Kat Menschik und Mark Benecke: "Illustrirtes Thierleben" (Buchcover) © Galiani Berlin

Kat Menschik und Mark Benecke: "Illustrirtes Thierleben"

Stand: 28.12.2020 10:06 Uhr

Mark Benecke ist Biologe, Kriminal-Biologe. Wer ihn schon einmal erlebt hat, wird sich garantiert daran erinnern, wie leidenschaftlich er über Tiere spricht.

von Claudia Ingenhoven

Auch über solche, die andere eklig finden, Maden und Insekten zum Beispiel. Vor Jahren haben seine Untersuchungen zur Verurteilung des Pastors Klaus Geyer geführt, der leugnete, seine Frau ermordet zu haben. Jetzt hat Benecke zusammen mit der Zeichnerin Kat Menschik ein Buch veröffentlicht: Kat Menschiks und Mark Beneckes illustrirtes Thierleben.

Erstaunliche Fakten über unsere Haustiere

Das werden Hundefreunde nicht glauben wollen: Ihr Hund guckt gar nicht schuldbewusst, wenn er die Wurst geklaut hat. Sein Blick von unten nach oben, der schräggestellte Kopf, das ist kein Eingeständnis. Mark Benecke hat sich in zahlreiche Studien vertieft, die das vermeintlich schlechte Gewissen von Hunden untersucht haben. Egal, ob sie verbotenerweise die Wurst gefressen hatten oder nicht, sie guckten immer gleich.

Die Hunde erkannten die Stimmung des Menschen. Den niedergeschlagenen Blick haben sie nur gelernt. Denn wenn ein Hund für Menschenaugen schuldig, also mit gesenktem Kopf von unten zu seinem Menschen schaut, sorgt das für Milde beim Schimpfenden. Genau das und sogar nur das wollen Hunde: ihrem Herrchen oder Frauchen gefallen. Leseprobe

Kat Menschik hat die Hunde gezeichnet. Kleine, große, zottelige, kurzhaarige - alle mit Tusche und Feder aufs Blatt gebracht und am Computer bearbeitet. Sie kannte Mark Benecke aus seinem Radio-Podcast und hat ihm dieses gemeinsame Buch vorgeschlagen.

Eine ungewöhnliche Ansammlung von Wissen

Das Inhaltsverzeichnis folgt keiner tierkundlichen Systematik, sondern allein Beneckes Neugier. Auf Möpse folgen Alexandersittiche, auf Glühwürmchen Stare. Benecke will wissen, warum Tiere sich in einer bestimmten Weise entwickelt haben, besonders, wenn sie sich von ihren Artgenossen unterscheiden. Er zitiert aus jahrhundertealten Biologie-Büchern und misst die Erkenntnisse an aktueller Forschung.

Mit Hochachtung schreibt er über seine frühen Kollegen, weil sie ohne digitale Messtechnik, allein durch genaues Beobachten und ständiges Überprüfen zu Ergebnissen kamen. Zum Beispiel über die sogenannten Pfeilstörche. Das waren Störche, die in Afrika mit Pfeil und Bogen gejagt wurden. Wenn kein lebenswichtiges Organ getroffen war, sind sie weiter geflogen mit der aus dem Gefieder ragenden Pfeilspitze. Einer wurde 1822 in der Nähe von Wismar abgeschossen, weil Wissenschaftler der Universität Rostock ihn untersuchen wollten.

Unterhaltsame Informationen auch für Laien

Die Kapitel sind höchstens zehn Seiten lang und leicht zu lesen. Man merkt, dass Benecke ein erprobter Redner ist. Er schreibt nicht für seine Forschungsgemeinde, sondern für Laien. Deshalb weiß er, dass sich sein Publikum gerne mal gruselt und ekelt, besonders wenn er über Tiere spricht, die ihm als Forensiker begegnet sind - wenn er menschliche Leichen untersucht hat, um etwas über ein Verbrechen herauszufinden. Sein ganzer Stolz war die Entdeckung zweier rotbeiniger Schinkenkäfer.

Sie hatten tiefrote, ins Bräunliche spielende Beine, die sich vom Glitzerblau nebst hauchzartem Grünstich ihrer Körperpanzerung abhoben. Ihre Fühler waren länger als bei Fliegen und verdickten sich zu kleinen Kolben, die wiederum aus Knöpfchen bestanden. Leseprobe

Wunderschöne Illustrationen ergänzen die Texte

Wer Beneckes Begeisterung für Leichen-Insekten nicht aushält, blättert einfach eine Seite weiter zur prächtigen blaugrünen Zeichnung des Schinkenkäfers, wie Kat Menschik ihn sieht. Den Einband des Buches hat sie wie ein Wimmelbild gestaltet: farbige Zeichnungen auf schwarzem Grund. Das Ganze mit einem Prägeeisen bearbeitet, so dass man mit den Fingerspitzen über kleine Erhebungen fahren kann.

Mark Benecke liebt seine Forschungsobjekte: „Die meisten dieser Tiere sind lange vor den Menschen entstanden. Sie sind teils zig Millionen von Jahren älter. Sie erlauben uns daher den Blick in eine Welt, die älter, größer, aber auch ausdauernder und besser an das Leben angepasst ist als wir.“

Das klingt überzeugend. Am Ende dieses handlichen Buches ist man sogar bereit, sich mit Silberfischchen anzufreunden. Der Praxistest steht allerdings noch aus.

Kat Menschiks und des Diplom-Biologen Doctor Rerum Medicinalium Mark Beneckes Illustrirtes Thierleben

von Kat Menschik (Illustrationen) und Mark Benecke (Text)
Seitenzahl:
160 Seiten
Genre:
Sachbuch
Verlag:
Galiani Berlin
Bestellnummer:
978-3-86971-201-7
Preis:
20,00 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue Bücher | 28.12.2020 | 12:40 Uhr

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