Stand: 19.07.2019 17:00 Uhr

Fallada-Tage suchen Unbekanntes im Bekannten

von Kathrin Matern
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Das Hans-Fallada-Haus in Carwitz. Hier lebte der Schriftsteller von 1933 bis 1944.

In Carwitz an der Mecklenburgischen Seenplatte sind am Freitag, 19. Juli, die 29. Fallada-Tage eröffnet worden. Noch bis zum Sonntag laden Museum und Hans-Fallada-Gesellschaft zu Lesungen, Theater und Diskussionsrunden rund um den Schriftsteller Hans Fallada ein, der dort von 1933 bis 1945 seine produktivsten Jahre verbrachte. Bis zu 25 Seiten schrieb Hans Fallada pro Tag in Carwitz. Zu den diesjährigen Fallada-Tagen, die noch bis zum Sonntag andauern, werden auch zwei seiner wichtigsten Werke zu erleben sein.

Noch ist es fast still im Garten mit dem berühmten Dreiecksbeet von Falladas Frau Anna Ditzen. Malven blühen leuchtend rot. Die ersten August-Äpfel liegen im Gras. Bierbänke werden aufgebaut. Mehr als 1.100 Besucher werden an diesem Wochenende auf dem Anwesen des Schriftstellers erwartet, erzählt Museumsleiter Stefan Knüppel.

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Für den Museumsleiter ist es eine der größten Herausforderungen, noch nicht erzählte Aspekte über den Schriftsteller zu präsentieren oder aber Bekanntes neu zu interpretieren. "Wir haben 29 Mal Erfahrung gesammelt. Für mich sind es die 15. Fallada-Tage, die ich mitverantworte", sagt Museumsleiter Stefan Knüppel. "Wir schaffen es immer, ein spannendes Programm zusammenzustellen."

Neues Hans-Fallada-Handbuch

Den Auftakt machten am Freitag die Germanistik-Professoren Stefan Scherer und Gustav Frank mit der Vorstellung ihres "Hans-Fallada-Handbuches". Stefan Knüppel wiegt das schwere Buch in der Hand, es ist mehr als 400 Seiten dick.

"Dieses Handbuch versammelt alle Forschungsergebnisse zu Fallada. Wo man was finden kann, kann man hier nachschlagen." Ein ganz wichtiger Aspekt sei es Fallada in seiner Zeit zu betrachten. Wie wurde er von Zeitgenossen gelesen und wie habe er selbst Literatur betrachtet.

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Hans Fallada, geboren am 21.Juli 1893 in Greifswald, wurde 1932 mit "Kleiner Mann - was nun?" schlagartig weltberühmt. Seine Frau Anna Ditzen, die ihn erst zu dem gemacht habe, was er sei, wie Fallada selbst sagte, hat er mit der Figur des Lämmchens im Roman ein Denkmal gesetzt.

Anna Ditzen beschrieb den Erfolg des Buches in den 60er-Jahren einmal so: "Er beschreibt darin die Empfindungen und Gefühle und die Erlebnisse der Kleinen Leute, die er früher in seinen Stellungen sehr genau kennen gelernt hatte. Und die Probleme der Kleinen Leute, die teilweise auch unsere Probleme waren. Überhaupt ist in dem Buch sehr viel von unserem eigenen Leben drin."

Fallada-Tage bieten vielfältiges Programm

Am Sonnabend wird es im Carwitzer Scheunensaal einen Themenabend geben. Die Schauspielerin Hannelore Hoger liest dann aus "Kleiner Mann - was nun?" und anderen Texten des Schriftstellers. Und im Anschluss gibt es eine Filmnacht mit einer Revue von Peter Zadek aus den 70er-Jahren, in der Hannelore Hoger das Lämmchen spielt.

Am Wochenende gibt es jeweils am Nachmittag auch Veranstaltungen für Kinder: Morgen das "Mäusecken Wackelohr" als Theaterstück und am Sonntag eine Lesung mit den "Geschichten aus der Murkelei". Zuvor wird der Schriftsteller am Sonntagvormittag auf dem Carwitzer Friedhof geehrt - an seinem 126. Geburtstag. Hans Fallada verstarb im Februar 1947 mit 54 Jahren. 1981 wurde seine sterblichen Überreste nach Carwitz umgebettet.

Literarischer Spaziergang mit dem Museumsleiter zum Abschluss

Den Abschluss der Fallada-Tage macht dann am Sonntag der Literarische Spaziergang mit Museumsleiter Stefan Knüppel. "Zuerst bleiben wir auf dem Anwesen und ich erzähle ganz viel über Carwitz", sagt Knüppel.

Der Schwerpunkt liege in diesem Jahr auf Falladas Kindern. "Fallada hat sehr liebevoll, liebevoll kritisch über seine Kinder geschrieben", schildert der Museumsdirektor. Vor allem aus "Heute bei uns zu Haus" wird er viele Textstellen vorlesen und Fotos zeigen. "Während ich die Fotos zeige und lese, gehe ich mit den Gästen über das Anwesen und durch das Dorf. "Es gibt schöne Fotos, die ihn auch dort zeigen. Und: Es ist ein schöner Aussichtspunkt, ganz einfach."

Fallada-Tage suchen Unbekanntes im Bekannten

Zwölf Jahre lang lebte Hans Fallada in Carwitz. Zum Geburtstag des weltberühmten Schriftstellers finden in der kleinen mecklenburgischen Stadt zum 29. Mal die Fallada-Tage statt.

Art:
Lesung
Datum:
Ende:
Ort:
Hans-Fallada-Museum Carwitz
Zum Bohnenwerder 2
17258   Feldberger Seenlandschaft (Ortsteil Carwitz)
Telefon:
(039 831) 2 03 59
E-Mail:
museum@fallada.de
Preis:
Festival-Kombikarte 45 Euro (ermäßigt 34 Euro)
Öffnungszeiten:
täglich 10-17 Uhr (montags geschlossen)
Kartenverkauf:
Karten für einzelne Veranstaltungen kosten zwischen sechs und zehn Euro. Beim literarischen Spaziergang ist der Eintritt frei.
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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Kulturjournal | 19.07.2019 | 19:00 Uhr

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