Buchcover: Annette Pehnt - Hieronymus oder Wie man wild wird / Ulrich Hub - Lahme Ente, blindes Huhn / Ole Könnecke - Dulcinea im Zauberwald © Hanser Verlag

Drei Vorlesebücher für die Ferienzeit

Stand: 16.07.2021 11:30 Uhr

Wann, wenn nicht in den Ferien, hat man viel Zeit, seinen Kindern mal wieder in Ruhe etwas vorzulesen? Wir haben drei Bücher herausgesucht, die sich dafür besonders gut eignen.

von Susanne Birkner

Empathie, Feinsinnigkeit und Spannung: "Hieronymus oder Wie man wild wird"

Es gibt einige etablierte Autorinnen und Autoren, die für Erwachsene und Kinder schreiben. Annette Pehnt, vielfach ausgezeichnete Schriftstellerin und Leiterin des Literaturinstituts der Uni Hildesheim, gelingt der Switch ausnehmend gut. Ihr aktuelles Kinderbuch "Hieronymus oder Wie man wild wird" überzeugt durch Empathie, Feinsinnigkeit und Spannung.

Buch-Info

Hieronymus oder Wie man wild wird
von Annette Pehnt
illustriert von Henrike Wilson
Hanser Verlag
Seiten: 128 Seiten
ISBN: 978-3-446-26952-1
Preis: 13,00 Euro
ab 8 Jahren

Luki ist schlau. Und das wird von seiner alleinerziehenden Mutter extrem gefördert und auch eingefordert. In seiner Klasse kommt das nicht so gut an. Alles ändert sich, als er plötzlich einen sprechenden Waschbären kennenlernt. Der ist ebenso höflich und zurückhaltend wie Luki und wird deswegen von seinen Geschwistern geärgert. Deshalb ist er weggelaufen. Luki genießt es sehr, Teil eines kleinen Rudels mit Hieronymus zu sein. Aber eigentlich will der nur eins: wild werden. Luki zieht ein anderes Mädchen ins Vertrauen und gemeinsam mit der mutigen und entscheidungsfreudigen Kati versucht er, dem Waschbären zu helfen. Inklusive Einbruch in den Zoo.

Natürlich wird in diesem Entwicklungsroman auch Luki etwas wilder und auch etwas beliebter. Aber trotzdem ist dieses Buch nicht vorhersehbar, sondern ein wirklich mitreißendes Plädoyer dafür, andere einfach so sein zu lassen, wie sie sind. Gerade für Kinder, denen es ähnlich geht wie Luki, eine tröstliche Geschichte, auch zum Selberlesen.

Ungewöhnliche Geschichte über Vertrauen und Liebe: "Lahme Ente, blindes Huhn"

Buch-Info

Lahme Ente, blindes Huhn
von Ole Könnecke
mit Bildern von Jörg Mühle
Carlsen Verlag
Seiten: 96 Seiten
ISBN: 978-3-551-55810-7
Preis: 13,00 Euro
ab 7 Jahren

Auf einem Hinterhof stolpert ein blindes Huhn über eine lahme Ente, die sich dort in ihrer Einsamkeit eingerichtet hat. Das Huhn ist vorlaut, abenteuerlustig und auf der Suche nach dem Ort, an dem der geheimste Wunsch in Erfüllung geht. Es überredet die ängstliche Ente, mit ihm zu kommen. Sie streiten, reden, lernen sich kennen, erleben die wildesten Abenteuer - und als Erwachsene ahnt man irgendwann, dass die lahme Ente dem blinden Huhn diese Abenteuer nur vormacht. Für Kinder wird das erst am Schluss aufgelöst. Und dieses Spiel mit den Ebenen macht "Lahme Ente, blindes Huhn" auch zu einem besseren Vorlese- als Selbstlesebuch, weil man eventuell etwas nachhelfen muss beim Verständnis.

Die Dialoge der beiden sind großartig - man merkt, dass Ulrich Hub vom Theater kommt. Sein Theaterstück "An der Arche um acht" wurde in mehr als 30 Sprachen übersetzt. Und auch diese Geschichte kann man sich gut auf der Bühne vorstellen. Eine ungewöhnliche Geschichte über Vertrauen und Liebe.

Wunderbare Vater-Tochter-Geschichte: "Dulcinea im Zauberwald"

Buch-Info

Dulcinea im Zauberwald
von Ole Könnecke
Hanser Verlag
Seiten: 64 Seiten
ISBN: 978-3-446-26951-4
Preis: 16,00 Euro
ab 4 Jahren

Der Hamburger Kinderbuchautor Ole Könnecke schafft es immer wieder, mit absolut kindgerechter Sprache, die spannendsten und witzigsten Geschichten zu erzählen und sie dann auch noch genial, im Comic-Stil, zu bebildern. Diesmal also ein Märchen: Dulcinea lebt mit ihrem Vater glücklich und zufrieden am Waldrand. Es gibt nur eine Regel: niemals in den Wald gehen, denn da lebt die Hexe. Doch an Dulcineas Geburtstag soll es Blaubeerpfannkuchen geben, und sie haben vergessen, welche auf dem Markt zu kaufen. Also geht der Vater in den Wald:

Und da kam die Hexe. "Was machst du hier?!" kreischte sie. "Wer, ich?", stammelte der Vater. "Eigentlich nichts. Ich pflücke nur ein paar Blaubeeren." "Aha! Ein Naturfreund! Na, dann werde ich dich jetzt mal in einen Baum verwandeln." "Aber warum denn?" rief der Vater. "Warum denn nicht?", sagte die Hexe. Leseprobe

Dulcinea sucht den Vater, erkennt ihn als Baum sofort an seinem Hut, seinem Schnurrbart und seinen saften, braunen Augen - eine herrliche Zeichnung - und macht sich auf den Weg, um es mit der Hexe aufzunehmen. Schließlich lässt sich ein so mutiges Mädchen wie Dulcinea nicht den Geburtstag von sowas vermiesen. Eine wirklich wunderbare Vater-Tochter-Geschichte.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Mikado | 17.07.2021 | 08:50 Uhr

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