Sendedatum: 07.11.2019 15:55 Uhr

Graphic Novel: Die Geschichte des Boxers Griffith

Knock out
von Reinhard Kleist
Vorgestellt von Elise Landschek

Reinhard Kleist ist einer der bekanntesten Comic-Künstler Deutschlands. Seine gezeichneten Biografien über Fidel Castro, Johnny Cash und Nick Cave sind Bestseller. Mit seinem neuesten Band "Knock Out" porträtiert er den US-Boxer Emile Griffith (1938 - 2013), der wegen seiner Homosexualität immer wieder angegriffen wurde - und zurückschlug. Mit katastrophalen Folgen.

Im März 1962 stehen sich die Profiboxer Emile Griffith und Benny Paret im New Yorker Madison Square Garden im Ring gegenüber. Es geht um den Weltmeistertitel. Was Emile Griffith da noch nicht weiß: Dieser Kampf wird sein Leben verändern.

Zeichnungen aus der Graphic Novel "Knock out"

Zu Beginn von Runde 12 beschimpft Paret seinen homosexuellen Gegner als Schwuchtel. Griffith sieht rot: Er prügelt wie besinnungslos auf Paret ein, bis dieser nicht mehr aufsteht. Zehn Tage später stirbt Paret an den Verletzungen. Comiczeichner Reinhard Kleist lässt Paret dreißig Jahre später als Geist wiederauferstehen. Ihm erzählt der inzwischen gealterte Emile Griffith seine Lebensgeschichte.

Es geht um Schuld, Vergebung und Vergessen

"Es hat ganz viel damit zu tun, dass Griffith nach diesem schicksalhaften Kampf seinen Gegner immer irgendwo gesehen hat. Dass er sich auch nicht mehr im Spiegel angucken konnte. Eigentlich geht es bei der Beziehung zwischen den beiden Figuren um das Thema Schuld, Vergebung und Vergessen", sagt Comic-Künstler Reinhard Kleist.

Homosexuell zu sein und gleichzeitig Profisportler, das ist bis heute noch ein Tabu. In den 50er- und 60er-Jahren muss es unerträglich gewesen sein, besonders für Griffith, denn er ist schwarz und wird schon deshalb häufig angefeindet. Doch bis auf seinen einen großen Ausraster meistert Emile Griffith sein Leben mit fast schon naiver Fröhlichkeit. Er tanzt gern und wäre sowieso eigentlich lieber Ping-Pong-Profi geworden als Boxer. Diese Widersprüchlichkeit habe einen Sog auf ihn ausgeübt, sagt Reinhard Kleist.

Griffith: Einer der erfolgreichsten Boxer der Geschichte

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Comic-Zeichner Reinhard Kleist hat auch schon Biografien über Fidel Castro, Johnny Cash und Nick Cave gezeichnet.

"Wenn man sich mit Emile Griffith beschäftigt, wird man von einem Extrem ins andere geworfen", erklärt Kleist "Er war einer der erfolgreichsten Boxer der Geschichte, als Killer verschrien und hat dann auch noch nebenbei Damenhüte designt. Das fand ich so faszinierend bei diesem Kerl: In dem Moment, in dem man versucht, ihn zu greifen, macht er wieder etwas ganz anderes."

Mit zarten, aber trotzdem virtuos gesetzten, rein schwarz-weißen Tusche-Strichen zeichnet Kleist das Leben des Boxchampions nach. Jede Mimik, jede Bewegung, jeder Lichteinfall und jeder Schattenwurf stimmt. "Ich muss ja sagen, ich bin vorher kein Box-Fan gewesen, wollte mich aber in den Zeichnungen der Realität nähern", sagt Reinhard Kleist. "Ich habe mich dann ein paar Mal in Boxkämpfe gesetzt und Skizzen gemacht - und seitdem nicht aufgehört. Das macht totalen Spaß und ist auch eine zeichnerische Übung."

Spannend wie ein Krimi

Die Geschichte liest sich spannend wie ein Krimi und ist extrem lebendig. Man meint beim Anschauen der Bilder fast die Musik eines Tanzabends in den 60ern und den Jubel der Zuschauer bei den Boxkämpfen zu hören. Trotzdem bleibt das Thema des Comics natürlich ein ernstes. Er habe schon immer mal ein Buch über eine schwule Biografie machen wollen, um auch ein Zeichen gegen Diskriminierung zu setzen, sagt Kleist. "Natürlich möchte ich mit der Geschichte auch dazu beitragen, dass mehr darüber nachgedacht wird, dass jeder seinen Lebensstil so führen kann, wie er es möchte."

Knock out

von
Seitenzahl:
160 Seiten
Genre:
Graphic Novel
Verlag:
Carlsen
Bestellnummer:
978-3-551-73363-4
Preis:
18,00 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 07.11.2019 | 15:55 Uhr

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