Stand: 12.02.2018 13:31 Uhr

Joachim Käppner: "1918 - Aufstand für die Freiheit"

1918 - Aufstand für die Freiheit
von Joachim Käppner
Vorgestellt von Patric Seibel

Wir leben in einem Jahr des historischen Rückblicks: Vor 50 Jahren erlebte die junge Bundesrepublik die sogenannte 68er-Revolte; vor 100 Jahren endete der Erste Weltkrieg. Und noch etwas passierte vor 100 Jahren: die Novemberrevolution 1918, das Ende des Deutschen Kaiserreichs. Doch die Revolutionsregierung unter Führung der SPD verschenkte damals eine historische Chance, so das Urteil des Historikers und Redakteurs der "Süddeutschen Zeitung" Joachim Käppner in seinem Buch "1918 - Aufstand für die Freiheit. Die Revolution der Besonnenen".

Der Aufstand der Matrosen - die Revolution beginnt

Ende Oktober 1918: Der Krieg ist für das Deutsche Reich längst verloren. Aber die Marineführung plant auf eigene Faust eine letzte Schlacht. Vor Wilhelmshaven gibt der Kommandant des Schlachtschiffs "Thüringen" den Befehl zum Auslaufen:

"Wir verfeuern unsere letzten 2.000 Schuss und wollen mit wehender Flagge untergehen." Die Männer murren und fluchen. Und einer, lauter als die Kameraden, ruft seinem Kommandanten zu: "Dann fahr mal alleine los." Der Kapitän hat das Schiff nicht mehr unter Kontrolle, die Mannschaften sind außer sich. Leseprobe

Kieler Matrosenaufstand

Weitere Informationen

November 1918: Die Revolution der Matrosen

Am 9. November 1918 endet die letzte deutsche Monarchie, Sozialdemokrat Philipp Scheidemann ruft die Republik aus. Begonnen hat die Revolution in Wilhelmshaven und Kiel. mehr

Wie ein Lauffeuer springt die Revolte von Kriegsschiff zu Kriegsschiff. Die Matrosen entwaffnen die Offiziere, reißen ihnen die Abzeichen ab. Hauptstadt des Aufstands wird Kiel. Tausende sind auf den Straßen. Rote Fahnen wehen über der Fördestadt.

Auch in der Hauptstadt Berlin überschlagen sich die Ereignisse. Überall erheben sich Soldaten und Arbeiter. Am 9. November ruft der Sozialdemokrat Phillip Scheidemann von einem Balkon des Reichstags aus die Republik aus: "Das Alte, Morsche ist zerbrochen."

Friedrich Ebert schätzt die Situation 1918 falsch ein

Der Rat der Volksbeauftragten aus Angehörigen der sozialdemokratischen MSPD und der von ihr abgespaltenen linken USPD nimmt seine Arbeit auf.  Doch die Revolution entmachtet die alten Eliten nicht. Die Oberste Heeresleitung bietet sich selbst als Garant für die Aufrechterhaltung der Ordnung an. Ebert schließt einen Pakt mit ihr:

"Die Absprache verhindert, dass die neue Regierung etwas sehr Naheliegendes tun wird: Das Versagen des Kaiserlichen Militärs aufzuarbeiten, seine Siegfriedenspolitik, die Quasi-Diktatur der OHL, vor allem die Schuld an der Niederlage. MSPD und USPD überlassen ohne Not die Deutungshoheit der Gegenseite, die bereits die Dolchstoßlegende verbreitet." Leseprobe

Joachim Käppner, der sein Buch als Beitrag zur Würdigung der Revolutionäre versteht, stellt diesen gleichzeitig ein vernichtendes Zeugnis aus:

"Die SPD, am 9. November beinahe widerwillig an die Macht gespült, versäumt es der Freiheit Waffen zu geben. Schuld daran ist eine obsessive Angst vor dem Bolschewismus. Die deutschen Arbeiter- und Soldatenräte aber wollen die Boulevards Berlins gar nicht zu einer Allee der Gehenkten machen." Leseprobe

Die Nähe der SPD zur alten Militärführung habe die Verbündeten ins Abseits gedrängt, so Käppner. Die Eskalation der Gewalt im Januar sei die direkte Folge der Kumpanei mit den alten Kräften und eben nicht deren Ursache, urteilt Käppner. Er unterstellt Ebert zwar keinen Verrat, wie dies der Historiker Sebastian Haffner vor Jahren tat, wohl aber kapitale Fehleinschätzungen der, zugegeben, hochkomplexen und unübersichtlichen Situation im Winter 1918. Joachim Käppner hat ein hervorragendes Sachbuch geschrieben, hoch spannend und packend; urteilsstark, aber dabei akribisch, analytisch und auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft.

1918 - Aufstand für die Freiheit

von
Seitenzahl:
528 Seiten
Genre:
Sachbuch
Verlag:
Piper
Bestellnummer:
978-3-492-05733-2
Preis:
28 Euro €

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 12.02.2018 | 10:50 Uhr

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