Stand: 23.04.2018 17:41 Uhr

Frank Schätzings neuer Wissenschaftskrimi

Die Tyrannei des Schmetterlings
von Frank Schätzing
Vorgestellt von Bianca Schwarz
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Schätzings "Die Tyrannei des Schmetterlings" ist horizonterweiternd - an manchen Stellen aber auch langatmig.

Frank Schätzing ist zurück. Der Kölner Autor veröffentlichte vor rund 14 Jahren seinen bisher größten Erfolg mit dem Wissenschaftskrimi "Der Schwarm", in dem die Unterwasserwelt die Menschheit angreift, das Meer und seine Bewohner ihre Missachtung rächen. 4,5 Millionen Mal hat sich das Buch verkauft, auch Schätzings folgende Bücher waren sehr erfolgreich. Jetzt ist das neue da, wieder ein breit angelegter Wissenschaftskrimi. Und es geht mal wieder um eine Bedrohung, die die Menschheit selbst über sich bringt.

Mord oder Unfall?

"Die erste ultraintelligente Maschine ist die letzte Erfindung, die der Mensch je machen wird." Dieses Zitat des britischen Mathematikers und Kryptologen Irving John Good steht dem Buch voran, kein anderer Satz hätte es besser zusammenfassen können. So bekommt man als Leser zu Beginn zumindest eine Ahnung mitgegeben, denn lange macht Frank Schätzing nicht wirklich greifbar, worum es in "Die Tyrannei des Schmetterlings" geht.

In den USA geschieht ein Mord, eine tote Frau hängt wie ein gefallener Engel in einem Baum - oder war es doch ein Unfall? In Afrika werden Menschen bei lebendigem Leib bis auf die Knochen abgenagt von einer unidentifizierbaren Wolke. Tote Menschen sind doch noch am Leben, eben noch lebendige dafür umso toter, wieder andere Menschen gibt es plötzlich doppelt, so wie die Hauptfigur Luther.

"Er muss dort gewesen sein. Luthers Blick fällt auf die Jacke, die nicht seine und doch seine ist. Untersucht die Taschen und fischt eine Bordkarte heraus, der zufolge sein Flieger gestern Abend in Sacramento gelandet ist. Wenn du nicht dort warst, wer war es dann? Der andere Luther?"

Fiktiver Wissenschaftsroman mit Hand und Fuß

Es hat einen Grund, dass Schätzing sich sehr viel Zeit mit dem Aufbau seiner Geschichte lässt. Sein Thema ist komplex, man muss sich reinarbeiten. Schätzing schreibt über die dunkle Seite der Digitalen Revolution, über Künstliche Intelligenz, über Computer, klüger als wir, mit nahezu unendlichem Entwicklungspotential. Er hat sein Thema wie immer mit dem aktuellen Stand der Wissenschaft verknüpft, viel Zeit in die Recherche investiert, sich im Silicon Valley mit Entwicklern, Financiers und Kritikern getroffen. Das Ergebnis ist ein fiktiver Wissenschaftsroman mit Hand und Fuß.

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Autor Frank Schätzing hat viel Zeit in die Recherchefür "Die Tyrannei des Schmetterlings" investiert.

Schätzings Hauptfigur ist Luther Opoku, Undersheriff einer verschlafenen Goldgräberregion in den Bergen Kaliforniens. Luther schlägt sich mit Kleinstdelikten wie Nachbarschaftsstreitereien, entlaufenen Hunden und verschwundenen Katzen herum. Doch als er zur toten Frau im Baum gerufen wird, ändert sich alles. Die Spuren führen zu ihrem Arbeitgeber, einem Multimillionen-High-Tech-Konzern namens "Nordvisk Inc." Der betreibt, versteckt in den Wäldern, eine riesige unterirdische Forschungsanlage.

Spannend bis zur letzten Seite

Hundert Meter unter der Erdoberfläche rechnet ein besonderer Computer: ein Quantencomputer. Der ist in unserer Welt kaum über die bloße Theorie hinausgekommen, aber in Schätzings Geschichte ist er real. Der Quantencomputer lernt auf die gleiche Art wie ein Kind und ist so intelligent, dass er Baupläne für Maschinen ausspuckt, die die Menschen zwar bauen, aber nicht mehr verstehen können.

"Mehr als jedes Datencenter, das Luther je gesehen hat, erweckt dieses den Eindruck einer Stadt, in der es unablässig blinkt. Der Puls der Maschine, sichtbar gemacht durch Myaden emsig kommunizierender LED-Lämpchen. Luther schaut gebannt zu, wobei sich seine Verblüffung zur Hälfte dem Umstand verdankt, dass solch ein Bauwerk jahrelang im Untergrund von Sierra verborgen liegen konnte, ohne dass er davon wusste."

Spannend bis zur letzten Seite ist "Die Tyrannei des Schmetterlings", auch horizonterweiternd. Allerdings an manchen Stellen langatmig, zum Beispiel wenn der Autor sich in Landschaftsbeschreibungen verliert oder seine Figuren hemmungslos vor sich hin philosophieren lässt. Was Schätzing von unserer heutigen digitalisierten Welt hält? "Ich glaube Mark Zuckerberg kein Wort", sagte er kürzlich in einem Interview zu Zuckerbergs Entschuldigung vor dem US-Kongress. Den realen Datenskandal um Facebook findet Schätzing viel bedrohlicher als alle Szenarien in seinem Buch.

Die Tyrannei des Schmetterlings

von
Seitenzahl:
736 Seiten
Genre:
Roman
Verlag:
Kiepenheuer & Witsch Verlag
Bestellnummer:
978-3-462-05084-4
Preis:
26,00 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue Bücher | 25.04.2018 | 12:40 Uhr

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