Buchcover: Katajun Amirpur: Khomeini - Der Revolutionär des Islam © C. H. Beck Verlag

Katajun Amirpur legt Biografie über Ayatollah Khomeini vor

Stand: 08.04.2021 19:56 Uhr

Die Islamwissenschaftlerin Katajun Amirpur hat eine erste umfassende Biografie über Ayatollah Khomeini auf Deutsch geschrieben. "Khomeini - der Revolutionär des Islams", lautet der Titel.

Buchcover: Katajun Amirpur: Khomeini - Der Revolutionär des Islam © C. H. Beck Verlag
Beitrag anhören 5 Min

von Bita Schafi-Neya

Kein anderer hat die islamische Welt so verändert und geprägt wie Ayatollah Khomeini. Dennoch ist kaum etwas über den geistlichen Führer bekannt. Privat lebte er zurückgezogen und bescheiden - ein Leben im Luxus war ihm fremd. Wer aber war jener Khomeini, der den Schah stürzte, die Opposition anführte und danach Iran weitgehend beherrschte?

Der Wunsch auf eine bessere Zukunft

"Vielen in Iran erschien Khomeini wie der erwartete Imam, der nun aus der Entrüstung des Exils zurückkehrte. Jeder erwartete die Erfüllung seiner Wünsche und Träume. 'Du bist meine Seele, Khomeini', hallte es durch die ganze Stadt." Leseprobe

Katajun Amirpur © Andreas Lohmann Foto: Andreas Lohmann
Katajun Amirpur ist mit ihrer Khomeini-Biografie ein sehr interessantes und kenntnisreiches Buch gelungen.

1979 änderte sich die iranische Welt radikal. Der bis dahin regierende Schah Reza Pahlavi stürzte vom Pfauenthron und Ayatollah Ruhollah Khomeini vollendete die islamische Revolution.

Unter dem hoffnungsvollen Jubel des iranischen Volkes kehrte Khomeini nach 15 Jahren im Exil nach Teheran zurück. Seit Mitte der 1970er-Jahre steckte das Land in einer tiefen ökonomischen Krise. Noch aus dem Exil versprach Khomeini den Menschen Arbeit und scharrte - neben der tiefreligiösen Landbevölkerung - eine große Anzahl von Anhängern in den Städten um sich. Doch der Wunsch auf eine bessere Zukunft erfüllte sich für viele Iraner nicht. Khomeini setzte dieselben repressiven Methoden ein, die das Volk auch schon während der Schah-Zeit anprangerte.

Auf Konfrontationskurs mit dem Schah-Regime

Das Buch erzählt das Leben des Mannes, der 1902 in einem 2.000-Seelen-Dorf als Sohn eines Klerikers geboren wurde. Bereits mit 16 Jahren ließ er sich zum Geistlichen ausbilden. 18 Jahre später wurde er Ayatollah. Der Geistliche ging schon früh auf Konfrontationskurs mit dem Schah-Regime, dem er jegliche Legitimität absprach. "Dem Schah hat er vor allem vorgeworfen, dass er den Frauen das Wahlrecht geben wollte, was er dann auch getan hat", erzählt Autorin Katajun Amirpur. "Sie haben es in der Tat früher bekommen, als beispielsweise die Schweizer Frauen. Die Landreform hat er als unsinnige Politik kritisiert, und in der Tat hat er damit Recht behalten. Denn die Parzellen, die die Bauern zugerechnet bekommen haben, nachdem man die Großgrundbesitzer enteignet hat, waren so klein, dass sie für die Bauern nicht zum Überleben reichten."

Der Beginn der Islamischen Revolution

Katajun Amirpur erzählt chronologisch und spannend, wie die Islamische Revolution schon in frühen Jahren ihren Lauf nahm. So liege ihr Ursprung in Kerbela, der heiligen Stadt, wo Hussein begraben ist. Dieser Sohn Alis und Enkel Mohammeds gilt den Schiiten als Sinnbild des Guten und Gerechten, weil er sich einer aussichtslosen Schlacht geopfert haben soll. Seit seinem Tod 680 in einem Massaker nahe Kerbela wird Hussein als wichtigster Märtyrer betrachtet: 

"Jedem Schiiten gilt seit Kerbela der Kampf gegen Tyrannei und Ungerechtigkeit als eine religiöse Pflicht. Vor diesem Hintergrund ist das Eintreten der Geistlichen für die Konstitutionelle Bewegung unschwer als religiöse Unabdingbarkeit zu erkennen. Kein historisches Ereignis der schiitischen Geschichte kann verstanden werden, wenn man sich Kerbela nicht vergegenwärtigt. Das gilt besonders für die iranische Revolution 1979: Ayatollah Khomeini hatte den Schah bereits 1963 in einer berühmt gewordenen Rede, die von manchen als der Beginn der revolutionären Bewegung Irans gesehen wird, als Yazdi bezeichnet, der sich in allen Schiiten versündige." Leseprobe

Ayatollah Khomeini: eine schwer zu fassende Persönlichkeit

Bis heute zieren Häuserwände in den Straßen Teherans Bilder von dem stets zornig guckenden Ayatollah mit seinem langen Bart und Turban auf dem Kopf. Doch wie es in seiner Seele aussah, was für ein Mensch er war, darüber ist wenig bekannt. Denn Khomeini machte über seine Person stets wenig Aufsehen, lebte wie in einem Kokon zurückgezogen. Umso erstaunlicher ist in der Biografie zu lesen, dass Khomeini - trotz seiner scheinbar emotionslosen Art - ein empfindsamer Dichter war, der Liebesgedichte schrieb. "Es gibt einige Beispiele, wo er sehr emotionslos reagiert hat", sagt Katajun Amirpur. "Sein ältester Sohn ist wahrscheinlich durch ein Attentat des iranischen Geheimdienstes umgekommen, und als man ihm diese Nachricht überbrachte, sagte er: 'Wir sind alle von Gott und zu ihm kehren wir zurück. Und jetzt alle wieder an die Arbeit, Leute.' Da denkt man: 'Was für ein Eisblock!' Aber wenn man seine Liebesgedichte liest, denkt man, dass das doch ein sehr gefühlvoller Mensch ist. Jemand, dem Emotionen alles andere als gleich waren und der diese Emotionen in einer sehr schönen persischen Sprache ausdrücken konnte."

Katajun Amirpur ist mit dieser Khomeini-Biografie ein sehr interessantes und kenntnisreiches Buch gelungen. Es zeichnet ein Bild von einer schwer zu fassenden Persönlichkeit und hilft gleichzeitig, die Ereignisse rund um die iranische Revolution besser zu verstehen.

Khomeini - Der Revolutionär des Islam

von Katajun Amirpur
Seitenzahl:
352 Seiten
Genre:
Biografie
Verlag:
C.H. Beck
Bestellnummer:
978-3-406-76873-6
Preis:
26,95 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Freitagsforum | 09.04.2021 | 15:20 Uhr

Mehr Kultur

Ein Musiker spielt auf einem Saxophon. © picture alliance Foto: Hauke-Christian Dittrich

Jazz in Hannover: Nicht mehr wegzudenken

Zehn Jahre lang hat das Team der Jazzmusiker Initiative Hannover daran gearbeitet, den Jazz in der Stadt zu etablieren - mit Erfolg. mehr