Stand: 14.07.2017 17:00 Uhr

Ein XXL-Bildband über Pompeii zum Staunen

Fausto & Felice Niccolini - Houses and Monuments of Pompeii
von Valentin Kockel und Sebastian Schütze, aus dem Englischen von Cornelius Hartz
Vorgestellt von Claudio Campagna

Seit der Wiederentdeckung Pompejis im 18. Jahrhundert hat die "versunkene" Stadt die Menschen fasziniert. Ab dem 19. Jahrhundert wurden die Ausgrabungen wissenschaftlich erforscht. Da waren auch die Brüder Fausto und Felice aus der Künstler- und Architekten-Familie Niccolini mit von der Partie.

Pompeji aus vielen Perspektiven

Mit dem damals hochmodernen Mittel der Farblithografie und mit einer Vielzahl von Helfern dokumentierten sie Mosaike, Wandgemälde, Architekturformen und Alltagsgegenstände Pompejis, die sie zwischen 1854 und 1896 in Neapel publiziert haben. Der Taschen Verlag hat ihre künstlerische Dokumentation nun in einem voluminösen Band herausgebracht. Er zeigt die Überbleibsel jener Stadt, die der Vesuv bei seinem Ausbruch 79 nach Christus unter einer Ascheschicht begraben hat.

Augenzeugen damals und heute

Aus einiger Entfernung erlebte Plinius der Jüngere die Katastrophe. In seinem berühmten Brief an Tacitus schrieb der Augenzeuge:

"Es war, als verschlinge das Meer sich selbst und werde durch die Erderschütterung gleichsam auf sich selbst zurückgeworfen. ... Auf der entgegengesetzten Seite zerplatzte eine schreckliche schwarze Wolke, schoss und schleuderte schlangenförmige Feuermassen umher und entlud sich in länglichen Flammengestalten, die wie Blitze aussahen, aber größer waren." Plinius der Jüngere

Pompejis Wandgemälde, Ornamente und Mosaike taugten nach Ansicht der Brüder Niccolini immer noch als Anregung und Vorbild für Künstler der Gegenwart. Viele Muster von Mäanderbändern und Rauten oder florale Verzierungen haben sie in ihre Dokumentation daher mit aufgenommen. Feine Blattgirlanden umranken in einem Haus die sonst weitgehend weiße Wand, dazwischen kleine Szenen von Wildkatzen, die Hirsche jagen und zerfleischen. In einem anderen Haus vollführen rote Satyrn auf schwarzem Grund akrobatische Verrenkungen. Ihre muskulösen Körper tanzen und springen auf einem gespannten Seil. Vor dem "Haus des tragischen Dichters" warnt ein schwarz-weißes Mosaik Besucher vor dem Hunde. Ein anderes zeigt Tauben, die Wasser aus einer Bronze-Schale trinken. Die Körperhaltung der Vögel beim Heranfliegen oder Sich-Recken ist der Natur gut abgeschaut.

Eine Inspiration für viele Künstler

Pompeji und seine Wandbilder haben tatsächlich viele Künstler inspiriert. Der Kunsthistoriker Sebastian Schütze schreibt in einem Vorwort:

"Wenngleich die Kunst und Architektur Pompejis im Vergleich zu den Monumenten des klassischen Athen oder des kaiserzeitlichen Rom von eher provinziellem Charakter waren, so versprachen sie doch etwas ganz einmaliges, einen 'authentischen' Eindruck des antiken Alltagslebens." Leseprobe

Dazu gehörte auch der Exzess. Es gibt Darstellungen von Gelagen, auf denen zu sehen ist, wie sich ein Gast erbricht. Ein perspektivisch nicht ganz exaktes Bild zeigt aus der Vogelschau, wie es 59 nach Christus im Amphitheater unter den Zuschauern zu einer blutigen Schlägerei kam. Graffiti-Kritzeleien stellen Gladiatoren-Männchen in Rüstung dar; daneben stehen die Namen und Ergebnisse ihrer Kämpfe.

Detaillierte Dokumentation der Funde

Stadtpläne und Überblicktafeln mit Kunstwerken und Gebrauchsgegenständen - die Dokumentation der Funde von Pompeji ist äußerst detailliert. Andere Lithografien zeigen das Alltagsleben in Tempeln oder Thermen - wie es ausgesehen haben könnte. In einer Straßenszene sitzt ein Junge in Tunika barfuß vor einem Imbiss-Lokal; Tonkrüge und ein Schinken hängen an der Wand. Ein anderes Bild zeigt das Theaterviertel zum Zeitpunkt der todbringenden Eruption. Die schwarze Wolke schiebt sich gerade über die Dächer und zwischen Säulengängen rennen Menschen hin und her.

"Endlich lichtete sich jene Finsternis in eine Art Rauch oder Nebel auf; es wurde wirklich Tag, sogar die Sonne kam zum Vorschein, aber ganz trübe, wie bei einer Sonnenfinsternis. Alles zeigte sich dem noch ungewissen Blick verändert, und doch mit Asche, wie mit Schnee bedeckt." Plinius der Jüngere

Dies schrieb Plinius der Jüngere - und diesen Schleier lüftet ein Stück weit der Band "The Houses and Monuments of Pompeii". Das umfangreiche Material eignet sich zum Studium der Kunst und Kultur Pompejis, aber auch schlicht zum Blättern und Staunen. Viele Details lassen sich auf den Abbildungen in Ruhe und genau betrachten, wie das im Museum oft nicht möglich ist. Außerdem erweist sich die dokumentarische Lithografie als eine wenig bekannte, eigene Kunstform.

Fausto & Felice Niccolini - Houses and Monuments of Pompeii

von
Seitenzahl:
648 Seiten
Genre:
Bildband
Zusatzinfo:
Hardcover, 28,5 x 39,5 cm - Deutsch, Englisch, Französisch
Verlag:
Taschen
Bestellnummer:
978-3-8365-5687-3
Preis:
150,00 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 16.07.2017 | 17:40 Uhr

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