Stand: 27.03.2018 13:59 Uhr

Entstehung der Graphic Novel "The Death of Stalin"

The Death Of Stalin
von ‎Thierry Robin/ Fabien Nury 
Vorgestellt von Mathias Heller

Ab dem 29. März läuft die Politsatire "The Death of Stalin" in den deutschen Kinos an. Die englisch-französische Komödie erregte bei der Premiere im vergangenen Jahr viel Aufsehen, da Russland die Veröffentlichung im eigenen Land verboten hat - wodurch der Film natürlich eine große Bekanntheit erlangte. Weniger bekannt ist, dass der Film auf einem Comic basiert. Eine Rezension.

Einblicke in "The Death of Stalin"

Bevor uns der Zeichner Thierry Robin und der Texter Fabien Nury zurück in die sowjetische Geschichte katapultieren, findet sich zu Beginn des Buches ein wichtiger Hinweis:

"Obwohl von realen Begebenheiten inspiriert, erzählt das Buch doch eine fiktive Geschichte, frei konstruiert aus dokumentarischen Fragmenten, zuweilen parteiisch und oft widersprüchlich. Die Autoren möchten allerdings klarstellen, dass sie ihre Fantasie kaum haben bemühen müssen, da sie sich nur schwer etwas hätten ausdenken können, das dem irrsinnigen Wüten Stalins und seiner Umgebung vergleichbar gewesen wäre."

Es ist der 28. Februar 1953. Stalin hört im Radio ein Konzert. Er bestellt sich einen Mitschnitt. Doch die Verantwortlichen haben vergessen, es aufzuzeichnen. In Todesangst spielen sie das ganze Konzert noch einmal. Robin lässt seine Figuren mit großen Gesten und aufgerissenen Augen die Furcht spüren. Soldaten der Geheimpolizei treten fast gesichtslos in Erscheinung. Ihre Mützen werfen tiefe Schatten. Als Stalin dann die Aufzeichnung in seiner Villa abhört, trifft ihn ein Gehirnschlag.

Kommunistisch-stalinistische Realsatire

Was folgt, ist kommunistisch-stalinistische Realsatire. Die Spitzen der Partei kommen zusammen, um zu besprechen, was passieren muss. Doch lebensrettende Entscheidungen verheddern sich in Machtspielen, Abwarten und Missgunst.

Kein Wunder, denn schaut man in die Vergangenheit, wird klar: Die bösen Geister, die Stalin einst geschaffen hat, wird er nun, als es um sein Leben geht, nicht mehr los. Die Hauptfiguren sind historisch belegt: Georgi Malenkow, Lawrenti Beria, Nikolai Bulganin, Nikita Chruschtschow, Lasar Kaganowitsch und Anastas Mikojan - alle Teil des Zentralkomitees, das nun über die Zukunft entscheiden soll. Aber wessen Zukunft genau? Schnell wird klar, dass es dabei nicht um Russland, um die Menschen geht. Es geht jedem Einzelnen nur um sich selbst, um die Macht - mit allen Mitteln. Gelernt haben sie es bei ihrem große Führer Josef Wissarionowitsch Stalin.

Uhren werden zurückgedreht

Die Texte von Fabien Nury sind so glaubwürdig, als hätte man die Uhr zurück in die Zeit des real existierenden Sozialismus gedreht. Und Thierry Robin schafft Bilder, die düster genug sind, um die Angst und Gefahr der damaligen Zeit zu verstehen. Slapstick ist in dem Buch kaum zu finden. Und wenn man doch schmunzeln muss, angesichts des bürokratisch-kommunistischen Irrsinns, bleibt einem doch das Lachen im Halse stecken: durch die Millionen von Toten, die Stalin zu verantworten hat. "The Death of Stalin" ist mehr als nur ein Comic, es ist ein Buch zum "Geschichte-besser-verstehen".

The Death Of Stalin

Seitenzahl:
144 Seiten
Genre:
Graphic Novel
Verlag:
Splitter Verlag
Veröffentlichungsdatum:
25.02.2018
Preis:
29,80 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 28.03.2018 | 14:40 Uhr

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