Stand: 01.01.2018 06:00 Uhr

Joachim Król liest "Der erste Mensch" von Camus

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Joachim Król hat polnische Wurzeln - und liest ab Januar im Altonaer Theater Albert Camus.

Der Schriftsteller Albert Camus fasziniert den Schauspieler Joachim Król. Der 1960 verstorbene Camus wuchs in einer Familie von Analphabeten in Nordafrika auf und wurde zu einem der wichtigsten europäischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Ab dem 6. Januar liest Król im Altonaer Theater aus Camus' postum veröffentlichtem, unvollendeten Roman "Der erste Mensch". Im NDR Interview spricht Król über Camus und den Karriere-Glücksfall "Der bewegte Mann".

Wie sind Sie auf Albert Camus gestoßen?

Joachim Król: Der Roman "Der erste Mensch" ist erst 1994 verlegt worden. Es ist der letzte Text Camus'. Das Manuskript ist in dem Unfallwagen, in dem er zu Tode gekommen ist, gefunden und lange von den Nachlassverwaltern zurückgehalten worden. Es ist der aktuellste Camus. Wir wollen das Publikum mit auf eine Reise nehmen. Wir haben das Ensemble um Musiker erweitert, die das nordafrikanische Instrumentarium beherrschen.  

Was lernt man bei Camus?

Król: Vordergründig ist das eine gewaltige Metapher über die Wichtigkeit von Bildung. Aber wie jede große Literatur ist das vielschichtiger. Sein Weg von einer Umgebung, die nicht lesen und schreiben konnte, bis zum gefeierten Literaten war ein permanenter Konflikt in Camus' Biographie. Er kam nicht aus einem bildungsbürgerlichen Haushalt, er hat diesen Kosmos für sich entdeckt. Es gab einen Moment, wo er sagt: "Da wusste ich, dass mir alle Türen offen stehen und dass ich alles erreichen kann." Der Schlüssel war die Bildung. In dem Buch reflektiert er über die Bildungsbürgersprösslinge und sieht, dass die alle Fotoalben haben und Erinnerungsstücke auf dem Dachboden besitzen. Er sagt, in seinen Kreisen habe man das nicht gehabt. Er hatte keine Fotos und Erinnerungsstücke von Vorfahren. So gesehen war jeder, der ihm aus seiner Familie begegnete, der erste Mensch. Das ist ein großartiges Bild für vieles, was uns heute begegnet.

Joachim Krol. © NDR/Uwe Ernst Fotograf: Uwe Ernst

Das Interview zum Nachhören

Der Schauspieler Joachim Król steht im Altonaer Theater mit der Geschichte Albert Camus' auf der Bühne. Im Interview erklärt er, wie ihn der "Tatort" und "Der bewegte Mann" geprägt haben.

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Bei Joachim Król denken viele an den Tatort, an den Hauptkommissar Frank Steier, oder auch noch an Norbert Brommer aus dem "Bewegten Mann" - das ist schon 23 Jahre her. Wie ist das, wenn solche Rollen hängen bleiben und zu Schubladen werden, in denen man steckt? 

Król: "Der bewegte Mann" war für alle Beteiligten ein Glücksfall Wir hatten damals mehr als acht Millionen Zuschauer im Kino. Der Film ist unendlich oft im Fernsehen wiederholt worden. Dieses Publikum begleitet mich. Die sind mir treu geblieben und mit mir älter geworden. Das ist keine Schublade. Nehmen Sie Norbert Brommer aus dem "bewegten Mann" und daneben Frank Steier aus dem Tatort: Wie viele Schubladen soll der Schrank denn haben?  

Król ist polnisch und heißt König. Sie haben polnische Vorfahren. Ein Rest ist der Akzent auf dem "o" Ihres Nachnamens, den Sie schreiben, aber nicht sprechen. Wie viel in Ihnen ist noch polnisch?

Król: Ich habe in Polen Filme gedreht und mich durchaus im Straßenbild wiedergefunden. Es gab auch einen sehr komischen Moment: Ich hatte einen Nachmittag frei, ging in Warschau über eine große Straße, und mir kam eine deutsche Schulklasse entgegen. Als sie auf meiner Höhe waren, höre ich ein Mädchen zu seiner Freundin sagen: "Guck mal, der Trottel sieht aus wie der Król!" Ich habe viele polnische Freunde. Als ich mit Krzysztof Zanussi Filme gemacht habe, habe ich in Warschau und Krakau tolle Partys gefeiert.

Sprechen Sie auch Polnisch?

Król: Leider nicht. Aber man hat mir gesagt, dass ich am Ende dieser Partys komplizierteste polnische Zungenbrecher nachsprechen konnte. Ich habe mich am nächsten Morgen an nichts erinnert, aber offensichtlich steckt der Pole noch in mir. 

Das Interview führte Daniel Kaiser.

Programmtipp
15:03
NDR Info

Existenzialist und Philosoph des Absurden

07.11.2013 20:15 Uhr
NDR Info

Am 7. November 1913 wurde der französische Schriftsteller Albert Camus geboren. Bücher wie "Der Fremde" oder "Die Pest" machten ihn weltberühmt. Audio (15:03 min)

Joachim Król liest "Der erste Mensch" von Camus

Joachim Król erzählt ab dem 6. Januar im Altonaer Theater vom Phänomen Albert Camus. Im Interview spricht der Schauspieler über Camus und den Karriere-Glücksfall "Der bewegte Mann".

Art:
Lesung
Datum:
Ende:
Ort:
Altonaer Theater
Museumstr. 17
22765  Hamburg
Telefon:
Tel (040) 39 90 58 70
E-Mail:
tickets@altonaer-theater.de
Preis:
von 18 bis 40 Euro
Öffnungszeiten:
Öffnungszeiten der Tageskasse:
Mo bis Sa 10 - 19 Uhr; Mi. 10 - 18 Uhr 
Die Abendkasse öffnet eine Stunde vor Vorstellungsbeginn.
Hinweis:
Joachim Król & l’Orchestre du Soleil: Der erste Mensch nach Albert Camus
Die unglaubliche Geschichte einer Kindheit
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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 28.12.2017 | 19:00 Uhr

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