Stand: 19.10.2018 13:50 Uhr  | Archiv

Fotos von der Entstehung des Lebens

von Chantal Nastasi

Der Fotograf Frans Lanting bereist seit vielen Jahren die Welt, um sie in Bildern für "National Geographic" und andere Zeitschriften festzuhalten. Vor ein paar Jahren hat er ein Projekt begonnen, eine "persönliche Reise", wie er sagt und für ihn das bisher Schwerste, was er je versucht hat, nämlich die Geschichte des Lebens in Bildern festzuhalten. Das ist ihm jedoch geglückt: "Leben - eine Reise durch die Zeit" heißt Frans Lantings Bildband, der beim Taschen-Verlag erschienen ist.

Jahrmillionen alte Prozesse

Aufbrechende Blüten, ein Kolibri, der Nektar saugt und so zum Bestäuber wird, Korallen und Algen, die sich im Meerwasser wiegen und ein Krokodil, das gerade aus seinem Ei schlüpft - starke Bilder für Prozesse, die seit Jahrmillionen passieren. Für seine Reise, die das Leben auf Erden dokumentiert, hat sich Frans Lanting mit den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen beschäftigt. Er reiste in eine abgelegene Lagune im Westen Australiens und fotografierte Mikroorganismen, die nur noch dort in größerer Zahl vorkommen. Es sind Stromalithen, die schon vor drei Millionen Jahren die Atmosphäre mit Sauerstoff anreicherten und sich wie lebende Felsformationen an den flachen Rändern der Meere ansiedelten.

Lanting fotografiert diese uralten Lebensformen im Dämmerlicht. Denn als die ersten ihrer Art entstanden, war der Himmel noch nicht blau wie heute. Er schafft so eine eigentümlich vorzeitliche Atmosphäre, ähnlich wie beim Mondaufgang über den Steinterrassen des Yellowstone Nationalparks. Mit Teleobjektiv eingefangen wirkt der Mond deutlich näher, so wie vor Millionen von Jahren.

Gegenüberstellungen von gestern und heute

Wie Dampfnudeln wirken die Riesenschildkröten in einem Teich, den Frans Lanting im Morgennebel fotografiert hat. Psychedelisch mutet das Bild der Seerosen an: Von unten aufgenommen leuchten sie gelb in türkisfarbenem Wasser wie als stünde man im Garten Eden.

Der Bildband beginnt bei den Anfängen der Erde, zeigt feuerspeiende Vulkane, blubbernde Schlammpfützen und von Eiszeiten geformte Gebirgsketten. Wie Wasser und Photosynthese das Leben veränderten, zeigt Lanting anhand von Tierportraits, aber auch mit Fotos von Pilzen, Farnen und Sträuchern. Es sind Gegenüberstellungen von gestern und heute, wie sie ihm auch besonders ästhetisch auf Doppelseiten gelingen. Schneckengewinde von fossilen Ammoniten und von heutigen Wasserbewohnern.

Fundierte Informationen ergänzen die Bilder

Das Leben an Land und im Wasser und die wichtigsten Ereignisse in dieser Zeitreise sind im hinteren Teil des Buches tabellarisch von Lanting festgehalten, wann das Universum entstand, wann die ersten Bakterien auftauchten und wann die an die jeweiligen Landschaften angepassten Lebewesen. Hintergrundinformationen zum Inhalt der Bilder und auch zu seiner fotografischen Arbeitsweise kann man ebenfalls dort nachlesen, aufgeführt neben kleinen Abbildungen seiner Fotografien.

Frans Lanting arbeitet mit starken Farbkontrasten, aber auch mit in Grautönen gehaltenen Fotografien, die natürlich auf den großen Doppelseiten ihre besondere Wirkung entfalten. Das Buch besticht nicht nur durch die akribischen Aufnahmen, sondern vor allem dadurch, dass der niederländisch-amerikanische Fotograf ganz in diese Welt eingetaucht ist, mit allen Hintergründen, um uns seinen persönlichen Blick darauf zu ermöglichen. 

Leben: Eine Reise durch die Zeit

von Frans Lanting
Seitenzahl:
304 Seiten
Genre:
Bildband
Zusatzinfo:
herausgegeben von Christine Eckstrom, Hardcover, 29 x 36 cm
Verlag:
Taschen Verlag
Bestellnummer:
978-3-8228-3991-1
Preis:
39,99 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 21.10.2018 | 17:40 Uhr

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