Stand: 10.04.2017 12:40 Uhr

Umweltschutz gegen Profitgier

Lost in Fuseta
von Gil Ribeiro
Vorgestellt von Annemarie Stoltenberg
Bild vergrößern
Der Autor wurde 1965 in Hamburg geboren und schreibt auch preisgekrönte Drehbücher.

Schon immer haben Autoren von Kriminalromanen gern unter Pseudonym veröffentlicht, und in den letzten Jahren sind etliche Krimis, die im Süden Europas spielten, unter Autorennamen erschienen, die klingen wie vor Ort ermittelnde Kommissare. Gil Ribeiro ist nun das Pseudonym des Autors Holger Karsten Schmidt. Er hat sich Ende der 80er-Jahre in den Süden Portugals verliebt und so lässt er seinen ersten Portugal-Krimi dort spielen: in der Nähe der Städte Faro und Tavira.

Erfahrungsaustausch der Spitzenkräfte

Es ist ein Wortspiel: "Lost in Fuseta" meint nicht nur, dass dort jemand verloren sein könnte, sondern ein Kommissar aus Hamburg mit Namen Leander Lost wird im Rahmen eines europäischen Projektes an die Algarve versetzt. Der Platzhirsch von Faro, Kommissar Rui Aviola, ist im Gegenzug soeben von bitterlich weinenden Kolleginnen am Flughafen verabschiedet worden, als Lost landet:

Der beste Mann. Das war der Untertitel des Flyers. Wir wollen voneinander lernen. Lasst uns die Besten austauschen.  Leseprobe

Graciana und Carlos wundern sich über das seltsam verstörende Verhalten des neuen Kollegen. Leander Lost fühlt sich offenkundig fremd und unwohl. Zur eigenen Beruhigung zählt er Ecken:

Seit er im Alter von elf Jahren auf dieses Wundermittel gestoßen war - er hatte die Ecken der Holzlatten gezählt, mit denen die anderen Kinder ihn vermöbelten -, hatte er das Eckenzählen professionalisiert. Ein viereckiger Raum hatte immer acht Ecken, Eine Tür, die sich in die Zarge fügte, hatte zwölf Ecken. Die Zarge selbst, sofern nicht in die Wand eingelassen, sondern auf dem Putz aufliegend, ebenfalls zwölf. Fenster wiesen für gewöhnlich acht Ecken auf (die des Rahmens mitgerechnet). Und schon verfügte ein normaler Raum mit einer Tür und einem Fenster und nichts sonst darin über 40 Ecken. Leseprobe

Kommissar mit seltsamen Angewohnheiten

Die beiden portugiesischen Kollegen brauchen ein Weilchen, um erstens zu verstehen, dass ihr Kollege am Asperger-Syndrom leidet, und zweitens zu akzeptieren, dass er andererseits über außergewöhnliche Fähigkeiten verfügt. Hilfreich ist dabei die zur Kultur Portugals gehörende, schier unverwüstliche Gastfreundschaft:

Wie alle Portugiesen waren sie zu einer Gastfreundlichkeit erzogen worden, die - von findigen Touristen schamlos ausgenutzt - bisweilen an Selbstaufgabe grenzte. Deutschen waren sie hier an der Algarve schon oft begegnet. Alemaos waren pünktlich und aßen bevorzugt dort, wo sie große Portionen erhielten, und nicht dort, wo es gutes Essen gab. Sie sparten beim Trinkgeld und beim Lob. Portugiesen an Nachbartischen sahen beschämt woandershin, wenn sie in einem Restaurant die Rechnung überprüften. Die Deutschen waren stolz auf ihre Autoindustrie. Und sie waren Europameister im Nörgeln.  Leseprobe

Das Buch macht Lust auf Portugal

Das machen natürlich nur die anderen. Wir nicht. Wer Portugal liebt, den wird der Lektüre von "Lost in Fuseta" das Fernweh  packen:

Die Mittagssonne betonte die Farben der Häuser, die Straßenschilder, der Plastikstühle vor den kleinen Bars, auf denen alte Männer saßen und rauchten und Bier tranken. Alle paar Hundert Meter standen große, bereifte Müllbehälter am Straßenrand, und von den Häusern, meist in Weiß gehalten und mit blauer, roter oder gelber Farbe an den Rändern und um die Fenster herum verziert, blätterte der Putz ab und wurde von dunklem Staub ersetzt, der sich dort festfraß. Über allem ein Himmel in tiefstem Azur. Leseprobe

Sie hören: Man muss keinen Flug buchen. Dieser knifflige Krimi bringt Sie auch dorthin. An den Strand von Tavira oder zu einem Trinkwasserreservoir weiter oben in den Bergen. Ein großer Schweizer Lebensmittelkonzern hat die Wasserrechte dort gekauft. Die absolut gewissenlose Geschäftemacherei dieses Konzerns wird von Umweltschützern entdeckt, die sich dadurch in akute Lebensgefahr begeben. Und offenbar hat auch der Privatdetektiv, der in einem Boot zwischen Olhao und den vorgelagerten Inseln tot gefunden wurde, etwas damit zu tun.

Lost in Fuseta

von
Seitenzahl:
400 Seiten
Genre:
Roman
Verlag:
Kiepenheuer & Witsch
Bestellnummer:
978-3-462-04887-2
Preis:
14,99 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue Bücher | 11.04.2017 | 12:40 Uhr

NDR Logo
Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: https://www.ndr.de/kultur/buch/Gil-Ribeiro-Lost-in-Fuseta,lostinfuseta102.html

Mehr Kultur

33:30

Avi Avital und Omer Avital im Konzert

14.02.2018 22:00 Uhr
NDR Kultur
00:50

Geronimo: Hörspielmusik "Der Sheik"

27.01.2018 21:05 Uhr
NDR Info
01:32

Geronimo: Hörspielmusik "Jabbar"

27.01.2018 21:05 Uhr
NDR Info