Literaturtreffen politische Bedeutung wie selten verleiht. Die ewig zögernde Kanzlerin Angela Merkel hat ihm zuhören müssen. Gut so. Genauso wie eine Hundertschaft prominenter Denker und Intellektueller aus Deutschland, Europa und der Welt.

Nationale Eitelkeiten überwinden

Ganz ähnlich am Montagabend: Da haben sie ebenfalls alle zuhören müssen - dem frisch gekürten Buchpreisträger nämlich: Robert Menasse. Sein Roman "Die Hauptstadt" ist - wenn man so will - der erste EU-Roman der Literaturgeschichte. Und er erzählt von dem, was schief läuft in Brüssels Kommissionsbüros, aber eben auch von dem, wofür Europa einst gegründet wurde: für Frieden und gegen den Krieg, als supra-nationales Gebilde, das die nationalen Eitelkeiten überwinden will.

Wie sehr wir das vergessen haben, das beweisen all die spalterischen und nationalistischen Tendenzen allerorten, in Katalonien, Ungarn oder Großbritannien. Menasses Roman arbeitet gegen diese Vergesslichkeit an.

Ein ermutigendes Zeichen

Und Europa ist angekommen auf der Buchmesse. Etwas unvermittelt, aber dafür umso kraftvoller. Passend dazu präsentiert der diesjährige Ehrengast in seinem Pavillon lieber kulturelle Gemeinsamkeiten als nationale Eitelkeiten. Kein stolzgeschwelltes Frankreich, sondern das Französische als völkerverbindende Sprache, die in vielen Teilen der Welt gesprochen wird. Kein Blanc-bleu-rouge, sondern deutsch-französische Gemeinschaft.

Robert Menasse, Emmanuel Macron, es gibt sie eben doch noch, die Europa-Visionäre, die lange nicht aufgegeben haben. Der Frankfurter Buchmesse drücken sie in diesem Jahr ihren Stempel auf. Ein ermutigendes Zeichen, das beweist, dass die Idee Europa noch lange nicht ausgehaucht hat. Ja, lasst uns reden, liebe Franzosen, liebe Europäer. In Frankfurt oder wo auch immer.

 

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Deutscher Buchpreis geht an Robert Menasse

Für den Roman "Die Hauptstadt" erhält Robert Menasse den Deutschen Buchpreis 2017. Das Buch des Österreichers gilt als weltweit erster EU-Roman und ist eine böse Satire auf Brüssel. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kommentare | 10.10.2017 | 17:08 Uhr

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