Stand: 01.04.2016 14:03 Uhr  | Archiv

Die Formen und Farben des Lichts

von Juliane Bergmann

Eigentlich begann die Karriere von Michael Batz als Dramaturg beim Theater. Eines Tages musste er als Beleuchter einspringen. Plötzlich war ihm klar: Licht ist sein Medium. Seitdem arbeitet er als Lichtkünstler. Der Bildband "Hamburg. Licht. Kunst" stellt ihn vor.

Lagerhausfassaden in rostrot - links und rechts rahmen sie die Fotografie. In der Mitte schlängelt sich Wasser hindurch. Eine Brücke verbindet die Ufer. Kleine Balkone, darauf Scheinwerfer, die nach oben strahlen. In gleichmäßigen orangefarbenen Streifen beleuchten sie die imposanten Gebäude der Hamburger Speicherstadt. Die Dämmerung taucht den Himmel in helles Grau.

Licht - viel mehr als Sichtbarmachen

Michael Batz ist Nachkriegskind. So erklärt er sich, dass ihm Licht so viel bedeutet. Aufgewachsen in den 1950ern in einem weitgehend zerbombten Hannover - in einer Zeit, in der er Licht als Kostbarkeit wahrnahm: seine Fahrradlampe, schimmernde Lampions oder grelle Leuchtreklame. Das damals faszinierte Kind ist heute Lichtkünstler, illuminiert Architektur oder ganze Stadtquartiere. Und dabei gehe es um viel mehr als nur ums Sichtbarmachen: "Licht ist ein Gespräch zwischen einer elektromagnetischen Welle und einem Objekt. Und das ist schon mal ein Treffen, eine Begegnung. Es braucht immer zwei. Und wenn dieses Gespräch, dieser Dialog nicht funktioniert, dann ist entweder das Bild verfunzelt oder ich lösche das Objekt und ich überstrahle es."

Ein Spiel aus Formen und Mustern

Installationskünstler Michael Batz posiert in der Elbphilharmonie in Hamburg vor der Kulisse des von ihm kreierten "Blue Port". © dpa-Bildfunk Foto: Daniel Reinhardt
Installationskünstler Michael Batz posiert in der Elbphilharmonie in Hamburg vor der Kulisse des von ihm kreierten "Blue Port".

Der Bildband stellt Lichtprojekte von Michael Batz vor, hauptsächlich aus dem Raum Hamburg. Texte begleiten die Fotografien und zeichnen den Weg von der Idee bis zur Umsetzung nach. Die Aufnahmen stammen von dem Hamburger Foto-Journalisten Michael Zapf. Originell seine Perspektiven, ein aufmerksamer Blick, der das Wesentliche einfängt.

Stahl in olivgrün. Dunkel und massiv. Die Stehlen kreuzen einander diagonal, versperren den Blick. Zartes, hellgrünes Licht definiert ihre Ränder. Die Schrauben, die die Konstruktion zusammenhalten, wölben sich vor, wirken wie kleine Tupfer. Das Licht lässt sie aussehen wie Halbmonde. Ein grafisches Spiel aus Formen und Mustern. Michael Batz gestaltete in der Speicherstadt nicht nur das Lichtkonzept an den Fassaden der Land- und Wasserseite, sondern auch an 14 Brücken; darunter diese, die Sandbrücke.

Das Licht betont die Architektur

Sensibel setzt er das Licht ein, geradezu malerisch. Er betont die vorhandene Architektur: die Giebel, die Bögen, die Twieten und Durchblicke. Die Nacht soll jedoch weiterhin Raum haben: "Die Dunkelheit ist der größte Rohstoff, den man hat als Lichtgestalter. Es ist eben erst mal nicht die Helligkeit. Dementsprechend arbeitet man natürlich gern auch mit den Schatten. Und mit den Zwielichtern. Und mit der Dämmerung. Und mit den Übergängen. Und mit den Verstecken des Lichts. Und den Rückseiten des Lichts. Und all solchen Dingen."

Licht, das sich einfügt, leise, fein. Das mache ihn aus, damit arbeite er am liebsten. Er, der Mann, der seine Worte bedächtig wählt, der Ruhe ausstrahlt.

Das leise und das laute Licht

Dann gibt es da noch die lauten Momente im Leben von Michael Batz. Die großen, effektvollen Projekte: Meterhoch gestapelte Container. Hafenkräne ragen in den Himmel. Blaues Licht zeichnet die Formen der Stahlkonstruktionen nach. Es wirft auf die Wasseroberfläche im Bildvordergrund ein schimmerndes, unwirkliches Lila.

Michael Batz hat im vergangenen Jahr den Hamburger Hafen zum fünften Mal zum sogenannten "Blue Port" gemacht. Auf knapp neun Kilometern installierte er zuletzt 12.000 Lichtpunkte. Kunst, die Aufsehen erregt, die Batz für ein breites Publikum bekannt gemacht hat. Unübersehbares Licht. Auch solche Projekte findet er reizvoll, gesteht er: "Es ist ein veröffentlichtes Theater. Es gibt keine Schwellen. Die Stadt ist dann tatsächlich Bühne. Das ist für mich etwas Wunderbares, denn man erreicht ganz andere Menschen, die sonst vielleicht nicht einmal ins Theater gehen, nicht ins Museum gehen, sich mit Kunst nicht auseinandersetzen, diejenigen, die auch ihre Stadt auf einmal wahrnehmen."

Hamburg.Licht.Kunst - Der Lichtkünstler Michael Batz

von Michael Zapf (Autor), Matthias Gretzschel (Autor)
Seitenzahl:
172 Seiten
Genre:
Bildband
Verlag:
Koehlers V.-G.
Bestellnummer:
978-3782212298
Preis:
29,95 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassikboulevard | 03.04.2016 | 16:40 Uhr

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