Stand: 10.12.2018 10:00 Uhr

Mein Leben unter Pinguinen

Unverfrorene Freunde
von Klemens Pütz und Dunja Batarilo
Vorgestellt von Annemarie Stoltenberg
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Der Forscher Pütz beschreibt die Pinguine, ohne sie dabei zu verniedlichen.

Klemens Pütz ist der Name eines Meereszoologen, der seit dreißig Jahren Pinguine erforscht. Er schätzt sie inzwischen so sehr, dass er in der Nähe der Falklandinseln kleine unberührte Inseln erworben hat, um geschützten Lebensraum für Pinguine zu erhalten. Nun hat er ein Buch über seine Schützlinge geschrieben mit dem Titel "Unverfrorene Freunde" - ein Weihnachtsgeschenk für große und kleine Naturforscher und Tierfreunde.

Faszinierende Beobachtungen

Das Buch von Klemens Pütz über diese "unverfrorenen Freunde" zeichnet sich dadurch aus, dass er sie nicht verkitscht und verniedlicht, sondern seine wissenschaftlichen Beobachtungen beschreibt. Die allerdings sind so schön erzählt, dass es eine große Freude ist, das Buch zu lesen. Feldforschung, so wie er sie betreibt, erzählt Klemens Pütz, sei mühsam und anstrengend. Pinguine sehen auf Fotos entzückend aus, aber:

Eine Pinguinkolonie riecht wie Fischmarkt am Abend, nur dreimal so schlimm. Ich bekomme Ehekriege, Prostitution und Gewalt zu sehen und Karateschläge zwischen die Beine. Die Narben an meinen Händen weisen mich als Ornithologen aus - Pinguinschnäbel sind scharf - und das Geschrei Zehntausender Brutpaare geht über die Jahre auf die Ohren. Und doch kann ich mir keinen besseren Beruf vorstellen. Meine Arbeit bringt mich an die frische Luft, darüber hinaus ist sie häufig zum Brüllen komisch: Wenn Königspinguine ihren Pubertätsrappel kriegen, lache ich mich kringelig. Im Teenageralter sehen sie aus wie kuschelige Kaffeewärmer, und wenn sie flügge werden, bekommen sie oft absurde Anfälle. Leseprobe

Pinguine zeigen Mängel im Ökosystem an

Klemens Pütz versucht, die Tiere natürlich nicht zu vermenschlichen, sondern ihr Verhalten nüchtern zu beobachten und zu beschreiben. Er ist Wissenschaftler. Aber Pinguine sind faszinierende Wesen. Sie schliddern in unserer behüteten Welt dekorativ Eisberge herunter, bevölkern Kinderbücher, Tassen, Servietten oder Ähnliches, sie tragen dort Schals und wirken einfach unwiderstehlich putzig.

Aber die realen Varianten sind eben nicht nur niedlich, sagt Klemens Pütz: "Sie haben uns einiges zu sagen. Sie leben unter extremen Bedingungen und vollbringen Anpassungsleistungen, von denen wir Menschen nur träumen können, sowohl an Land als auch im Wasser. Ändert sich an diesen Bedingungen etwas, zeigen uns das die Pinguine sofort. An ihnen sehen wir, wo es klemmt in einem Ökosystem, auf dessen Erhalt auch wir Menschen angewiesen sind."

Spannende Beobachtung des Paarungsverhaltens

Pinguine, schreibt der Meereszoologe Pütz, leben in zwei Welten. An Land kommen sie eigentlich nur zur Familiengründung. Auch die Beobachtung des Paarungsverhaltens kommt in seinem Buch effektvoll zur Geltung. Es wird beknabbert und liebkost:

Diese Umarmung ist bei den Eselspinguinen besonders ausgeprägt. Sie sind die Latin Lovers unter den Pinguinen. Theatralisch heben sie die bebenden Flügel, umfassen damit den Körper ihrer Gattin und streichen ihr dabei beständig über die Rückenfedern. Ist das Werk vollbracht, steigt der Göttergatte vorsichtig wieder ab, läuft um seine Liebste herum, hält inne, schaut ihr tief in die Augen und verbeugt sich tief. Leseprobe

Was will man mehr? Hier ist nicht der Raum, um über Aufzucht des Nachwuchses zu erzählen oder die finsteren Seiten, die es im Sozialverhalten der Pinguine - bis hin zu Vergewaltigungen - leider auch gibt. Das alles ist in diesem Buch zum Wundern und Bestaunen versteckt. Der Kampf um den Lebensraum der Tiere und die Mühen ihrer Erforschung ebenso. Für alle Forscher und wissensdurstigen Seelen von 9 bis 99.

Unverfrorene Freunde

von
Seitenzahl:
272 Seiten
Genre:
Sachbuch
Verlag:
Ullstein
Bestellnummer:
978-3-550-05034-3
Preis:
20,00 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue Bücher | 11.12.2018 | 12:40 Uhr

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