Stand: 13.06.2016 15:40 Uhr

Fallada, ein genauer Beobachter seiner Zeit

von Kathrin Matern

Das Buch "Kleiner Mann, was nun" machte Hans Fallada auf einen Schlag weltberühmt, als es 1932 erschien. Das Buch wurde in viele Sprachen übersetzt. Pinneberg und Lämmchen, die beiden Hauptfiguren des Romans, gehören längst zur Literaturgeschichte. Nun erscheint nun aber die erstmals ungekürzte Originalversion des Romans. Jahrzehntelang lag das Originalmanuskript beinah vergessen im Neubrandenburger Fallada-Archiv und wurde jetzt wiederentdeckt.

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Die Entdeckung war eine Sensation

"Für mich ist diese Entdeckung ein wahrer Schatz, eine wahre Sensation", sagt Nele Holdack, Lektorin im Aufbau-Verlag. "Es geht hier ja um eines von Falladas wichtigsten Werken, das wir jetzt so lesen erstmals, wie er es gemeint hat."

In 16 Wochen schreibt Fallada seinen Roman. "Kleiner Mann, was nun" erscheint am Vorabend der Machtübernahme der Nazis. Wie ein Seismograf verarbeitet Fallada die politische Stimmung im Manuskript. Doch in der gedruckten Version von 1932 fehlen ganze Passagen.

"Besonders Stellen, an denen es dem Autor darum ging, Politisches darzustellen, wurden geglättet, wurden gekürzt, zum Teil sogar ins Gegenteil verkehrt", erklärt Holdack. "Es gibt zum Beispiel eine Stelle, an der Johannes Pinneberg sich positiv über die Juden äußert, und die wurde so eingekürzt, dass am Ende eine negative Aussage da stand."

Kürzungen von Fallada autorisiert

Der Rowohlt-Verlag und Fallada selbst stecken damals in einer ökonomischen Krise. Hat man gekürzt, um möglichst viele Leser zu erreichen? Oder aus politischen Gründen? Fakt ist: Fallada hat die Kürzungen autorisiert.

Erika Becker vom Fallada-Archiv Neubrandenburg erklärt das so: "Wie die Kürzungen zustande kamen, darüber kann man nur spekulieren, da gibt es auch keine Verlagsgutachten wie zu anderen Romanen wie zum Beispiel 'Wolf unter Wölfen'. Ich denke, dass der Roman schon im Hinblick auch auf den Zeitungsvorabdruck gekürzt werden musste und dass dann in der Buchfassung bestimmte Kürzungen übernommen wurden."

Fallada beschrieb die Verhältnisse

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Die nun publizierte Originalversion ist um 100 Seiten umfangreicher, das ist gut ein Viertel des Romans. Nach Kriegsende wurde Fallada oft vorgeworfen, während des Dritten Reiches in die innere Emigration gegangen zu sein, sich weggeduckt zu haben. Liest man heute den Roman, erkennt man den genauen Beobachter, der dorthin schaut hat, wo es weht tat.

"Der brauchte seine mecklenburgische Landschaft, der brauchte seine Bündnerei, der konnte nicht andres existieren. Und genau das, sieht man dem Manuskript sehr wohl an. Dass Fallada nicht nur ein begnadeter Erzähler gewesen ist, sondern dass er schon sehr sehr deutlich die damaligen Verhältnisse erkannt hat. Der legt seinen Figuren, dem Lämmchen und dem Pinneberg, vor allen Dingen dem Lämmchen bestimmte Aussagen in den Mund, die ungeheuer dicht an die damalige Wirklichkeit herankommen", meint Literaturwissenschaftler Prof. Carsten Gansel.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Kulturjournal | 13.06.2016 | 19:05 Uhr

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