Stand: 12.09.2017 18:20 Uhr

Suhrkamp räumt bei Buchpreis-Shortlist ab

106 Verlage haben in diesem Jahr 174 Romane eingereicht - 20 hat die Jury für die Longlist des Deutschen Buchpreises nominiert. Nun wurde diese Liste noch einmal verkürzt zur Shortlist. Sechs Bücher haben die Chance, am 9. Oktober auf der Frankfurter Buchmesse den Deutschen Buchpreis zu erhalten. Dotiert ist der Preis mit 25.000 Euro. Im Interview spricht Joachim Dicks aus der NDR Kultur Literaturredaktion über die sechs Nominierten.

NDR Kultur: Herr Dicks, wer steht denn nun auf dieser Liste?

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NDR Kultur-Redakteur Joachim Dicks arbeitet für die Abteilungen Radiokunst und Literatur.

Joachim Dicks: Man kann auf jeden Fall dem Suhrkamp Verlag gratulieren, denn der hat dieses Jahr mit drei von sechs Titeln richtig abgeräumt. Zunächst ist da Robert Menasse mit seinem Brüssel-Roman "Die Hauptstadt", in dem die Europäische Union in all ihrer Spannkraft vorgeführt wird. Aus dem Hause Suhrkamp sind Marion Poschmanns Werk "Die Kieferninseln" sowie der Roman der Debütantin Sasha Marianna Salzmann, die in ihrem Roman "Außer sich" die Migrationsbewegungen innerhalb Europas thematisiert. Außerdem auf der Shortlist: "Das Floß der Medusa" von Franzobel, der jetzt auch in Hannover mit dem Nicolas-Born-Preis ausgezeichnet wird. Der eher experimentelle Autor Thomas Lehr ist mit "Schlafende Sonne" dabei. Und Gerhard Falkner versucht sich im Schriftstellerroman "Romeo oder Julia" als Humorist.

Sind denn das aus Ihrer Sicht die erwartbaren Finalisten oder hätten Sie als Jurymitglied eine ganz andere Auswahl getroffen?

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Shortlist für Deutschen Buchpreis steht fest

Die Shortlist für den Deutschen Buchpreis ist bekannt gegeben worden: Falkner, Franzobel, Lehr, Menasse, Poschmann und Salzmann stehen drauf - aber leider kein norddeutscher Autor. mehr

Dicks: Nein, es war eigentlich mehr oder minder in dieser Richtung vorhersagbar. Ich hätte anstelle von Gerhard Falkner vielleicht Feridun Zaimoglu mit ins Rennen genommen. Mit seinem Lutherroman "Evangelio", der eben noch auf der Longlist stand, hätte er es durchaus verdient, auch endlich einmal ins engere Rennen hineingezogen zu werden. Zaimoglu steht mit seinen Büchern immer auf der Longlist, aber schafft es nie, in die Shortlist zu kommen. Was außerdem ein bisschen überrascht: Der neue Roman von Ingo Schulze, "Peter Holtz - Sein glückliches Leben erzählt von ihm selbst" ist nicht mehr dabei. Beim Schulze hatten viele damit gerechnet, dass er bei den Finalisten vertreten ist.

Am 9. Oktober wird nun der Gewinner im Kaisersaal des Frankfurter Römer bekannt gegeben. Wer von denen auf dieser Liste hat denn Ihrer Einschätzung nach die besten Chancen?

Dicks: Also, Franzobel drücke ich wirklich die Daumen. Aber weil in den drei zurückliegenden Jahren immer Männer gewonnen haben, müsste es jetzt eigentlich wieder eine Frau sein. Vielleicht Marion Poschmann? Die wird hochgeschätzt für ihren lyrischen Ton und ihre Originalität. Aber was wirklich eine mutige Entscheidung wäre: Sasha Marianna Salzmann für ihr Debüt "Außer sich" auszuzeichnen. Die Frau hat sich als Dramatikerin schon einen richtig guten Namen gemacht und beweist jetzt mit diesem Roman, dass sie auch auf die lange epische Form gehen kann. Der Gewinn des Buchpreises wäre eine Überraschung und ich drücke ihr ganz besonders die Daumen.

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Die Shortlist für den Deutschen Buchpreis

Eine Übersicht der nominierten Romane für den Deutschen Buchpreis von Gerhard Falkner, Franzobel, Thomas Lehr, Robert Menasse, Marion Poschmann und Sasha Marianna Salzmann. Bildergalerie

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Die Longlist für den Deutschen Buchpreis

Eine Übersicht der 20 nominierten Romane für den deutschen Buchpreis. Darunter: Werke der norddeutschen Autoren Feridun Zaimoglu, Sven Regener, Jakob Nolte und Kerstin Preiwuß. Bildergalerie

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 12.09.2017 | 10:20 Uhr

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