Stand: 08.09.2020 14:00 Uhr

Fabio Gedas Wohlfühlroman "Ein Sonntag mit Elena"

von Annemarie Stoltenberg

Sein Buch "Im Meer schwimmen keine Krokodile" über  einen Jungen, der allein aus Afghanistan flüchtet und nach Europa gelangt, wurde ein international überraschend großer Erfolg für den italienischen Schriftsteller und Journalisten Fabio Geda.

Fabio Geda: "Ein Sonntag mit Elena" (Cover) © Hanser
Geda schreibt über Menschen, die sich gegenseitig viel geben: Hoffnung, Nähe und neue Perspektiven.

Auch in seinem neuen Roman "Ein Sonntag mit Elena" gelingt es ihm wieder, eine sehr berührende Geschichte zu erzählen.

Die Hauptfigur bleibt den ganzen Roman hindurch namenlos. Manchmal heißt es "mein Vater" oder "Papa" oder bloß "Er". Dennoch lebt man beim Lesen dicht mit ihm zusammen, seine Geschichte rückt einem auf die Pelle.

Einsames Leben nach der Pensionierung

Er war einmal Ingenieur, reiste als gefragter Brückenbauer um die ganze Welt, war selten zuhause. Seine Tochter erinnert sich an ihre Theaterauftritte als Kind und dass ihr Papa nur zweimal wirklich bei ihren Auftritten dabei war und nicht gerade auf Reisen. Seine Frau hielt als Fels in der Brandung die Familie mit den drei Kindern zusammen.

Jetzt ist er 67 Jahre alt, pensioniert und Witwer, seine Frau ist vor acht Monaten gestorben. Nun will er sich um die Familie kümmern, Versäumtes nachholen. Sohn Alessandro arbeitet als Chemiker in Helsinki, Tochter Giulia, Theaterregisseurin, ist viel unterwegs. Deshalb hat er Tochter Sonia mit Ehemann und den beiden kleinen Töchtern zum Mittagessen eingeladen.

Selbstgekochtes soll die Familie überraschen

Er hat das dicke rote Rezeptbuch seiner Frau studiert, sich zum ersten Mal an den Herd gestellt und die traditionellen Lieblingsgerichte gekocht. Zu seiner eigenen Überraschung ist ihm das gelungen. Der Tisch ist gedeckt, da klingelt das Telefon:

Rachele, die kleinere der beiden Mädchen, die im September sieben Jahre alt geworden war, war von einem Kakibaum gefallen, als sie versucht hatte, reife Früchte zu pflücken, um sie dem Opa mitzubringen. Leseprobe

Das Kind hat sich den Arm gebrochen. Der Besuch wird abgesagt. Voller Sorge unternimmt er einen langen Spaziergang, um Frust und Enttäuschung abzubauen.

Einladung ohne Hintergedanken

Unterwegs trifft er an einem Skateboard-Platz Elena mit ihrem Sohn Gaston. Sie kommen ins Gespräch und Gaston, der endlich keine Tiefkühl-Takkos mehr essen möchte, ist begeistert, als er und seine Mutter zum Mittagessen eingeladen werden.

Elena, zögert, die Einladung anzunehmen, aber sie kommen sich behutsam näher mit ihrer gemeinsamen Sehnsucht nach Lebensfreude und Glück. Schließlich entwickelt sich zwischen den Dreien eine zarte, liebevolle Beziehung, ohne Happy End.

Es ist so seltsam und einfach. Niemand müsste heutzutage in den großen Städten einsam sein, wenn man die Kraft und den Mut hätte, auf andere Menschen zuzugehen. Doch scheint Einsamkeit eines der Probleme unserer Zeit zu sein.

Episoden aus dem Alltagsleben einer Familie

Eingebettet in diese Geschichte, wird das Leben der Hauptfigur aus verschiedenen Winkeln betrachtet. So erzählt Tochter Giulia vom Leben ihres zupackenden, selbstbewussten Vaters und ihrer liebevollen Mutter, die ihren Beruf als Juristin aufgegeben hatte, um ganz für die Familie da zu sein.

Giulia erinnert sich an Episoden aus der Familiengeschichte, an das Alltagsleben der Geschwister, an Erlebnisse mit dem Vater, an Enttäuschungen, weil er ihre Arbeit nicht so schätzte, wie sie es sich immer erhoffte. "Ein Sonntag mit Elena" ist eine wunderbare Lektüre, unterhaltsam und ernsthaft zugleich, mit beschwingtem Humor. Ein absolutes Wohlfühlbuch in schwierigen Zeiten.

Ein Sonntag mit Elena

von Fabio Geda, aus dem Italienischen von Verena von Koskull
Seitenzahl:
240 Seiten
Genre:
Roman
Verlag:
Hanser
Bestellnummer:
978-3-446-26795-4
Preis:
20,00 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue Bücher | 08.09.2020 | 12:40 Uhr

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