Stand: 08.05.2019 17:17 Uhr

Ein Liederaturbuch für Schleswig-Holstein

von Anina Pommerenke

Hamburg hat schon eins - und Schleswig-Holstein soll jetzt auch eins bekommen: ein sogenanntes Liederaturbuch. Das ist ein Buch, in dem die wichtigsten Lieder aus der Region zusammengetragen werden, von historischen Balladen bis hin zu heute gesungenem Rap, egal ob friesisch, dänisch oder auf Hochdeutsch.

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Jochen Wiegandt sammelt Lieder aus Schleswig-Holstein für ein sogenanntes Liederaturbuch.

Im Hinterzimmer eines Fotostudios in Hamburg-Langenhorn blättert Liedermacher Jochen Wiegandt in seinem Liederaturbuch für die Stadt Hamburg. Lieder wie "La Paloma", "In Hamburg sagt man Tschüss" oder "Bei uns in Altona" hat Wiegandt dafür zusammengetragen, vor allem die Geschichten dahinter. Denn das regionale Liedgut zu bewahren, ist nicht sein einziges Ziel für das Buch, das jetzt auch für Schleswig-Holstein im Auftrag des Heimatbundes entstehen soll.

Das Buch soll mit Erlebnisberichten und Bildern aus älterer, aber auch aus neuerer Zeit vervollständigt werden. Von Geschichten aus der Volksschule über selbstgedichtete Strophen möchte Wiegandt alles zu den Liedern erzählen.

Hilfe durch Zusendungen

Für das Hamburger Buch hat der Liedermacher über 500 Zuschriften bekommen. Jeden Tag stand der Postbote vor der Tür und brachte sogar Pakete mit alten Instrumenten vorbei. Viele Erinnerungen und Zitate aus diesen Zusendungen sind am Ende in dem Liederbuch gelandet. Wiegandt hofft auf genau so viel Unterstützung aus Schleswig-Holstein.

"Wir suchen nicht nur die Lieder, sondern auch das Beimaterial wie Fotos, Autogrammkarten, Liederbücher - vielleicht hat noch einer etwas vom Ringreiten zu Hause oder der Gesangsverein noch eine große Fahne. So etwas brauchen wir", erklärt Wiegandt.

Mehr Singen!

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Wiegandt zeigt Quellen zum plattdeutschen Lied "Herrn Pastor sin Ko".

Das Liederaturbuch, so hofft der Musiker, soll die Menschen wieder zum gemeinsamen Singen bringen. Doch dafür müsste man die vielen Lieder erst einmal sammeln. "Das macht keiner", stellt Wiegandt fest. In Irland, Schottland und im Baltikum sei es üblich, dass Leute, die traditionelle Lieder singen, erzählen, woher sie die Lieder haben. Nur in Deutschland sei das nicht verbreitet.

Prominente Unterstützung

Dabei kann er sich über prominente "Zustimmung" freuen. Als Schleswig-Holsteins berühmter Tenor Klaus Florian Vogt von NDR Kultur von dem Projekt erfährt, zeigt er sich angetan: "Ich hoffe, dass das wiederkommt. Ich höre und habe es auch gesehen, dass es hier so eine Bewegung gibt, für jedermann zusammenzukommen und im Chor zu singen", berichtet Vogt. Er findet es schade, dass in Deutschland in den Familien so wenig gesungen wird und hofft, dass man das durch solche Geschichten wiederbeleben kann. Mehr gemeinsames Singen also! Und dabei noch spannende Geschichten zutagefördern.  

Ihre Erinnerungen für das Liederbuch

Warum wurde 1876 in Itzehoe eine völlig andere Version von "Herrn Pastor sien Kauh" gesungen, als sie heute bekannt ist? Antworten auf Fragen wie diese sollen schon nächstes Jahr im Liederaturbuch für Schleswig-Holstein zu finden sein, und hoffentlich auch viele weitere spannende Lieder, die in Schleswig-Holstein gesungen wurden und heute noch gesungen werden.

Haben Sie noch etwas zu Hause, das von Interesse sein könnte? Zuschriften können Sie unter dem Stichwort "Singen heute" an den Heimatbund In Schleswig-Holstein richten. Vielleicht wird dann auch Ihr Lied, Ihr Foto oder Ihre Erinnerung in dem Liederbuch abgedruckt.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 09.05.2019 | 10:20 Uhr