Stand: 12.09.2017 14:08 Uhr

Theodor Storm - Husums großer Sohn

von Judith Pape
Der Beruf des Juristen war für Storm zeitlebens eine lästige Pflicht - das Schreiben seine Leidenschaft.

"Doch hängt mein ganzes Herz an Dir, Du graue Stadt am Meer", das sind die Zeilen, die Theodor Storm seiner Heimatstadt Husum widmet und die auf ewig mit dem Ort an der nordfriesischen Küste verbunden sind. Storm verbringt einen Großteil seines Lebens dort und liegt auf dem Friedhof St. Jürgen seiner "grauen Stadt" begraben.

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Theodor Storms Geburtshaus in der Innenstadt von Husum.

Geboren wird Storm am 14. September 1817 als ältester Sohn eines Notars. Bereits als Jugendlicher schreibt er Gedichte. Seine Lehrer erkennen sein Talent und fördern ihn. Mit 16 Jahren veröffentlicht er "Sängers Abendlied" im "Husumer Wochenblatt". Nach der Schule studiert Storm trotzdem Jura in Kiel, Berlin und Dresden. Es ist eine reine Vernunftentscheidung für den "Brotberuf", vom Schreiben allein kann damals noch niemand leben. Die Juristerei bleibt für Storm sein Leben lang nur die ungeliebte Pflicht, in der knappen Freizeit arbeitet er an seinem literarischen Werk.

"Immensee" - der literarische Durchbruch

Mit seinen Freunden Theodor und Tycho Mommsen sammelt er während des Studiums schleswig-holsteinische Sagen, Märchen und Lieder. 1843 veröffentlichen sie gemeinsam das "Liederbuch dreier Freunde". Im selben Jahr eröffnet Storm in Husum eine Anwaltskanzlei und heiratet seine acht Jahre jüngere Cousine Constanze Esmarch. Die beiden ziehen sieben Kinder groß. 1865, nach der Geburt des siebten Kindes, stirbt Constanze. Schon im Jahr darauf heiratet Storm die neun Jahre jüngere Dorothea Jensen.

Große Anerkennung in der literarischen Fachwelt und Erfolg beim Publikum erlangt Storm erstmals 1849 mit seiner Novelle "Immensee". Novellen sind für ihn eine wichtige und notwendige Einnahmequelle. Bis zu seinem Tod verfasst er 40 von ihnen und formuliert eine eigene Formel: "Die heutige Novelle ist die Schwester des Dramas und die strengste Form der Prosadichtung." Bis heute gilt Storm als einer der meistgelesenen deutschen Dichter.

Ein politischer Autor

Die Zeitumstände machen Storm zu einem politisch denkenden Menschen: Nach dem verlorenen nordischen Krieg gehen Schloss und Stadt Husum 1721 an das Königreich Dänemark. Als die Schleswig-Holsteiner 1848 gegen die dänische Herrschaft auf die Barrikaden gehen, stellt sich Storm auf die Seite der Aufständischen und verarbeitet den Protest auch in seinen Gedichten. Er begleitet die Freiheitsbewegung zwar nur vorsichtig, trotzdem entzieht ihm der dänische Staat nach Scheitern der Aufstände die Zulassung als Anwalt.

Die Stadt

Am grauen Strand, am grauen Meer
Und seitab liegt die Stadt;
Der Nebel drückt die Dächer schwer,
Und durch die Stille braust das Meer
Eintönig um die Stadt.

Es rauscht kein Wald, es schlägt im Mai
Kein Vogel ohn’ Unterlass;
Die Wandergans mit hartem Schrei
Nur fliegt in Herbstesnacht vorbei
Am Strande weht das Gras.

Doch hängt mein ganzes Herz an dir,
Du graue Stadt am Meer;
Der Jugend Zauber für und für
Ruht lächelnd doch auf dir, auf dir,
Du graue Stadt am Meer.

Schweren Herzens wechselt er in den preußischen Justizdienst nach Berlin und Heiligenstadt. 1864, nach Ende des deutsch-dänischen Krieges, kehrt er in seine Geburtsstadt zurück und wird Landvogt und Amtsrichter. Begeistert war er von den politischen Entwicklungen allerdings nicht. Er hatte auf die Unabhängigkeit der Herzogtümer Schleswig und Holstein gehofft und nun waren sie preußische Provinz.

Nur im Norden, in der übersichtlichen Provinz Husum, fühlt Storm sich heimisch. Er braucht, wie er einmal schreibt, "die äußerliche Enge, um innerlich in die Weite zu gelangen". Die Schauplätze seiner Heimat beschreibt der Dichter ganz im Sinne des poetischen Realismus: Historische Personen und aktuelle Ereignisse wie den deutsch-dänischen Krieg webt Storm in seine Werke ein. Zugleich nutzt er gerne fantastische Elemente. So auch bei seinem berühmtesten Werk, der Geschichte vom "Schimmelreiter", die er erst kurz vor seinem Tod 1888 fertigstellt.

Orientierung an der Gegenwart

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Sein berühmtestes Werk "Der Schimmelreiter" vollendete Storm 1888, kurz vor seinem Tod. Die Erstausgabe steht im Museum in Hanerau-Hademarschen.

Die mystische Erzählung um den Deichgraf Hauke Haien vollendet er als todkranker Mann. In seiner Novelle um Anmaßung, Machthunger, Eitelkeit und Selbstherrlichkeit beschäftigt sich Storm mit Problemen der Gegenwart, die sich durchaus auf heute übertragen lassen. Womit er seinen eigenen Ansprüchen gerecht wird: "Die Poesie wird in jedem Jahrhundert, dem sich ihr Stoff am sichersten anpasst, ihr Zelt aufschlagen können; nur soll der Stoff nicht auf vorübergehenden Zuständen beruhen, sondern auf rein menschlichen Konflikten, die wir ewig nennen."

Am 4. Juli 1888, im Alter von 70 Jahren, stirbt Theodor Storm im holsteinischen Hanerau-Hademarschen an Magenkrebs. Beerdigt wird er jedoch in seiner "grauen" Heimatstadt Husum.

Karte: Theodor Storm in Husum - Stationen
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NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 14.09.2017 | 06:40 Uhr

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